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Freitag, 19. Juli 2019
   
 

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Deutsche Staatsoper: VIOLETTER SCHNEE

Eine Inszenierung von Claus Guth, dirigiert von Matthias Pintscher

Am 13. Januar 2019 kommt VIOLETTER SCHNEE von Beat Furrer als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden zur Uraufführung. VIOLETTER SCHNEE reflektiert die existenziellen Erfahrungen des Fremdwerdens und des Verlusts der Sprache angesichts einer drohenden Katastrophe.

Das neue Werk ist von Beginn an in enger Kollaboration zwischen dem Komponisten, dem Regisseur Claus Guth und dem Librettisten Händl Klaus entstanden und basiert auf einer Vorlage von Wladimir Sorokin. Inspiriert wurde Beat Furrer bei seiner Komposition unter anderem von Pieter Bruegels d. Ä. Gemälde »Die Jäger im Schnee«. Für das Bühnenbild zeichnet Étienne Pluss verantwortlich, für die Kostüme Ursula Kudrna. Die musikalische Leitung der Staatkapelle Berlin übernimmt Matthias Pintscher.

Die Besetzung besteht aus Anna Prohaska (Silvia), Elsa Dreisig (Natascha), Gyula Orendt (Jan), Georg Nigl (Peter), Otto Katzameier (Jaques) und Schauspielerin Martina Gedeck (Tanja). Darüber hinaus singt das Vokalconsort Berlin. Bei der letzten Vorstellung von VIOLETTER SCHNEE am 31. Januar wird Komponist Beat Furrer selbst dirigieren.

Eine geschlossene Gesellschaft: fünf Menschen in einem Haus, umgeben nur von Schnee. Sie sind ausgesetzt, auf ihre pure Existenz zurückgeworfen. Etwas ist passiert, doch haben sie dafür keine Sprache. Ihre Hölle ist die Ungewissheit. Ohne darüber reden zu können, was geschehen ist, was aus ihnen wird, befinden sie sich im freien Fall ins Unbekannte. Einzige Sicherheit ist der Schnee draußen. Es gibt noch eine sechste Person, Tanja, die nur beschreibt, was sie sieht. Oder ist sie eine Phantasmagorie, die Erinnerung an eine Verstorbene?

Beat Furrer: »Die Musik erzählt den Zerfall dessen, was man gekannt, was man geliebt hat. Es ist das Vertraute, das fremd geworden ist und uns existenziell in Frage stellt.«

Beat Furrer (*1954) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Seit den 1980er Jahren hat Beat Furrer ein breites Repertoire geschaffen, das von Solo und Kammermusik bis zu Werken für Ensemble, Chor, Orchester und Oper reicht. Im Jahr 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb er seine erste Oper DIE BLINDEN, seine zweite Oper NARCISSUS wurde 1994 beim steirischen herbst an der Oper Graz uraufgeführt. 2001 wurde das Musiktheater BEGEHREN in Graz uraufgeführt, 2003 die Oper INVOCATION in Zürich und 2005 das vielfach ausgezeichnete und gespielte Hörtheater FAMA in Donaueschingen. Seit Herbst 1991 ist Beat Furrer Ordentlicher Professor für Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz.

Ende der 90er hat er gemeinsam mit Ernst Kovacic »impuls« als internationale Ensemble- und KomponistInnenakademie für zeitgenössische Musik in Graz gegründet. 2004 erhielt er den Musikpreis der Stadt Wien, seit 2005 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 2006 wurde er für FAMA mit dem Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig ausgezeichnet. 2014 erhielt er den großen österreichischen Staatspreis, 2018 den Ernst von Siemens Musikpreis für »Ein Leben im Dienste der Musik«.

Händl Klaus wurde 1969 in Tirol geboren, er lebt am Bielersee und in Wien. Neben Lyrik und Prosa verfasste er Theaterstücke, die bei den Münchner Kammerspielen, den Salzburger Festspielen, am Burgtheater Wien, bei der Ruhrtriennale und dem steirischen herbst uraufgeführt wurden; (WILDE) MANN MIT TRAURIGEN AUGEN und DUNKEL LOCKENDE WELT wurden in Sebastian Nüblings Regie zum Berliner Theatertreffen eingeladen. VIOLETTER SCHNEE ist seine zweite Arbeit für Beat Furrer nach WÜSTENBUCH (Theater Basel 2010 mit Wiener Festwochen und MaerzMusik). Weitere Opernlibretti verfasste er für Georg Friedrich Haas (BLUTHAUS, 2011; THOMAS, 2013; KOMA, 2016, alle: Schwetzinger SWR Festspiele), Arnulf Herrmann (DER MIETER, Oper Frankfurt 2017), Heinz Holliger (LUNEA, Opernhaus Zürich 2018), Klaus Lang (BUCH ASCHE, Oper Bonn 2010) und Hèctor Parra (WILDE, Schwetzinger SWR Festspiele 2015 und LES BIENVEILLANTES, Vlaamse Opera 2019). Als Filmemacher präsentierte er 2008 seinen ersten Spielfilm »MÄRZ«, gefolgt von »KATER« (2016).

