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Donnerstag, 30. Juli 2026
   
 

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juli

Industrie weiter auf verhaltenem Wachstumskurs, Optimismus kehrte zurück



Die österreichische Industrie hat ihren Erholungskurs zu Beginn des dritten Quartals fortgesetzt und dabei sogar an Dynamik gewonnen. Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Juli auf 51,5 Punkte und lag damit um 0,6 Punkte über dem Wert des Vormonats. Der Index blieb damit klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und signalisiert eine weitere moderate Verbesserung der Industriekonjunktur.


„Die österreichische Industrie ist positiv ins dritte Quartal gestartet. Der Erholungstrend, der trotz des Kriegs am Golf bislang Bestand hatte, gewann zuletzt sogar etwas an Stärke“
, sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria und ergänzt: „Die neuerliche Eskalation in der Region mit Belastungen für die Energie- und Rohstoffmärkte könnte die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten allerdings wieder stärker herausfordern. Der Weg zu einer nachhaltigen Erholung bleibt daher von erheblichen Risiken begleitet.“

Ausschlaggebend für die Verbesserung des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex gegenüber dem Vormonat war vor allem die deutliche Ausweitung der Produktionsleistung. „Die heimischen Betriebe steigerten im Juli ihre Produktion mit dem höchsten Tempo seit über vier Jahren. Gleichzeitig wurden die Bestände an Vormaterialien weiter aufgestockt, um sich gegen mögliche Lieferstörungen und eine neuerliche Verschärfung geopolitischer Risiken abzusichern. Das Neugeschäft ging noch stärker zurück und die Beschäftigung wurde erneut abgebaut. Positiv hervorzuheben ist die Abschwächung des Kostenauftriebs. Dennoch blieben die Möglichkeiten der Betriebe, höhere Kosten über Preisanpassungen weiterzugeben, begrenzt“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen.

Produktionsausweitung trotz schwachem Neugeschäft


Die aktuelle Erholung der österreichischen Industrie bleibt angesichts der weiterhin schwachen Nachfrage fragil und mit Risiken behaftet. Der Index für die Neuaufträge sank im Juli auf 47,7 Punkte und lag damit weiterhin klar im rückläufigen Bereich. Vor allem die deutlich sinkende Auslandsnachfrage belastete die Auftragslage der Unternehmen. Der Index für die Exportaufträge verringerte sich auf 45,7 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Wert seit einem Jahr.

Dennoch gelang es den heimischen Industriebetrieben ihre Produktion auszuweiten. „Trotz der rückläufigen Auftragseingänge wurde im Juli die Produktion so stark gesteigert wie seit Mai 2022 nicht mehr. Der Produktionsindex stieg auf 53,0 Punkte“, erklärt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Die Betriebe haben seit Beginn des Kriegs im Iran ihre Produktion zunehmend von der aktuellen Nachfrage entkoppelt. Stattdessen standen die Abarbeitung von Auftragsrückständen sowie die Sicherstellung der Lieferfähigkeit im Fokus. Darauf deutet einerseits der leichte Rückgang der Auftragsrückstände sowie andererseits die erhöhte Einkaufsaktivität und der anhaltende Aufbau der Vormateriallager hin.“

Der Aufbau der Vormaterialbestände zur Absicherung gegen mögliche Versorgungsengpässe unterstreicht, dass eine vollständige Normalisierung der Lieferketten weiterhin nicht in Sicht ist. Allerdings gab es im Juli Anzeichen einer Stabilisierung: Die Lieferzeiten verlängerten sich erneut, jedoch deutlich langsamer als im Vormonat. Dies spricht für eine gewisse Entspannung der Versorgungslage, auch wenn die Unsicherheit entlang der globalen Lieferketten weiterhin hoch war.

Beschäftigungsabbau hält an

Die heimischen Industriebetriebe bauten auch im Juli Jobs ab. Der Beschäftigungsindex verbesserte sich zwar leicht auf 47,4 Punkte, signalisierte damit jedoch weiterhin eine starke Verringerung des Arbeitskräfteeinsatzes. In der Sachgütererzeugung nahm der Beschäftigtenstand in den ersten sieben Monaten des Jahres saisonbereinigt um fast 7.000 Personen oder etwas mehr als ein Prozent gegenüber der Vorjahresperiode ab.

„Der erneute Beschäftigungsabbau im Juli bei gleichzeitig steigender Produktion deutet auf eine weitere Verbesserung der Arbeitsproduktivität in der österreichischen Industrie hin. Die Unternehmen konnten ihre Produktionsleistung erhöhen, ohne den Personalstand auszuweiten. Dies spricht einerseits für Effizienzsteigerungen in den Betrieben, andererseits aber auch für eine weiterhin vorsichtige Personalpolitik angesichts der rückläufigen Auftragsentwicklung“, so Pudschedl.

