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Samstag, 13. Juni 2026
   
 

Chart der Woche: Der lauteste Teil der Lohninflation wird leiser

Im Freizeit- und Gastgewerbe normalisiert sich die Dynamik – ein Signal für den gesamten US-Arbeitsmarkt?



Die jüngsten Zahlen zur Lohnentwicklung in den USA senden ein wichtiges Signal. Während der Arbeitsmarkt robust bleibt, zeigt das Lohnwachstum keine merkliche Beschleunigung. Stattdessen bestätigt sich der Eindruck einer schrittweisen Normalisierung. Auf den ersten Blick mag die Lohninflation damit weiterhin zäh erscheinen - ein genauerer Blick zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.

Besonders aufschlussreich ist der Sektor Freizeit- und Gastgewerbe (Leisure & Hospitality). Als eines der am niedrigsten bezahlten Segmente des US-Arbeitsmarkts war er von den Verwerfungen nach der Pandemie besonders stark betroffen, und zugleich ein zentraler Treiber des zwischenzeitlich sehr hohen Lohnwachstums. Gegen Ende 2021 lag die Wachstumsrate der Stundenlöhne im Vorjahresvergleich hier bei rund 13,8 Prozent.1

Die Gründe liegen in den außergewöhnlichen Ungleichgewichten während und nach der Pandemie: Viele Arbeitskräfte verließen zwischenzeitlich den Sektor, während mit der Wiederöffnung die Nachfrage abrupt zurückkehrte. Gleichzeitig dämpften Faktoren wie vorgezogene Ruhestände und geringere Zuwanderung das Arbeitsangebot. In einem ohnehin durch hohe Fluktuation geprägten Bereich führte dies zu besonders starkem Lohndruck. Verstärkt wurde dieser Effekt durch statistische Verzerrungen: Der Wegfall vieler gering bezahlter Jobs ließ die Durchschnittslöhne zeitweise auch rein rechnerisch steigen.

Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. Arbeitskräfte sind zurückgekehrt, die Nachfrage hat sich normalisiert und das Arbeitskräfteangebot stabilisiert. Der Druck zu Neueinstellungen hat spürbar nachgelassen – sichtbar unter anderem an fallenden Kündigungsraten – und auch die Lohndynamik hat sich merklich beruhigt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer nachlassenden Dynamik bei Arbeitsplatzwechseln und Neueinstellungen.

Ein Blick auf die längerfristige Entwicklung unterstreicht diese Normalisierung: Das annualisierte Lohnwachstum in diesem Sektor lag in den Jahren vor der Pandemie (2016 bis Ende 2019) bei rund 3,65 Prozent und bewegt sich seit 2023 mit etwa 3,75 Prozent auf nahezu identischem Niveau. Die Dynamik ist damit faktisch gleich. Unserer Einschätzung nach ist dies ein klares Indiz dafür, dass sich der Arbeitsmarkt wieder an seinem strukturellen Trend orientiert.

„Gerade im Niedriglohnsektor zeigt sich besonders deutlich, wie stark der pandemiebedingte Lohndruck durch temporäre Ungleichgewichte getrieben war – und wie dieser Anpassungsprozess inzwischen überwunden ist“, sagt Christian Scherrmann, US-Ökonom der DWS. „Wenn sich die Dynamik in einem Segment wie Leisure & Hospitality wieder normalisiert, ist das ein wichtiges Signal für den breiteren Arbeitsmarkt.“

Gerade weil der Bereich Freizeit- und Gastgewerbe zuvor zu den größten Ausreißern zählte, ist diese Entwicklung besonders aussagekräftig. Sie deutet darauf hin, dass ein wesentlicher Teil des pandemiebedingten Lohnschocks inzwischen absorbiert ist – auch wenn strukturelle Veränderungen eine vollständige Rückkehr zu früheren Mustern nicht zwingend erwarten lassen.

Niedriglohnsektoren reagieren besonders sensibel auf Engpässe und wirken direkt auf die Dienstleistungsinflation, und damit auf einen für die Geldpolitik besonders wichtigen Bereich. Wenn sich insbesondere hier die Dynamik normalisiert, spricht das dafür, dass ein zentraler Treiber der US-Lohninflation an Bedeutung verloren hat. Dies ist eine Entwicklung, die sich zunehmend auch in anderen arbeitsintensiven Dienstleistungsbereichen widerspiegelt. Der lauteste Teil des Lohnanstiegs ist damit deutlich leiser geworden – auch wenn temporäre Faktoren, etwa eine durch Großereignisse wie die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft gestützte Nachfrage im Freizeit- und Gastgewerbe, kurzfristig für punktuelle Impulse sorgen könnten. „Unter der Annahme, dass sich der Ölpreis nicht noch signifikant verteuert, erwarten wir, dass die Inflation in den nächsten Monaten ihren Höhepunkt erreicht“, bestätigt Scherrmann.

Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand 09.06.2026

1 Sämtliche Finanzdaten – sofern nicht anders angegeben – von Bloomberg Finance L.P.; Stand: 09.06.2026

 

Veröffentlicht am: 13.06.2026

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