Händl Klaus erhielt unter anderem den Robert Walser-Preis, den Gert-Jonke-Preis, den Feldkircher Lyrikpreis, den Welti-Preis, den Silbernen Leoparden des Filmfestivals Locarno und den Teddy Award der Berlinale. Die Oper KOMA (Komponist Georg Friedrich Haas) wurde zur Uraufführung des Jahres 2016 gewählt.

Für Claus Guth ist VIOLETTER SCHNEE nach DIE FRAU OHNE SCHATTEN (2017), JULIETTE (2016), THE TURN OF THE SCREW (2014) und ASCHEMOND ODER THE FAIRY QUEEN (2013) die fünfte Produktion an der Berliner Staatsoper. Der in Frankfurt am Main geborene Regisseur wurde zweimal mit dem renommierten deutschen Theaterpreis »Der Faust« ausgezeichnet und ist regelmäßiger Gast an den wichtigsten Opernhäusern und Festivals der Welt, wie den Bayreuther Festspielen, am Opernhaus Zürich, der Hamburgischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, den Salzburger Festspielen, der Wiener Staatsoper, dem Theater an der Wien und der Opéra national de Paris. Claus Guth ist besonders für seine Opernproduktionen der Werke Richard Wagners und Richard Strauss’ bekannt, darüber hinaus hat er eine Reihe bedeutender Uraufführungen konzipiert und produziert.

Matthias Pintscher ist musikalischer Leiter des Ensemble intercontemporain. Zurzeit ist er im neunten Jahr als »Artist in Association« mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra. Er war der erste »Artist in Residence« der Hamburger Elbphilharmonie sowie bei ihrer Eröffnungsfeier beteiligt. Mit Anfang Zwanzig nahm das Komponieren noch die zentrale Rolle in seinem Wirken ein: Er begann seine musikalischen Studien bei dem ungarischen Dirigenten und Komponisten Péter Eötvös. Während er mit Pierre Boulez arbeitete, wurde das Dirigieren zunehmend wichtiger, bis es schließlich zu Pintschers Haupttätigkeit wurde. In der Saison 2017/18 arbeitete er mit dem Los Angeles Philharmonic, dem BBC Scottish Symphony Orchestra und u. a. an Projekten mit dem Utah Symphony, dem Finnish Radio Symphony Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra (Beethovens 9. Sinfonie), dem Saint Paul Chamber Orchestra und dem Orchestre de la Suisse Romande und debütierte mit dem Concertgebouw Orchester und dem London Symphony Orchestra.

Als Komponist werden seine Werke von namhaften Orchestern und Künstlern aufgeführt. Sein Cellokonzert »Un despertar« wurde von Alisa Weilerstein und dem Boston Symphony Orchestra aufgeführt, im April 2017 wurde »Shirim« für Bariton und Orchester mit Bo Skoyhus und dem NDR Elbphilharmonie Orchester uraufgeführt. Seit 2014 unterrichtet er außerdem an der Julliard School, seine Publikationen erschienen beim Bärenreiter-Verlag.

Zur Vorbereitung auf die Premiere findet am Sonntag, dem 6. Januar um 11 Uhr im Apollosaal der Staatsoper Unter den Linden eine Einführungsmatinee mit an der Produktion Beteiligten statt. Der Eintritt ist frei.

VIOLETTER SCHNEE
Oper (2019)
Musik von Beat Furrer
Text von Händl Klaus basierend auf einer Vorlage von Wladimir Sorokin in der Übersetzung von Dorothea Trottenberg
Uraufführung am 13. Januar 2019 um 18:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 16., 24., 26. und 31. Januar 2019
Staatsoper Unter den Linden
Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Apollosaal statt.

Die Produktion wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden

Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

Foto: Staatsoper Unter den Linden / Marcus Ebener

 


Veröffentlicht am: 29.12.2018

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