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Donnerstag, 4. Juni 2020
   
 

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Räuchern für die Seele

Ein Gespräch mit Annemarie Zobernig

Annemarie Zobernig hat vor mehr als 20 Jahren in Wien bei „Indigo Enterprises“ für das Räuchern Feuer gefangen und gründete vor 15 Jahren das Räucher- und Trommel-Fachgeschäft „Duftklang“ in Tirol.

Heute präsentiert sie das Räuchern und seine vielfältigen Vorteile in einer sehr zeitgemäßen Form. Bei ihren Räucherseminaren in Österreich, Südtirol und Bayern stellt Zobernig bewährte Methoden vor und lädt zum Spüren und Anwenden ein. Zudem bietet sie individuelle Hausräucherungen und Duft-Coachings an, die in herausfordernden Lebenssituationen mehr Stabilität und Kraft schenken können. In „Räuchern für die Seele“ gibt die Expertin erstmals ihr Wissen in Buchform weiter.

Barbara Böhm sprach mit der Räucher-Fachfrau.

Bisher haben Sie Ihre Erfahrungen in traditioneller Räuchermanier weitergegeben: mündlich und „der Nase nach“ bei Ihren Duftklang-Seminaren. Was hat Sie dazu motiviert, das Räuchern und seine vielfältigen Vorteile in Buchform vorzustellen?
Annemarie Zobernig:
Heute werden Informationen fast nur noch digital weitergegeben – eine Flut an Bildern, Worten und Eindrücken. Das Lesen eines „analogen“ Buches ist – wie das Räuchern selbst – ein Innehalten in der Schnelligkeit des Alltags und kann so eine Brücke dafür sein, sich Zeit für sich selbst – und Zeit fürs Räuchern zu nehmen. Das Lesen des Buches „Räuchern für die Seele“ kann eine erste Kontaktaufnahme für Neueinsteiger ins Thema Räuchern sein und ein praktisches Nachschlagewerk für erfahrene Räuchernde. Das Buch ist wie eine „Eintrittskarte in die duftende Welt der Pflanzen“.

Das Räuchern begleitet die Geschichte der Menschheit von Anbeginn und ist überall auf der Welt beheimatet. Was ist heute noch davon übrig?
Annemarie Zobernig:
Man geht davon aus, dass das Räuchern so alt ist wie der Gebrauch des Feuers durch den Menschen. Die wenigsten Völker machten Aufzeichnungen über ihre Feste und Rituale, sondern überlieferten sie mündlich und im Alltag weiter. Deshalb wandelte sich die Räuchertradition auch über die Jahrtausende mit dem Menschen: von der direkten Verbundenheit und Abhängigkeit von der Willkür der Natur, über die Anrufung von Geistern und Göttern, im praktizierten religiösen Glauben und Aberglauben, als uralte natürliche Heilmethode, bis es in der modernen Zeit fast völlig von der Bildfläche verschwand. Das „Ausräuchern“ in den Bauernhäusern des Alpenlandes, der Einsatz von Räucherstäbchen als Opfergaben in fernöstlichen Tempeln, der klassische Weihrauch in der Kirche sind letzte Überbleibsel dieser großen Tradition gewesen. Aber langsam besinnt sich der Mensch wieder auf die Kräuter und Düfte der Natur! Dass die wertvolle Kunst des Räucherns wieder seinen Platz in unserem Alltag findet, war eines meiner großen Ziele, als ich Ende der 90er Jahre mit dem Räuchern begann.

Als Sie sich vor über 20 Jahren dazu entschlossen, professionell zu räuchern, gab es kaum schriftliche Aufzeichnungen und noch weniger wissenschaftliche Forschungen, an denen Sie sich orientieren konnten. Welche Quellen und Einflüsse haben Sie genutzt, um Erfahrungen zu sammeln?
Annemarie Zobernig:
Meine Quellen für das Räuchern sind die wenigen Aufzeichnungen der Ägypter, des römischen Geschichtsschreibers Plutarch, die Schriften der Kräuterkundigen Paracelsus, Hildegard von Bingen und Schriften über die Magie (Elementekunde) von Johann Wolfgang von Goethe, Abraham von Worms oder Franz Bardon. Alle diese Schriften dürfen „selektiv“ gelesen werden – das heißt, man muss sich in den Wissensstand und ins Bewusstsein der Menschen der damaligen Zeit hineinversetzen und es auf die heutige Ebene herübertransportieren. Die wichtigsten Quellen waren die praktizierten Räucherrituale der unterschiedlichen Kulturen – und vor allem die persönlichen Erfahrungen im Räuchern von Pflanzen. Es ist bedauerlich, wenn der Wert schriftlicher Aufzeichnungen oder eine Quellenangabe über die persönliche Erfahrung oder die ganzheitliche Wahrnehmung mit allen Sinnen (samt Intuition) gestellt wird.

In der langen Tradition des Räucherns haben sich ganz unterschiedliche Methoden und Rituale des Räucherns entwickelt. Welche Räuchertechniken und -pflanzen gibt es, und was verbindet sie miteinander?
Annemarie Zobernig:
Die „Räuchertechnik“ hängt vom gewünschten Zweck ab: Möchte ich eine sanfte Raumbeduftung, ist das Räucherstövchen mit Teelicht gut geeignet, da es die Düfte der Pflanzen langsam und dezent freisetzt. Möchte ich das Ritual einer bestimmten Kultur nachvollziehen, verwende ich die dazu passende Technik (z.B. Smudge Sticks aus Salbei bei indianisch-schamanischen Ritualen). Für eine „Opfergabe“ oder einen schnellen angenehmen Duft für zwischendurch tut es auch ein Räucherstäbchen (bitte nur aus natürlichen Stoffen). Die umfassendste Wirkung bietet das Räuchern auf der Räucherkohle. Dabei ist auf die richtige Handhabung zu achten, wie im Buch beschrieben, damit sowohl Duft als auch Wirkung optimal genutzt werden können.

