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Dienstag, 6. Dezember 2022
   
 

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator

Österreichs Wirtschaft auf dem Weg in eine milde Rezession

Mit Beginn des Herbsts hat sich die Abkühlung des Konjunkturklimas in Österreich fortgesetzt. Während die Probleme in den Lieferketten nur langsam nachlassen, stellen die Auswirkungen der hohen Energiepreise als Folge des Kriegs in der Ukraine eine immer stärkere Belastung für die österreichische Wirtschaft dar.

„Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im September auf minus 2,5 Punkte gesunken und liegt damit den zweiten Monat in Folge im negativen Bereich. Der erneute Rückgang senkt den Indikator auf den niedrigsten Wert seit dem Frühjahr 2020, als infolge des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie die österreichische Wirtschaft in eine Rezession schlitterte“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Mittlerweile ist die Eintrübung der Konjunktur in allen Wirtschaftsbereichen spürbar. Nach der Abkühlung der Stimmung am Bau und in der heimischen Industrie seit Beginn des Kriegs in der Ukraine erhielt Ende des Sommers erstmals der Optimismus im Dienstleistungssektor einen deutlichen Dämpfer.“

Dienstleistungssektor schließt sich Abschwung der Produktionsbereiche an

Der Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im August wurde stark durch die Stimmungsverschlechterung im Dienstleistungssektor verursacht. In den vergangenen Monaten sind in den meisten Servicebereichen die Geschäfte sehr gut gelaufen. Die Nachfrage profitierte durch Nachholeffekte nach der vollständigen Aufhebung von Pandemiemaßnahmen sowie die hohe Liquidität der Kunden nach beschränkten Konsummöglichkeiten während der Pandemie.

„Die Sorgen über die stark steigende Inflation und die zunehmende Überwälzung der gestiegenen Kosten auf die Verkaufspreise bremsen nun auch in Dienstleistungsbereichen die Nachfrage, das hat im August die Geschäftsstimmung erstmals seit dem Lockdown zu Beginn des vorigen Winters unter den langjährigen Durchschnitt gedrückt. Die steigenden Lebenshaltungskosten werden in den kommenden Monaten die Konsumnachfrage der Österreicher:innen weiter dämpfen“, erwartet Bruckbauer. Die Verbraucherstimmung, die diese Entwicklung durch den starken Einbruch in den vergangenen Monaten vorzeichnet, hat sich aktuell zwar etwas verbessert, liegt jedoch nur ganz knapp über dem Allzeittief des Sommers.

Während der Stimmungsrückgang am Bau im August angesichts der noch guten Auftragslage und nachlassender Lieferprobleme vorerst noch relativ gering war, trübte sich das Konjunkturklima in der heimischen Industrie deutlich ein. Die Verschlechterung des Exportumfelds schlägt sich in einem rückläufigen Neugeschäft nieder. Zudem kam es nur zu einer geringfügigen Entspannung der Lieferverzögerungen, während die Kosten für Vormaterialien und vor allem für Energie, wie Gas und Strom, erneut stark gestiegen sind und mittlerweile die Rentabilität der Produktion gefährden.

Rezession im Winter erwartet

Nach einem starken Jahresbeginn und der Wachstumsverlangsamung im Frühjahr signalisieren die aktuell negativen Werte des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators, dass eine moderat rückläufige Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten bevorstehen dürfte. Das kräftige Wachstum der ersten Jahreshälfte ist bereits über den Sommer weitgehend zum Erliegen gekommen, da die Industrie und die Bauwirtschaft nicht mehr zulegen konnten. Der Dienstleistungssektor hielt, gestützt auf den Tourismus, zwar entgegen, mehr als eine Stagnation im dritten Quartal dürfte jedoch nicht erreicht worden sein. Mit dem Ausfall des Dienstleistungssektors als Wachstumsträger dürfte gegen Ende 2022 die österreichische Wirtschaft in eine – voraussichtlich milde – Rezession abgleiten.

„Nachdem das Wirtschaftswachstum in der ersten Jahreshälfte nach den neuesten Daten sogar 8 Prozent im Jahresvergleich erreicht hat, haben wir unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr erhöht. Trotz der nun weniger günstigen Aussichten für die kommenden Monate erwarten wir für 2022 einen Anstieg des BIP um 5,3 Prozent, statt bisher 4,4 Prozent“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Damit wird die österreichische Wirtschaftsleistung nach dem starken Einbruch zu Beginn der Pandemie Ende 2022 immerhin bereits mehr als 3 Prozent über dem Vorkrisenniveau liegen.

Die österreichische Wirtschaft wird einen sehr schwierigen Start ins Jahr 2023 haben. Durch die hohen Energiepreise, die sich zunehmend in den allgemeinen Verbraucherpreisen niederschlagen werden, drohen trotz staatlicher Kompensationsmaßnahmen vielen Haushalten reale Einkommensverluste. Die Konsumnachfrage wird in den ersten Monaten des Jahres 2023 voraussichtlich zurückgehen. Auch die Investitionen der Unternehmen werden angesichts der hohen Kostenanstiege sowie der bestehenden Unsicherheiten und fehlender Perspektiven die Konjunkturentwicklung dämpfen.

