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Donnerstag, 15. Oktober 2026
   
 

Marktausblick Oktober 2026

Die aktuellen Einschätzungen der DWS zu Konjunktur, Märkten und Anlageklassen



Markt & Makro: Vincenzo Vedda, Global Chief Investment Officer

Positive Gewinndynamik dürfte Aktien weiter stützen – trotz hoher Anleiherenditen

„Wir bleiben für Aktien auch im vierten Quartal positiv gestimmt“, lautet die optimistische Einschätzung von Chefanlagestratege Vincenzo Vedda. Seine Einschätzung stützt er auf zwei Faktoren: die erwartet weiter gute Entwicklung der Unternehmensgewinne und ein robustes Wirtschaftswachstum.

Gerade die Schätzungen zur Gewinnentwicklung der Unternehmen seien bemerkenswert: Für den MSCI World wurden erstmals seit fünf Jahren für jeden einzelnen Sektor die Gewinnprognosen auf Sicht von zwölf Monaten erhöht. Die negative Seite: Das Enttäuschungspotenzial ist hoch. Sollten die Gewinndynamik schwächer ausfallen als erwartet, könnte das den Aktienmarkt belasten. Vedda macht drei weitere Risikofaktoren aus: Erstens, die hohen Anleiherenditen, die dazu führten, dass der Bewertungsdruck in vielen Marktsegmenten zunehme. In den USA sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen über fünf Prozent gestiegen – ein Niveau, das bislang als kritisch für eine positive Entwicklung des Aktienmarktes gesehen wurde. Das zweite, auch nicht ganz neue Risiko: die starke Konzentration der Kursgewinne auf den Technologiesektor, die sich ungebremst fortzusetzen scheint. So werde erwartet, dass beim US-Index S&P 500 rund 50 Prozent des erwarteten Gewinnwachstums für das dritte Quartal 2026 auf Investitionen in die Infrastruktur von Künstlicher Intelligenz zurückzuführen sei.

Das dritte Risiko identifiziert Vedda in einer möglicherweise nachlassenden Konsumbereitschaft angesichts der hohen Energiepreise. „Solange der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht gelöst ist, dürfte es hier auch keine Entwarnung geben“, so Vedda.    

Konjunktur: USA und Deutschland überraschen positiv
- Positive Überraschung: Das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal wurde von 1,5 auf 2,2 Prozent nach oben revidiert. Insbesondere der Konsum fiel robuster aus als erwartet. 
- Besser als erwartet: Der September-ifo-Index, eine monatlicher Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft, zeigt, dass die Lage in Deutschland aktuell besser ist als das Bild, das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird. Besonders ausgeprägt ist die Verbesserung im verarbeitenden Gewerbe.

Inflation: Hohe Energiepreise halten Inflationsraten deutlich über Ziel der Notenbanken
- Die USA müssen weiterhin mit Preissteigerungen zurechtkommen, die weit über dem Inflationsziel von zwei Prozent liegen. Momentan liegt die aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate bei 3,4 Prozent. Allerdings scheint der Preisdruck jüngst etwas nachgelassen zu haben.
- In Deutschland ist die Inflationsrate aufgrund der gestiegenen Energiepreise im September auf 3,3 Prozent (August: 2,9 Prozent) gestiegen.

Notenbanken: Weitere Zinserhöhungen keine ausgemachte Sache

- Die jüngsten US-Konjunkturdaten stützen die Einschätzung einer robusten, aber nicht überhitzten US-Wirtschaft. Die US-Notenbank Fed dürfte weiterhin vorsichtig agieren.
- In der Eurozone machen die starken Renditeanstiege an den Anleihemärkten, die bereits zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen beitragen, eine Zinserhöhung im Oktober aus unserer Sicht unwahrscheinlich.

Risiken: Weiterer Renditeanstieg an den Anleihemärkten
- Weiter steigende Staatsanleiherenditen könnten die Bewertungen an den Aktienmärkten, die bislang mit den gestiegenen Renditen gut zurechtgekommen sind,  unter Druck setzen.
- Ein Risikopotenzial birgt insbesondere die Entwicklung in Frankreich, wo die Risikoaufschläge von Staatsanleihen neue Höhen erreicht haben, da eine Haushaltskonsolidierung nicht in Sicht zu sein scheint.

