
Hunderte von Euro kann sparen, wer vor dem Abschluss seiner Versicherung für das Wohnmobil systematisch vergleicht. Das zeigt eine aktuelle Finanztip-Analyse zum Start der Camping-Saison. Der unabhängige Geldratgeber empfiehlt einen zweistufigen Vergleich über einen Direktanbieter und spezialisierte Vergleichsrechner.
„Die Preisunterschiede bei Wohnmobil-Versicherungen sind riesig, selbst bei vergleichbaren Fahrzeugen und identischen Angaben. Wer nicht vergleicht, zahlt oft deutlich zu viel“, sagt Kathrin Gotthold-Hildebrandt, Versicherungsexpertin bei Finanztip. Grundlage der Analyse sind zwölf Musterprofile, die typische Nutzungssituationen von Wohnmobilen abbilden sollen. Finanztip hat die Versicherungsbeiträge bei Vergleichsportalen sowie dem Maklertool Nafi-Auto erhoben und ausgewertet.
Das richtige Vorgehen beim Versicherungsvergleich
Ein zentrales Ergebnis der Finanztip-Untersuchung: Kein Versicherer und kein Vergleichsportal bot in der Untersuchung immer den besten Preis. Häufig günstig in der Finanztip-Untersuchung waren Angebote der WGV. Dieser Versicherer ist jedoch über Vergleichsportale für Wohnmobile nicht verfügbar und tatsächlich auch nicht für alle Profile gleichermaßen geeignet.
Finanztip empfiehlt daher ein zweistufiges Vorgehen: Zunächst sollten Verbraucher ein Angebot beim häufig günstigen Direktversicherer einholen. Und anschließend über spezialisierte Vergleichsrechner prüfen, ob es für sie individuell noch günstigere oder besser passende Tarife gibt. Insbesondere die Wohnmobil-Vergleichsrechner der SAW-Assekuranz, von transparent-beraten sowie von Gut. Günstig. Versichert. erwiesen sich als sinnvolle Ergänzung zu den Direktangeboten, da sie in der Untersuchung im Vergleich zu anderen Portalen geringere durchschnittliche und maximale Abweichungen vom jeweils günstigsten Angebot zeigten. Andere untersuchte Portale schnitten in der Analyse insbesondere wegen höherer Abweichungen vom günstigsten Angebot schlechter ab.
Haftpflicht im Test ab rund 80 Euro pro Jahr – Vollkasko deutlich teurer
Wie bei der Autoversicherung hängt der Preis auch beim Wohnmobil von mehreren Faktoren ab – vor allem davon, ob nur Haftpflicht oder zusätzlich Teil- oder Vollkasko versichert ist. In der Finanztip-Untersuchung reichten die günstigsten angezeigten Beiträge, je nach Musterkunde und Reisemobil, von unter 100 Euro pro Jahr für einen reinen Haftpflichttarif bis zu mehr als 900 Euro für ein Mobil mit Vollkaskoschutz. Teilkasko-Tarife lagen in den untersuchten Fällen häufig im mittleren Bereich und reichten von rund 200 bis 500 Euro pro Jahr, in einzelnen Fällen auch darüber.
Die unterschiedlichen Preise im Finanztip-Test ergeben sich aus den unterschiedlichen Musterkunden und ihren individuellen Reisemobilen – sowie den jeweiligen Ansprüchen an die Versicherung. Denn Versicherer bewerten Risiken unterschiedlich und kalkulieren Tarife individuell – je nach Fahrzeug, Nutzung und gewünschtem Leistungsumfang.
Die Preisunterschiede zeigen sich auch innerhalb derselben Tarifart. Bei einem Teilkasko-Profil mit hoher Schadenfreiheitsklasse lagen die Beiträge zwischen rund 280 und 890 Euro pro Jahr. Der Vergleich lohnt, denn die Beiträge für das gleiche Mobil mit dem gleichen Fahrer können deutlich variieren.
Preis ist wichtigster Wechselgrund – dennoch große Zurückhaltung
Auch die begleitende Umfrage unter rund 500 Wohnmobil-Besitzern aus der Finanztip-Community deutet auf ein erhebliches Sparpotenzial hin: Knapp die Hälfte der Befragten hat ihre Wohnmobilversicherung noch nie gewechselt. Unter diesen Nicht-Wechslern hat sich rund ein Drittel bislang noch gar nicht aktiv mit einem Wechsel beschäftigt. Bei denjenigen, die aber bereits gewechselt haben, spielt der Preis die entscheidende Rolle: 82 Prozent nannten einen niedrigeren Beitrag als wichtigsten Grund. „Viele zahlen für ihren Versicherungsschutz mehr als nötig, weil sie nicht vergleichen“, sagt Gotthold-Hildebrandt.
Sonderausstattung: Häufig unterschätzter Fallstrick
Neben dem Preis spielen auch spezielle Wohnmobil-Leistungen eine große Rolle: In der Finanztip-Umfrage nannten immerhin 16 Prozent der Wechsler bessere Leistungen als Grund für einen Wechsel. Besonders relevant ist dabei die Absicherung von Sonderausstattung wie Markisen, Solaranlagen oder individuellen Ausbauten. Diese macht bei Wohnmobilen oft einen erheblichen Teil des Fahrzeugwerts aus. Viele Tarife begrenzen hier die Erstattungssumme – auch bei ansonsten guten Angeboten. „Gerade bei individuell ausgebauten oder besonders hochwertigen Fahrzeugen kann eine solche begrenzte Erstattung problematisch sein“, erklärt Gotthold-Hildebrandt. „Ist die Versicherungssumme zu niedrig angesetzt, bleiben Halter im Schadenfall auf Kosten sitzen.“
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