„Nach der milden Rezession über den Winter erwarten wir mit einer beginnenden Entspannung der Inflation im weiteren Jahresverlauf 2023 eine langsame Erholung der Nachfrage und die Rückkehr der österreichischen Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad. Für das Gesamtjahr 2023 haben wir unsere BIP-Prognose von 1,5 auf nur noch 0,4 Prozent zurückgenommen“, meint Pudschedl. Der Prognose unterliegt die Annahme, dass es zu keinen Produktionsausfällen aufgrund mangelnder Energieversorgung kommen wird, jedoch die Preisentwicklung zu Produktionseinschränkungen aus Rentabilitätsgründen bei einzelnen Unternehmen führen kann.

Konjunkturabkühlung schlägt sich auf den Arbeitsmarkt nieder

Der Verbesserungstrend am Arbeitsmarkt hat sich seit Jahresbeginn klar verlangsamt und ist seit Mitte des Jahres unterbrochen. Grund ist das Auslaufen von Aufholeffekten nach der Pandemie sowie die beginnende konjunkturelle Abkühlung infolge der Belastungen durch anhaltende Lieferstörungen und den Krieg in der Ukraine. Seit Juni steigt die saisonbereinigte Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat erstmals seit dem Höhepunkt während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 wieder an und lag im August bei 6,4 Prozent.

Infolge der sich verstärkenden Konjunkturabschwächung erwarten wir in den kommenden Monaten einen Anstieg der Arbeitslosenquote in Österreich, der jedoch überschaubar ausfallen sollte, da die Beschäftigung angesichts des bestehenden Arbeitskräftemangels in vielen Branchen voraussichtlich kaum reduziert werden wird. Im Jahresdurchschnitt 2022 dürfte die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent sinken, der niedrigste Wert seit 2007.

Trotz der Abkühlung der Wachstumsdynamik im kommenden Jahr wird die Beschäftigung voraussichtlich weiter zunehmen und das leicht steigende Arbeitskräfteangebot damit weitgehend auffangen können. „Aufgrund der Verschlechterung der Konjunkturlage, die aus unserer Sicht zu einer leichten Rezession zu Jahresbeginn führen wird, haben wir unsere Prognose geringfügig erhöht und erwarten mittlerweile nur noch eine Stabilisierung der Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2023 bei 6,3 Prozent“, meint Pudschedl.

Aufwärtstrend der Inflation dürfte sich noch bis in den Winter fortsetzen

Die hohe Unsicherheit bezüglich der Versorgungssicherheit sorgt weiterhin für Rückenwind für die Energiepreise, speziell für Gas- und Strompreis, und führt zu einer Fortsetzung des Aufwärtstrends der Inflation in Österreich. Darüber hinaus schlagen sich die höheren Energiekosten in vielen Branchen zunehmend in höheren Verkaufspreisen nieder.

„Nach einer durchschnittlichen Teuerung in den ersten acht Monaten von 7,5 Prozent und sogar über 9 Prozent im Juli und August sind in den kommenden Monaten sogar zweistellige Inflationswerte in Österreich nicht mehr auszuschließen. Im Jahresdurchschnitt 2022 gehen wir mittlerweile von einer Teuerung von 8,3 Prozent aus“, so Pudschedl. Erst über den Winter sollte sich der Inflationsauftrieb verlangsamen.

Bedingt durch automatische Indexanpassungen wird die Inflation trotz des voraussichtlich dämpfenden Einflusses der Preise für (Energie-)Rohstoffe 2023 vorerst aber nur langsam sinken. Dennoch dürfte die Teuerung im letzten Jahresdrittel 2023 auf rund 3 Prozent im Jahresvergleich zurückkehren, gedämpft durch die spürbare Abschwächung der Konjunktur. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria haben die Inflationsprognose für 2023 auf durchschnittlich 5,5 Prozent angehoben. Angesichts der volatilen Einflüsse sowie möglicher staatlicher Preisregulierungen ist die Inflationsprognose jedoch mit hoher Unsicherheit gekennzeichnet.

EZB zieht die Zügel fester

Der gestiegenen Inflation begegnet die Europäische Zentralbank mit einer beschleunigten Verschärfung des geldpolitischen Kurses. Um sicherzustellen, dass sich die Inflation nicht in den Erwartungen und Lohnabschlüssen verfestigt, erfolgt eine deutlichere Anhebung der Zinsen auch zum Preis einer Beeinträchtigung der Wirtschaftsdynamik mit ungünstigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Nach der Anhebung der Leitzinsen um 50 Basispunkte im Juli erfolgte im September ein weiterer Zinsschritt um sogar 75 Basispunkte nach oben. „In Anbetracht unserer höheren Inflationserwartung gehen wir nun davon aus, dass der Einlagensatz voraussichtlich noch im ersten Quartal 2023 seinen Höchststand bei 2 Prozent erreichen wird und der Refinanzierungssatz bei 2,5 Prozent, statt wie bisher bei 1,25 bzw. 1,75 Prozent. Wir gehen dabei bis zum Jahresende 2022 noch von zwei weiteren Schritten um 50 Basispunkte und erst im ersten Quartal 2023 von einer Verlangsamung des Tempos der Zinsanhebungen auf 25 Basispunkte aus“, so Bruckbauer abschließend.

 

Veröffentlicht am: 16.09.2022

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