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Sonntag, 20. August 2017
   
 

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Regio-Währungen in Deutschland

Wie viele Währungen hat Deutschland?

Die ganze Euro-Zone nutzt den Euro. Die ganze Euro-Zone? Nein! Einige unbeugsame Teutonen nämlich zahlen weder mit Euro noch Sesterzen, sondern mit regionalen, parallelen Währungen wie etwa den Chiemgauer, Roland, Sterntaler, Bethel-Euro oder den Lindentaler. Der Londoner Währungsexperte Ebury gibt einen Überblick über das Regiogeld und seine Bedeutung.

Seit 2002 ist der Euro die offizielle Währung der Euro-Zone und anerkanntes Zahlungsmittel in Deutschland. Unbemerkt von der Mehrheit der Bevölkerung existieren aber neben dem Euro noch weitere Währungen in Deutschland: In Gestalt des Regiogelds. Die bekanntesten der zeitweise bis zu 40 Währungen und Initiativen sind der Chiemgauer, der Roland, der Sterntaler, der Bethel-Euro und der Lindentaler.

Regio-Währungen sind alternative Währungen, die komplementär als Zahlungsmittel in einer lokal begrenzten Gemeinschaft verwendet werden. Das Regiogeld kann nicht überregional genutzt werden und wird in einem Wirtschaftsgebiet verwendet, in dem die Nutzer ein gemeinsames Interesse pflegen. Dies wird vor allem durch die Vitalität der lokalen Ökonomie bestimmt.

Grundsätzlich wird es als Tauschmittel eingesetzt, das neben der offiziellen Währung existiert. Es wird vom deutschen Finanzsystem toleriert, da es sich genau genommen nicht um Geld handelt, sondern um Wertgutscheine. Oftmals sind die Scheine mit Bildern regionaler Sehenswürdigkeiten verziert, durch Wasserzeichen und Prägungen werden sie fälschungssicher gemacht.
 
Entstehung und Funktion


Die Grundidee hinter der Einführung der Regiogelder ist die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Um die Jahrtausendwende erfuhr die Regionalwährung einen Boom, der neuen Währung Euro wurde kein flächendeckendes Vertrauen geschenkt und die voranschreitende Globalisierung bereitete kleinen Kommunen und Landkreisen Sorge. Um nun die eigenen ökonomischen Kreisläufe zu stärken, wurden die Regiogelder ins Leben gerufen.

Damit sie nicht einfach gehortet werden, um möglichst hohe Zinserträge zu erzielen, gibt es auf sie schlicht keine Zinsen sondern eine Umlaufsicherungsgebühr. Somit verlieren die Regios stetig an Wert (man spricht von “Schwundgeld”) und bevor sie ihre Kaufkraft vollständig einbüßen, werden sie lieber wieder dem Marktzyklus zugeführt. Da dieser Zyklus auf eine Region beschränkt ist, wird diese immer wieder mit einem stetigen Geldfluss versorgt und gestärkt. Mit der Verwendung von Regios gehen verkürzte Transportwege einher, da nur lokale Konsumgüter bezogen werden können - ein Gegenkonzept zur fortschreitenden Globalisierung.

Erhältlich sind die Scheine meistens in den Einheiten 1, 2, 5, 10, 20 und 50, bestimmte Stellen in den Regionen sind zur Ausgabe berechtigt. Auch Sparkassen gehören zu den Emittenten, da diese oft kommunal getragen werden. Abnehmer der Regiogelder können Anträge stellen und erhalten je nach eigenem Ermessen eine Kennzeichnung an ihrem Geschäft sowie die Möglichkeit, ein Regiocard-Lesegerät zu erwerben um auch die virtuelle Abwicklung zu gewährleisten.
 
