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Mittwoch, 4. November 2026
   
 

Gold unter Druck: Warum das Edelmetall trotzdem in jedes Depot gehört

Aktuelle Markteinschätzung von Önder Çiftçi, CEO der Ophirum Group



Gold ist kurz vor dem letzten Oktoberwochenende zwischenzeitlich unter die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze gefallen, notierte zum Wochenstart aber schon wieder um 4.020 US-Dollar. 

Der Goldpreis weist damit gegenüber dem historischen Rekord von Ende Januar bei 5.595 Dollar einen Verlust von rund 28 Prozent auf. In Euro beträgt der Rückgang gegenüber dem Höchststand in etwa 22 Prozent. Das Minus ist zwar deutlich, hat aber nachvollziehbare Ursachen und ist bei genauerer Betrachtung weit weniger dramatisch, als es zunächst scheint. 

Der aktuelle Goldpreis liegt zwar deutlich unter dem Allzeithoch, andererseits ist er 2024 und 2025 von einem Rekordhoch zum nächsten geeilt. Ende Oktober 2024 lag der Goldpreis noch bei rund 2.740 US-Dollar, hierzulande waren es 2.540 Euro je Feinunze. Damit liegt der Kurs trotz der Rückschläge der vergangenen Monate auf Sicht von zwei Jahren in Dollar noch immer knapp 47 Prozent und in Euro rund 41 Prozent im Plus. Nach dieser ungewöhnlichen Gold-Rally sollte eine deutliche Korrektur Anleger nicht allzu überraschen. 

Das Minus richtig einordnen

Wichtiger und spannender als der Blick in den Rückspiegel ist aber ohnehin der Blick nach vorne. Und da sind die Aussichten für Gold als Krisenversicherung, Inflationsschutz und Wertspeicher weiterhin gut. Kurzfristig belasten zwar vor allem Umschichtungen institutioneller Investoren den Goldpreis. Einerseits schürt ein steigender Ölpreis die Inflation und erhöht den Druck auf die Notenbanken, ihre Zinsen zur Inflationseindämmung anzuheben. 

Da Gold keine laufenden Erträge bietet, werden verzinste Anlagen wie Staats- und Unternehmensanleihen für Investoren dadurch attraktiver. Andererseits scheint auch dem Hype um Künstliche Intelligenz, der die Aktienmärkte in Zeiten schwacher Konjunktur quasi im Alleingang auf neue Rekordniveaus hob, ein wenig die Luft auszugehen. Profi-Anleger suchen daher eine Alternative zur lange starken Aktien- und Goldperformance der vergangenen Jahre. Teilweise müssen sie sogar Gold verkaufen, um den Risikoschutz ihrer Börsenwetten zu erhöhen und Nachschusspflichten zu erfüllen.

So kommt es, dass einige Investoren Gold verkaufen, obwohl es langfristig ein bewährter Inflationsschutz ist. Auch Konjunktursorgen können Verkäufe auslösen, wenn Anleger kurzfristig Liquidität benötigen. Hohe Staatsverschuldung, geopolitische Spannungen und ein schwankender Ölpreis wirken daher zweischneidig: Sie erhöhen das Absicherungsbedürfnis, schüren aber zugleich Inflations- und Zinsrisiken. 

Was langfristig für Gold spricht

Diese Einflussfaktoren und Marktmechanismen werden jedoch nicht ewig wirken. Und langfristig ändern sie nichts an den strukturellen Faktoren, die für eine Goldanlage sprechen. Das hat nicht nur mit den besonderen Eigenschaften von Gold zu tun, sondern auch mit dem grundsätzlich hohen Bedarf an Gold. 

Beispielsweise kaufen die Zentralbanken weiterhin große Mengen Gold, um sich unabhängiger von der Weltleitwährung US-Dollar zu machen. Seit rund vier Jahren erwerben die Notenbanken rund um den Globus um die 1.000 Tonnen Gold im Jahr, allein im zweiten Quartal 2026 kauften sie netto 289 Tonnen. 

Und laut Umfrage des Branchenverbands World Gold Council ist vorerst kein Ende der Goldkäufe durch die Währungshüter absehbar. Als Kaufargumente nennen die Zentralbanken nahezu einhellig die Wertentwicklung in Krisenzeiten, den langfristigen Werterhalt und die Diversifikation der eigenen Reserven. Gold hat nach Marktwert die US-Staatsanleihen als größten Posten der weltweiten Währungsreserven bereits überholt. Das Gute daran: Notenbanken planen in Jahren, nicht in Wochen, und kaufen relativ unabhängig vom aktuellen Goldpreis aus strategischen Gründen. Das allein sorgt für eine anhaltend hohe Nachfrage nach dem Edelmetall und gilt aktuell als die wesentliche Stütze für den Goldpreis. 

Was Gold kann, kann sonst keine Anlageklasse

Doch auch für private und institutionelle Anleger hat sich an den Vorteilen von Gold im Portfolio nichts geändert: Gold gilt traditionell als Schutz vor Inflation und Absicherung gegen Kursverluste in anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Es dient als ultimativer Wertspeicher für den Fall von Krisen und Kriegen sowie bei Staatspleiten durch Überschuldung oder einem Währungskollaps und wird weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert. Weil es kein Kontrahentenrisiko gibt, ist daher immer zahlungsfähig, wer Gold hat. Und da das Edelmetall selten und nicht vermehrbar ist, kann es nie wertlos werden. Das vermag keine Währung und keine andere Anlageklasse.

Aus den genannten Gründen gehört Gold in jedes Vermögensportfolio. Weil sich der Goldpreis oftmals anders als Aktien oder Anleihen entwickelt, wirkt es im Gesamtvermögen langfristig stabilisierend – selbst wenn der Goldpreis zunächst in die gleiche Richtung marschiert wie etwa Aktien oder eine steigende Inflation ihn paradoxerweise bremst. 

Wer Gold als Beimischung versteht, muss Preisschwankungen aushalten, dürfte dafür aber in Phasen, in denen Zinsen, Währungen oder Staatsfinanzen unter Druck geraten, einen vergleichsweisen ruhigen Schlaf haben.

 

Veröffentlicht am: 04.11.2026

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