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Donnerstag, 15. Oktober 2026
   
 

Der Kongress dreht, das Defizit bleibt

Marktkommentar von Sandeep Rao, Senior Analyst bei Leverage Shares und Income Shares



Am 3. November wählen die USA sämtliche Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie etwa ein Drittel des Senats neu; derzeit stellen die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. 

Die Zwischenwahlen gelten als bisher wichtigster Stimmungstest für Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit und der Verlust einer der beiden Kammern würde es ihm erschweren, Gesetzesvorhaben umzusetzen. Die Umfragewerte der Demokraten haben sich seit Anfang September weiter verbessert, jene der Republikaner dagegen verschlechtert, wobei das Rennen um den Senat offen bleibt. Erste republikanische Kandidaten gingen bereits auf Distanz zum Präsidenten.

Wie wirkt sich ein Kräfteverhältnis, das im Repräsentantenhaus und womöglich auch im Senat den Demokraten zufällt, auf Konjunktur, Zinsen, Geopolitik und Anlageklassen aus? Aus der Perspektive eines Beobachters außerhalb der USA fällt die Antwort ernüchternd aus: Die Wahl verändert die politische Dynamik in Washington, lässt die makroökonomischen und fiskalischen Grundprobleme der Vereinigten Staaten jedoch weitgehend unberührt.

Geteilte Macht dämpft den Fiskalimpuls, nicht das Wachstum

Nach aktuellen Umfragen dürften die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen und zunehmend womöglich auch den Senat. Die daraus entstehende geteilte Machtverteilung würde einer Wirtschaft, die ohnehin vom Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs, einer erneut die Zinsen anhebenden US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und Renditen auf Mehrjahrzehntehochs geprägt ist, vor allem zusätzliches Rauschen hinzufügen.

Der direkte Wachstumseffekt dürfte moderat ausfallen. Ein gespaltener Kongress bedeutet vor allem, dass es 2027 kein zweites großes Steuer- oder Ausgabenpaket geben wird. Das schmälert den fiskalischen Impuls leicht, beschneidet das laufende Wachstum jedoch nicht. Das Risiko von Haushaltssperren und Kontrollkämpfen zwischen Legislative und Exekutive wirkt zudem eher auf das Vertrauen als auf die Wirtschaftsleistung. Als möglicher Vorteil könnte der Druck zur Rücknahme der Zölle und verwandter Mechanismen die Güterinflation dämpfen. Weit stärker ins Gewicht fallen jedoch andere Kräfte: Der Ölpreis für die Sorte Brent liegt deutlich über 100 US-Dollar und dürfte dort verharren, solange die Konflikte im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine schwelen. Zugleich dürfte sich jede Bewegung bei der Güterinflation mit zusätzlichen Kosten überlagern, die von Energie über Logistik und öffentlichen Nahverkehr bis zur Landwirtschaft (infolge von Düngemittelknappheit) und zu den Preisen in den Supermarktregalen reichen.

Eine Erwartung für das US-Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 bis 2,2 Prozent bis in das Jahr 2027 hinein erscheint daher vorsichtig und angemessen. Getragen wird dieses Wachstum vor allem von Öl, Fed und KI-Investitionen.

Renditen: Der Wahlausgang verschiebt den Pfad, nicht das Niveau

Das amerikanische Renditeproblem ist bereits gravierend. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte am 5. Oktober 5,35 Prozent und damit den höchsten Stand seit April 2002; in der vergangenen Woche schloss sie bei 5,24 Prozent. Das Congressional Budget Office rechnet für das Haushaltsjahr 2026 mit einem Defizit von 1,993 Billionen US-Dollar - 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Schuldenproblem der Vereinigten Staaten ist mittlerweile ohne radikale Reformen praktisch nicht zu lösen, und solche stehen definitiv nicht auf der Agenda. Zwar könnten die Renditen zunächst nachgeben, wenn die Märkte eine geringere fiskalische Expansion einpreisen. Eine Haushaltskonsolidierung ist aber auch unter einem geteilten Kongress unwahrscheinlich. Verhandlungen über die Schuldenobergrenze dürften zudem zunehmend mit weitergehenden fiskalpolitischen Forderungen verknüpft werden, was die Laufzeitprämie erhöht. Hinzu kommt, dass die Rücknahme von Zöllen und die Verlängerung der Subventionen nach dem Affordable Care Act die Defizite weiter ausweiten würden. Ein geteilter Kongress würde den Renditepfad daher allenfalls am Rand verändern, nicht aber das Renditeniveau.

Keine Mäßigung im Weißen Haus

Begrenzte, themenspezifische Vereinbarungen sind denkbar, eine breite Mäßigung ist jedoch nicht zu erwarten. Die Demokraten haben Erschwinglichkeit und Rechenschaft als oberste Prioritäten benannt, beginnend mit dem Ende der Trump-Zölle, die unmittelbar sein Kernprogramm angreifen. Angesichts niedriger Zustimmungswerte und einer äußerst nebulösen Nachfolgefrage für 2028 hat der Präsident mehr Anlass, per Exekutivmaßnahmen zu regieren, etwa über Zölle, Notstandsbefugnisse und Regulierung, als Kompromisse zu suchen.