Verbreitung und Währungswert

Grundsätzlich unterscheiden sich die Regiogelder in dem Gegenwert ihrer herausgegebenen Währung. Die meisten Regiowährungen in Deutschland funktionieren durch die Hinterlegung in Euro und aufgrund eines real existierenden Tauschkurses (Eintauschverhältnis 1:1, Rücktausch zum Festkurs). Somit kann offizielles Geld oder Leistung in eine Währung getauscht werden, die nur in einem bestimmten Gebiet anerkannt ist. Ein paar wenige Gebiete, in denen mit Regiogeldern gehandelt wird, decken den Wert allerdings durch Leistungen und Waren ab und unterstehen einem idealistischen und solidarischen Konzept.

Der in Magdeburg sitzende Regiogeld-Verband verzeichnet derzeit 30 aktive Währungen in Deutschland, die neben dem Euro existieren. Vor allem in den Randregionen im Westen und Süden des Bundeslandes haben sich Komplementärwährungen etabliert, wobei die im Osten gehandelten Regios ausschließlich dem Prinzip der Leistungs- und Warendeckung folgen. Als gefestigte Freigelder gelten unter anderem der Chiemgauer, der Roland, der Sterntaler, der Bethel-Euro und der Lindentaler. Der Bethel-Euro ist die älteste noch aktive Regiowährung, seit 1908 kann mit ihm in verschiedenen Geschäften innerhalb der diakonischen Einrichtung bezahlt werden.

Ansätze

Der gemeinsame Grundsatz, dem alle Verbände und Genossenschaften folgen, ist die Stärkung der Gemeinschaft. Eine nachhaltige Entwicklung wird durch das regionale Wachstum gefördert, kleine Dienstleister und Erzeuger erhalten einen durch die Gemeinde gestützten Bestandsschutz. Dass Freigelder, wie der Bethel-Euro oder der Lindentaler, aus einem rein solidarischen Ansatz entstanden sind, bei dem durch Leistungs- und Warendeckung das Finanzsystem aufrechterhalten wird, ist in Deutschland eher selten. Eine Motivation haben aber wohl alle gemein: Das System der Wirtschaftskreisläufe soll transparenter gestaltet werden. Häufig argumentieren die Regionen auch mit dem Umweltschutz, da Transportwege zwangsweise verkürzt werden.

Die Währung aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein kann in einem Wechselkurs von 1:1 gegen den Euro getauscht werden, allerdings nur gegen eine Gebühr von 5%. Von diesen 5% gehen 40% an gemeinnützige Vereine in der Region. Fast 600 Unternehmen handeln inzwischen mit der Währung, im Vergleich zum Sterntaler, der von 130 Vereinen und Unternehmen anerkannt wird, ist der Chiemgauer damit die erfolgreichste Regiowährung ihrer Art. 3% des gegen Euro eingetauschten Sterntalers kommen Förderprojekten im Berchtesgadener Land zugute, der soziale Charakter der Regiogelder ist also unumstritten.
 
Wirkung

Von den aktiven Komplementärwährungen profitieren 30 Gemeinden und Landkreise in Deutschland. Die Verbreitung und das Wissen um die Existenz dieser Regiogelder ist allerdings begrenzt. Fabio Comminot, Währungshändler für die DACH-Region bei Ebury dazu: “Trotz der vielen verschiedenen Initiativen spielt das Regio-Geld volkswirtschaftlich kaum eine Rolle, selbst in den Gemeinden, die es nutzen. Allerdings stärkt es charmanterweise den lokalen Zusammenhalt sowie lokale Unternehmen und da der Euro-Kreislauf darunter nicht leidet, spricht überhaupt nichts gegen derlei Initiativen.”

Während Ende 2014 beispielsweise der Wert aller im Umlauf befindlichen Euro-Scheine erstmals die Grenze von einer Billion Euro durchbrach, hat die mit Abstand erfolgreichste und am stärksten verbreitete Regio-Währung 1.143.443 Chiemgauer im Umlauf in einem Verbreitungsgebiet von 480.000 Einwohnern (3126 Verbraucher, 561 Unternehmen, 266 Vereine, 32 Ausgabestellen).

 


Veröffentlicht am: 11.05.2016

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