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Sonntag, 22. April 2018
   
 

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Opernsängerin – ein langer, steiniger Weg bis auf die Bühne

Die Opernsängerin Ruth Fiedler gewährt einen Blick hinter die Kulissen der künstlerischen Welt

Wie in allen Berufen haben es auch Künstler in der Opernwelt mit Vitamin B leichter, Fuß zu fassen. Ein Onkel, der Intendant an einer großen Bühne ist, oder eine Mutter, die in den 70ern Karriere als Opernsängerin gemacht hat – damit hat man das große Los gezogen.

Für Normalsterbliche bedarf es aber viel Arbeit, Disziplin, Durchhaltevermögen und uneingeschränkte Liebe zur Musik, um in dieser Welt bestehen zu können. Nach meinem Studium des Opern- und Konzertgesangs habe ich über Jahre hinweg bei Agenturen und Theatern vorgesungen, bis ich nach etwa 40 Vorsingen endlich eine Rolle bekam: Das Theater Lüneburg hat mich für die „Olympia“ in „Hoffmanns Erzählungen“ von Offenbach ausgesucht. In der langen Zeit des Übens und Wartens, bevor ich engagiert wurde, habe ich mich mit kleinen Jobs in Opernshows, auf Messen und in der Gastronomie über Wasser gehalten und dabei eines besonders gelernt: Man darf sich nicht hängen lassen, niemals aufgeben und nie den Mut verlieren, auch wenn es noch so lange dauert bis der ersehnte Anruf erfolgt.

Das Vorsingen

Mein erstes Vorsingen hatte ich zur Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Schon im Studium gehört es dazu, sich dieser Herausforderung immer wieder stellen zu müssen. Doch im Gegensatz zum harten Kampf um die wenigen Stellen im Beruf, befindet man sich dort in einem geschützten Raum.

Um überhaupt an ein Vorsingen an einem Theater zu kommen, brauchen Künstler eine Agentur, für die natürlich auch vorgesungen werden muss. Ist eine Agentur von den stimmlichen Qualitäten überzeugt, schickt sie einen im besten Fall an alle Opernhäuser, die sie erreichen kann. Dort gibt es Castings für konkrete Rollen oder feste Stellen und sogenannte informative Vorsingen für ein allgemeines Vorstellen.

Es ist nicht unüblich, dass bei Vorsingen 80 Konkurrentinnen teilnehmen. Drei Pianisten wechseln sich mit dem Begleiten ab und holen alle Künstlerinnen einzeln nacheinander in einen Einsingraum. Dort wird schnell das Tempo für die drei bis fünf Arien durchgegangen, die die Sängerin vorbereitet hat. Dann heißt es erst einmal wieder warten, bis man dran ist. 80 Frauen sitzen auf engstem Raum zusammen, alle aufgedreht und nervös. Man schwitzt, trinkt stilles Wasser und zieht dann wieder den Lippenstift nach, räuspert sich, lutscht Sängerbonbons, muss ständig auf die Toilette, das Herz schlägt bis zum Hals.

Alle jubeln ihre Stimmen nochmal zackig hoch, damit sie nicht plötzlich verschwunden sind. Jeden Ton meiner Mitbewerberin bewerte ich automatisch mit „gefährlich“ oder „nicht gefährlich“. Und auch ich kann an den Gesichtern ablesen, für wen ich wiederum als gefährlich gelte. Im schlimmsten Fall vergehen so drei Stunden bis eine Künstlerin nach der nächsten durch einen Lautsprecher aufgerufen wird. Ich leite meinen Atem in den Bauch und konzentriere mich nur noch auf meine Musik.

 


Veröffentlicht am: 19.08.2016

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