Versorgungssicherheit wichtiger als Absatzoptimismus

Getragen von einer erneuten Erhöhung der Einkaufsmenge setzte sich der Lageraufbau an Rohstoffen und Vormaterialien den vierten Monat in Folge fort. Der Anstieg des entsprechenden Index auf 51,8 Punkte zeigt sogar eine leichte Beschleunigung des Tempos an. Demgegenüber sank der Index für die Fertigwarenlager auf 47,6 Punkte und deutet damit auf den stärksten Abbau der Fertigwarenbestände seit einem Jahr hin.

„Die heimischen Industriebetriebe bauten ihre Vormateriallager im Juli weiter aus, während die Bestände an Fertigwaren zurückgingen. In der Industrie wurde der Versorgung mit Rohstoffen und Vorleistungen angesichts der anhaltend langen Lieferzeiten und der geopolitischen Unsicherheiten höhere Priorität eingeräumt als dem Aufbau von Lagerbeständen für den Absatz. Es gilt die Fertigwarenlager möglichst schlank zu halten, um Kosten zu begrenzen und Kapitalbindung zu vermeiden“
, meint Pudschedl.

Nachlassender Preisdruck im Juli, aber keine Entspannung bei den Margen

Der Inflationsdruck in der Industrie hat sich im Juli weiter abgeschwächt. Der Index für die Einkaufspreise sank deutlich auf 68,3 Punkte, nachdem er im Juni noch bei 77,7 Punkten gelegen hatte. Auch auf der Absatzseite verlangsamte sich der Preisauftrieb. Der Index für die Verkaufspreise verringerte sich auf 56,2 Punkte und deutet damit weiterhin auf steigende, allerdings weniger dynamisch zunehmende, Verkaufspreise hin.

„Rückläufige Energie- und Rohstoffpreise sorgten vor der jüngsten Eskalation für eine Entlastung auf der Kostenseite. Zudem gingen Versorgungsängste bei nachlassenden Problemen in den Lieferketten zurück und die Nachfrage nach Vorleistungen blieb verhalten. Gleichzeitig blieb die Möglichkeit zur Weitergabe höherer Kosten an Kunden aufgrund der verhaltenen Nachfrage nach Fertigwaren begrenzt“
, meint Pudschedl und ergänzt: „Die Margen dürften im Juli zwar weniger unter Druck geraten sein als in den Vormonaten, eine spürbare Verbesserung der Ertragslage sieht jedoch anders aus. Angesichts der wieder gestiegenen Ölpreise scheint der heimischen Industrie zudem eine Phase mit erneuten starken Kostenanstiegen bevorzustehen, die sich zwar in stärker steigenden Verkaufspreisen niederschlagen, aber aufgrund der schwachen Nachfrage tendenziell den Margendruck erhöhen dürften.“

Mehr Optimismus vor der jüngsten geopolitischen Eskalation

Mit 51,5 Punkten signalisierte der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex bereits den fünften Monat in Folge ein Wachstum der heimischen Industrie. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich das Expansionstempo sogar leicht. Der Anstieg des Produktionsindex auf den höchsten Wert seit über vier Jahren spricht für eine zunehmende Auslastung der Kapazitäten bei gleichzeitig steigender Produktivität, die auch die Profitabilität positiv beeinflusst haben dürfte. Darüber hinaus sind die Unternehmen im Juli wieder optimistisch geworden und rechnen mit einer Verbesserung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten, wie der deutliche Anstieg des Erwartungsindex auf 57,9 Punkte zeigt.

„Die österreichische Industrie dürfte ihren Erholungskurs in den kommenden Monaten fortsetzen. Die deutliche Verbesserung der Geschäftserwartungen sowie die steigende Produktionsleistung sprechen für eine anhaltende Stabilisierung der Konjunktur. Allerdings fehlt der Erholung bislang noch eine breite Nachfragebasis. Die weiterhin rückläufigen Neu- und Exportaufträge sowie die vorsichtige Personalpolitik zeigen, dass der Aufschwung auf unsicheren Beinen steht. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass sich die Erholungstendenz in den kommenden Monaten stärker durchsetzen wird. Die jüngste Eskalation des Golfkonflikts verdeutlicht jedoch, wie rasch geopolitische Spannungen über höhere Energiepreise, steigende Transportkosten, neue Lieferkettenstörungen und zunehmende Verunsicherung die positive Entwicklung wieder beeinträchtigen können“, mahnt Bruckbauer abschließend.  

 

Veröffentlicht am: 30.07.2026

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