^

 

 Suche  | Sitemap  | Mediadaten  | Kontakt  | Impressum  | Datenschutz
       
Montag, 12. Oktober 2026
   
 

Frauen in MINT: Deutschland verschenkt Milliardenpotenzial

Neue VDI-Studie zeigt, warum Bildung, Karrierebedingungen und Betreuung zusammengedacht werden müssen



Fast 370.000 unbesetzte MINT-Stellen, Abstieg im globalen Innovationsranking und ein demografisch bedingter Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren verschärfen wird: Der Innovationsstandort Deutschland steht unter Druck. Dabei wird eine wesentliche Ressource unterschätzt – das Potenzial von Frauen in MINT. 

Der VDI e.V. veröffentlicht im Rahmen seiner Initiative „Zukunft Deutschland 2050" die Studie „Frauen in MINT-Berufen – Potenziale entfalten, Innovationskraft stärken". Die zentrale Botschaft: Mehr Frauen in MINT sind nicht nur eine Frage der Gleichstellung, sondern auch Wettbewerbsfaktor für den Standort Deutschland. Vorgestellt wurde die Studie beim VDI-WoMentorING Future Summit am 10. Oktober in Essen.

Milliardenpotenzial liegt brach


Diese neue Studie ergänzt die im Frühjahr veröffentlichte VDI/IW-Studie „Ingenieurinnen in Deutschland". Diese zeigt in einem Szenario, dass ein steigender Frauenanteil in MINT-Berufen bis 2035 zusätzliche Wertschöpfung in Milliardenhöhe ermöglichen kann. Die neue Studie „Frauen in MINT-Berufen“ untersucht bestehende Herausforderungen und zeigt Lösungsansätze auf, die Frauen dabei unterstützen können, ihre Potenziale in MINT-Berufen zu entfalten.

Zentrale Probleme: Identitätskosten und Geschlechterstereotype

Das Kernproblem liegt nicht in fehlendem Talent. Es liegt in hartnäckigen Geschlechterstereotypen, die von der frühen Kindheit bis in die Führungsetagen wirken, wie die Studie zu Frauen in MINT-Berufen verdeutlicht. Und die Lücke zwischen Können und Selbstbild entsteht schon früh: Bereits im Kita-Alter prägen Spielzeugwelten, Sprache und unbewusste Erwartungen von Bezugspersonen, wem technische Fähigkeiten zugetraut werden.

Im Berufsleben wirken diese Prägungen fort. In männlich geprägten MINT-Fachkulturen können für Frauen sogenannte „Identitätskosten" entstehen, wenn sie vor allem als Vertreterinnen ihres Geschlechts und nicht als Fachpersonen wahrgenommen werden. Das kann Zugehörigkeitsgefühl und Selbstvertrauen nachhaltig beeinträchtigen. 96 Prozent der in der neuen VDI-Studie befragten Frauen halten die Überwindung von Geschlechterstereotypen für wichtig; 68 Prozent erleben entsprechende Stereotype als konkrete Herausforderung in ihrem aktuellen beruflichen Umfeld.

Befragte erwarten Veränderungen durch mehr Frauen in Führung

91 Prozent der in der VDI-Studie Befragten erwarten Veränderungen, wenn mehr Frauen Führungspositionen bekleiden. Von diesen Befragten erwarten 85 Prozent eine stärkere Berücksichtigung ethischer Fragen in der Technologieentwicklung und 75 Prozent eine höhere Priorisierung von Nachhaltigkeit. 84 Prozent der Befragten bewerten die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen als relevante Herausforderung im beruflichen Umfeld. Belegt ist zudem, dass Mädchen und junge Frauen sich besonders durch ethische, gesellschaftliche und nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen für MINT-Themen begeistern lassen. Das ist kein Widerspruch zu technologischer Exzellenz – es ist eine Einladung, MINT-Bildung breiter zu gestalten.

Die Strukturen müssen sich ändern – nicht die Frauen


"Nicht Frauen müssen sich an bestehende MINT- und Arbeitsstrukturen anpassen, sondern die Strukturen müssen sich weiterentwickeln. Flexible Arbeitszeitmodelle und geteilte Führung sind der Schlüssel, um Talente zu binden, statt sie auszugrenzen"
, sagt Frank Dieball, Leiter Qualifikation der VDI-Initiative Zukunft Deutschland 2050.

68 Prozent der erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit, bei Vätern sind es nur 8 Prozent (Destatis 2026). Bundesweit konnten 2025 rund 300.000 Betreuungswünsche für Kinder unter drei Jahren nicht erfüllt werden. Darüber hinaus wenden erwerbstätige Frauen, die Angehörige regelmäßig an Werktagen unbezahlt pflegen, dafür durchschnittlich rund 80 Prozent mehr Zeit auf als Männer in derselben Situation.

Die VDI-Studie plädiert für ein grundlegend neues Verständnis von Erwerbsarbeit: Arbeitszeit als flexiblen Umfang über verschiedene Lebensphasen zu denken, statt Teilzeit mit Karrierenachteilen zu verknüpfen. 61 Prozent der Befragten befürworten geteilte Führung (Topsharing). Von den Frauen ohne aktuelle Führungsverantwortung würde fast jede zweite (48 Prozent) eine Führungsposition anstreben, wenn diese in Teilzeit möglich wäre. Technologische Entwicklungen wie Robotik und Künstliche Intelligenz bieten zusätzliches Potenzial, Care-Belastungen zu reduzieren.

Potenziale entfalten: Das 5-Ebenen-Modell

Ein zentrales Studienergebnis: Geschlechterstereotype können Bildungs- und Berufswege prägen – von der frühen Kindheit bis in Führungspositionen. Die Analysen der Studie basieren auf dem 5-Ebenen-Modell der VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ und zeigen auf, welche Hebel ineinandergreifen müssen, um Frauen in MINT zu fördern: vielfältige Bilder von Frauen in technischen Berufen (gesellschaftliche Ebene), Genderkompetenz verbindlich in der Bildung verankern (regulatorisch-politisch), Personalentscheidungen nach transparenten Kriterien, die stereotype Bewertungen in Unternehmen möglichst vermeiden (ökonomisch), Mentoring und erreichbare Vorbilder für Frauen (individuell) und männlich geprägte Fachkulturen aufbrechen (technologisch-fachkulturell).

Foto: Pixabay

 

Veröffentlicht am: 12.10.2026

Ausdrucken: Artikel drucken

Lesenzeichen: Lesezeichen speichern

Feedback: Mit uns Kontakt aufnehmen

Facebook: Teile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2026 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.