Die demokratischen Forderungen nach Rechenschaft umfassen umfangreiche Untersuchungen, Vorladungen und Aktenanforderungen zu Trump nahestehenden Unternehmen, Spendern und Verträgen. Eine Parallele zur ersten Amtszeit liegt nahe: Nachdem Trump 2018 bei den Zwischenwahlen das Repräsentantenhaus verloren hatte, erklärte er, offen für eine Zusammenarbeit mit den Demokraten zu sein, Untersuchungen würden jedoch „die Überparteilichkeit untergraben“. In der Folge kam es zu einer gewissen Mäßigung der Bemühungen der Opposition. Ein ähnliches Manöver ist auch diesmal zu erwarten.

Außenpolitik: Wähler und Gewählte driften auseinander

Die amerikanische Wählerschaft zeigt eine deutliche Kluft zu ihren gewählten Vertretern. Im Nahostkonflikt hat der demokratische Spitzenpolitiker Chuck Schumer erklärt, weiter dafür zu kämpfen, dass Israel jede benötigte Hilfe erhält und sichert damit auf gesetzgeberischer Ebene parteiübergreifenden Rückhalt für Israels Strategie. Die Wähler wenden sich jedoch offenbar klar ab. Jüngsten Umfragen zufolge lehnen bis zu 75 Prozent der demokratischen Wähler weitere militärische Unterstützung für Israel ab und zahlreiche Erhebungen zeigen, dass diese Haltung auch unter republikanischen Wählern inzwischen die Mehrheit erreicht hat. Findet diese Stimmung keinen Niederschlag auf politischer Ebene, drohen langfristig Erschütterungen im amerikanischen Zweiparteiensystem. Wegen seiner polarisierenden Wirkung wird Trump als Blitzableiter für den Großteil der Kritik von Wählern über alle Lager hinweg dienen, die sich gegen die Unfähigkeit ihrer Vertreter richtet, den Wählerwillen umzusetzen. Diese Funktion ist jedoch begrenzt und die Geduld der Wähler schwindet.

Von einem demokratisch dominierten Repräsentantenhaus ist eher eine Unterstützung der Ukraine zu erwarten, vor allem in Form von Krediten und Sanktionen. Die Aussicht auf Militärhilfe findet parteiübergreifend dagegen nur geringen Rückhalt. Allgemein wird erwartet, dass Europa weiterhin um Unterstützung im Kampf gebeten wird, sofern es dazu bereit ist. Auch beim Thema Ukraine steht die politische Führung quer zu den Wählern: Ein erheblicher Teil von ihnen, erneut mehr als die Hälfte, befürwortet in unterschiedlichen Erhebungen ein vollständiges Ende der Unterstützung.

Beim Thema China sind Legislative und Wählerschaft dagegen weitgehend auf einer Linie. Es gibt eine stetige, langjährige und widerstandsfähige Zustimmung zu einem harten Kurs. Trumps lockerere Exportpolitik bei Chips nach China dürfte angegriffen werden, was zu schärferer Kontrolle führt. Zudem dürften beide Seiten des politischen Spektrums höhere Waffenverkäufe an Taiwan anstreben.

Sektoren und Anlageklassen im Fokus


Unter einer demokratisch geführten, geteilten Legislative dürften Energie, Gesundheitswesen und Private Equity stärker in den Fokus der Kontrolle rücken. Insbesondere die Arzneimittelpreise und die Margen der Versicherer dürften unmittelbare Ziele sein. Eine Rücknahme der Zölle wäre voraussichtlich ein Schub für Einzelhandelssektoren wie zyklische Konsumgüter, während Finanzwerte aufgrund länger höher bleibender Zinsen erheblich von Zinserträgen profitieren dürften. Zu erwarten ist zudem ein schwächerer Dollar, weshalb Gold ein Absicherungsinstrument bleibt, zumal die Weltwirtschaft weiterhin nach Wegen der Entdollarisierung sucht.

Worauf Anleger in den kommenden Wochen achten sollten


Der S&P 500 liegt in diesem Jahr um mehr als 14 Prozent im Plus und notiert nahe seiner Rekordstände, obwohl die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen über fünf Prozent liegt. Damit wirken die Aktienbewertungen inzwischen überdehnt. Ein Großteil des für das dritte Quartal 2026 prognostizierten Gewinnwachstums des S&P 500 von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr geht auf KI-Investitionen zurück. Insbesondere der Ausbau von Rechenzentren ist im ländlichen Amerika ein politisches Basisthema, das die Sieger der Zwischenwahlen voraussichtlich in die Gesetzgebung tragen und zu adressieren versuchen werden. Eine breitere Streuung des Engagements in Aktien außerhalb der USA und Gold sowie eine gewisse Absicherung gegenüber dem Dollar sind zweifellos in Erwägung zu ziehen.

Erfahrene Anleger, die Kursbewegungen des S&P 500 rund um die Zwischenwahlen taktisch nutzen möchten, können dafür das +5x Long S&P 500 ETP oder das -5x Short S&P 500 ETP von Leverage Shares in Betracht ziehen. Langfristig orientierten Anlegern steht das IncomeShares S&P 500 Options ETP zur Verfügung, das darauf abzielt, durch den täglichen Verkauf von „Zero Days to Expiration“-Optionen auf den S&P 500 monatliche Erträge zu erwirtschaften. Wer Gold als Absicherung berücksichtigt, kann zudem das IncomeShares Gold+ Yield ETP prüfen, das ein Engagement in Gold mit monatlichen Erträgen aus Optionsprämien verbindet.

 

Veröffentlicht am: 15.10.2026

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