Aktien: Sabrina Reeh, Fondsmanagerin
Deutsche Aktien: Unterschätzte Chancen durch physische Künstliche Intelligenz


Wie geht es weiter mit dem deutschen Leitindex Dax? Im laufenden Jahr gehört er international gesehen eher zu den Nachzüglern. Dennoch sieht Fondsmanagerin Sabrina Reeh Gründe für Optimismus. „Die Verbesserung der wirtschaftlichen Frühindikatoren für Deutschland ist aus unserer Sicht mehr als nur eine kurzfristige Stimmungsaufhellung. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche sehen wir erste Anzeichen einer Stabilisierung.“ Reeh verweist auf die Chancen, die durch die großen staatlichen Investitionsprogramme entstehen. Die Breite dieser Investitionen sei bislang noch nicht vollständig in der Wirtschaft angekommen. Reeh: „Das spricht dafür, dass wir eher am Anfang als am Ende dieses Investitionszyklus stehen.“ Deshalb sieht Reeh innerhalb des deutschen Aktienmarktes attraktive Möglichkeiten durch gezielte Anlageentscheidungen eine zusätzliche Rendite gegenüber der allgemeinen Marktentwicklung zu erzielen. Für die Entwicklung des Dax insgesamt bleibe jedoch der globale Konjunktur- und Investitionszyklus entscheidend.

Die Gewinne der Dax-Unternehmen hätten sich zuletzt deutlich besser entwickelt als es die schlechte Stimmung vermuten lasse. Zudem sei der deutsche Aktienmarkt heute deutlich breiter aufgestellt als noch vor zehn Jahren. „Die Bedeutung von Infrastruktur, Elektrifizierung, Software, Automatisierung und industrieller Technologie ist deutlich gestiegen“, so Reeh.

Die Fondsmanagerin sieht den Dax deutlich stärker an Technologie- und Investitionszyklen beteiligt als viele Anleger es vermutlich erwarteten. Insbesondere das Thema physische Künstliche Intelligenz (KI) dürfte ein enormes Potenzial haben. Während viele Anleger bei KI vor allem an Rechenzentren oder Sprachmodelle dächten, gehe es bei physischer KI darum, dass Software, Sensorik, Robotik und Maschinen reale Arbeit übernehmen. „Deutschland verfügt über zahlreiche führende Unternehmen in den Bereichen Automatisierung, industrielle Software, Sensorik, Antriebstechnik und Industrieausrüstung und gehört zu den Ländern mit der weltweit höchsten Roboterdichte“, so Reeh.  Das mache es nicht nur zu einem wichtigen Anbieter, sondern auch zu einem natürlichen Anwender dieser Technologien. „Die Kombination aus industrieller Stärke, Fachkräftemangel und hohem Automatisierungsgrad könnte Deutschland zu einem der wichtigsten Profiteure von physischer KI werden lassen“, so Reeh. Damit sich deutsche Aktien gut entwickeln könnten, müsse allerdings die globale Konjunktur ihren Beitrag leisten, die mehr Einfluss habe als die deutsche Konjunktur. „Bei einem robusten globalen Investitionszyklus dürften viele deutsche Unternehmen überdurchschnittlich profitieren“, ist Reeh überzeugt..            

Aktien USA: Starkes Gewinnwachstum dürfte Kurse weiter stützen
- Die Kurse von US-Aktien dürften durch starkes Gewinnwachstum, KI-getriebene Investitionen und robuste Produktionsdaten weiter Unterstützung bekommen.
- Anhaltender Inflationsdruck, eine Abschwächung des Konsums sowie auslaufende fiskalische Impulse sind potenzielle Risikofaktoren.

Aktien Deutschland: Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung nehmen zu
- Öffentliche Ausgaben, Exporte und erste Stabilisierungssignale im verarbeitenden Gewerbe verbessern den Ausblick für die deutsche Wirtschaft und damit auch für deutsche Aktien.
- Allerdings bleiben deutsche Aktien stark abhängig von der Entwicklung der globalen Konjunktur.