Jede Region hat ihre eigenen Räucherpflanzen. Am besten geeignet sind jene Pflanzen, die viele ätherische Öle entwickeln (also: die gut duften!). Egal ob Blätter, Nadeln, Rinden, Wurzeln, Blüten, Samen oder Harze – für das Räuchern sollten die Pflanzenteile zerkleinert und getrocknet werden. Mit Pflanzen „der Nase nach“ zu experimentieren ist der wohl spannendste Teil des Räucherns überhaupt.


Räuchern ist eine der umfassendsten Formen, wie sich Mensch und Pflanze begegnen können. Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein, und was sollte grundsätzlich beim Räuchern beachtet werden?
Annemarie Zobernig:
Über den Geruchssinn nehmen wir nicht nur die Wirk- und Duftstoffe einer Pflanze auf, sondern auch ihre Charakterzüge und Wesensinformationen – das heißt die Art und Weise, wie die Pflanze gelernt hat zu überleben und sich zu verbreiten. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine offene Wahrnehmung, das bedeutet, sich nicht nur auf seinen Verstand oder Information aus Büchern zu verlassen, sondern auch auf die Intuition, das Herz- und das Bauchgefühl. Pflanzen „reden“ beim Räuchern nicht in Worten mit uns, sondern durch Körperwahrnehmungen (kühler Schauer, Entspannung, aufsteigende Wärme etc.), durch Gefühle, die sich in uns ausbreiten: Freude, Gelassenheit, Freiheit ... und durch innere Bilder und Inspirationen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind ein wenig Zeit und eine offene neugierige Haltung.

In den ersten Augenblicken nehmen wir den Duft wahr: süßlich, herb oder auch frisch, unmittelbar danach lässt unser limbisches System aus unserer Erinnerung ein dazu passendes Bild auftauchen (das wir nur wahrnehmen, wenn wir in uns hineinspüren – nicht wenn man neben dem Räuchern tratscht oder fernsieht) und innerhalb einiger Minuten reagiert unser Körper auf die durch die Düfte ausgelöste Hormonausschüttung im Körper – das heißt, es dauert ein wenig, bis uns das Räuchern „unter die Haut“ geht. Also achte darauf, dir Zeit zu nehmen, alle Ebenen der Wirkung des Räucherns wahrzunehmen – oft liegt es nicht daran, dass Räuchern nicht wirkt, sondern dass wir uns zu wenig Zeit nehmen, abgelenkt sind oder durch die Herausforderungen des Alltags die Sinne betäubt und abgestumpft sind. Das Räuchern macht einfühlsam, empathisch, fantasievoll und fördert die ganzheitliche Wahrnehmung.


Richtig angewandt, soll das Räuchern zu mehr Klarheit und Leichtigkeit, Harmonie und Entspannung, Motivation und Lebensfreude beitragen können. Wie kann das Räuchern in den modernen Alltag integriert werden?
Annemarie Zobernig:
Das Räuchern soll dem Menschen dienen und nicht der Mensch dem Räuchern. Nutze es dann, wenn du es brauchst. Bei Festen und Feiern des Lebens (Geburtstag, Hochzeit, Taufe...) oder einfach zum Chillen oder als Genuss nach einem anstrengenden Arbeitstag. Besonders wichtig wird das Räuchern, wenn wir zu wenig Kraft haben oder herausfordernde Lebenssituationen zu meistern sind. Dann kann das Räuchern wie ein „Spaziergang in der Natur“ sein, den ich mir ins Wohnzimmer hole. Das Räuchern „zaubert“ die Probleme nicht weg, aber es kann unterstützende Kräfte schenken, um sie zu meistern, und es öffnet unseren Geist für neue Ideen und Inspirationen, auf die wir von alleine nicht gekommen wären. Speziell bei Umzügen, bei Neu- oder Umbauten ist das Räuchern ein wertvolles Instrument, um eine Wohnung, ein Haus oder eine Firma zu „deinem Lebensraum“ zu machen und um „anzukommen“.

So mancher verspricht sich vom Räuchern, dass sich alle Probleme wie von selbst lösen, dass Geldsorgen verpuffen, körperliche und seelische Schmerzen verfliegen und sich Konflikte einfach auflösen. Was bedeutet das Räuchern für Sie persönlich, und wofür lässt es sich am besten und sinnvollsten nutzen?
Annemarie Zobernig:
Das Räuchern ist für mich Beruf, Berufung, Leidenschaft und wichtiger Lebensbegleiter. Es entspricht meinem Wesen – so wie ein Musikinstrument zum jeweiligen Musiker passt. Es ist so vielseitig, bringt mich immer wieder in Kontakt mit der Natur und mit meiner inneren Natur. Beim Räuchern gibt es kein „richtig oder falsch“, sondern nur die Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen. Manchmal stinkt es zum Himmel – dann muss man etwas verändern –, und manchmal duftet es himmlisch – dann ist alles ok! Das Räuchern hat mein Leben zum Besseren verändert. Mich zu einem bewussteren, glücklicheren, kreativeren Menschen gemacht. Egal, ob das Räuchern „zu allen heiligen Zeiten“, im Rahmen von Brauchtum, zur Begleitung schwieriger Lebenssituationen oder als alltäglicher Genuss einen Platz in deinem Leben bekommt: Es bringt dich näher zu dir selbst und trägt dich auf den Schwingen der Düfte. 

Foto: ©AnnemarieZobernig

 


Veröffentlicht am: 05.11.2019

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