Aktien Europa: Europäische Nebenwerte favorisiert
- In Europa haben sich die wirtschaftlichen Daten zuletzt positiv entwickelt. Es bleibt abzuwarten, ob die wirtschaftliche Verbesserung auch nachhaltige Kapitalzuflüsse und eine stärkere Anlegernachfrage nach europäischen Aktien nach sich ziehen kann.
- Unsere Favoriten sind derzeit europäische Nebenwerte, die von der Erholung des Industriesektors profitieren sollten und die zudem niedrig bewertet sind.

Japan: Wirtschaft zeigt sich robust und profitiert von KI-Investitionen
- Wir bleiben bei unserer positiven Einschätzung für japanische Aktien. Die Geschäftslage der Unternehmen ist so gut wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft profitiert nach wie vor von einem robusten, durch Künstliche Intelligenz (KI) getriebenen Investitionszyklus.
- Negativ auswirken könnten sich ein stärkerer Yen, höhere Energiepreise oder ein Abflauen der globalen Investitionen in Künstliche Intelligenz.

Anleihen

US-Staatsanleihen nach Renditeanstieg aussichtsreich

Nach dem jüngsten Renditeanstieg halten wir US-Staatsanleihen wieder für attraktiver. Aus unserer Sicht erwarten die Märkte eine stärkere Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank, als es unser Konjunkturbild nahelegt. Zugleich könnten ein schwächeres Wachstum und nachlassender Inflationsdruck die Kurse von US-Staatsanleihen unterstützen. In Europa ist das Bild uneinheitlicher. Sorgen um die französischen Staatsfinanzen haben die Risikoaufschläge zahlreicher Länder gegenüber Bundesanleihen steigen lassen. Deutsche Bundesanleihen profitierten dagegen von ihrer Rolle als sicherer Hafen. Interessante Ertragschancen sehen wir auch bei europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität. Geringe Kursschwankungen, solide Fundamentaldaten und ein überschaubares Neuangebot sprechen für die Anlageklasse. Hinzu kommen attraktive laufende Erträge und anhaltende Mittelzuflüsse. Lässt die Zinsvolatilität nach, könnte die Nachfrage weiter zunehmen. Auch europäische Hochzinsanleihen sind nach der Korrektur im September, die zu einem um etwa 50 Basispunkte höheren Zinsaufschlag gegenüber Staatsanleihen führte, wieder interessanter bewertet - hundert Basispunkte entsprechen einem Prozentpunkt. Für sie sprechen zudem der verbesserte Konjunktur- und Zinsausblick sowie eine weiterhin solide Nachfrage. Risiken bleiben eine globale geldpolitische Straffung und steigende Neuemissionen.

Währungen

Euro/Dollar: Euroschwäche dürfte nur vorübergehend sein

- Der Euro hat in den vergangenen Wochen deutlich gegenüber dem Dollar nachgegeben. Ursächlich dafür dürften die restriktivere US-Notenbankpolitik und die gestiegene Zinsdifferenz bei kurzfristigen Zinsen gewesen sein.
- Längerfristig sehen wir den Euro aber wieder stärker, unter anderem, weil die Renditedifferenz sich eher wieder einengen dürfte.

Alternative Anlagen

Gold: Kurzfristig drücken hohe Anleiherenditen, langfristig dürfte der Preis wieder zulegen

- Die gestiegenen Renditen von US-Staatsanleihen haben den Goldkurs zuletzt unter Druck gesetzt. Privatanleger haben sich – anders als institutionelle Anleger – mit Käufen zurückgehalten.
- Der Goldpreis könnte die Schwelle von 4.000 Dollar pro Feinunze kurzfristig eventuell erneut testen. Längerfristig sehen wir aber deutliches Aufwärtspotenzial, für das unter anderem eine verstärkte Nachfrage der Notenbanken sorgen dürfte.

 

Veröffentlicht am: 15.10.2026

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