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Dienstag, 4. August 2026
   
 

UniCredit Bank Austria Analyse

Wandel des österreichischen Außenhandels führt zu mehr Diversifizierung, aber keine grundlegende Verlagerung zu erwarten



„Der österreichische Außenhandel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer tragenden Säule des wirtschaftlichen Erfolgs entwickelt. Während Österreich in den Jahren nach dem EU-Beitritt 1995 noch ein Defizit im grenzüberschreitenden Warenhandel aufwies, gelang seither eine bemerkenswerte Verbesserung der Güterbilanz. Heute ist der Güterverkehr ein wichtiger Wachstumstreibern der heimischen Wirtschaft und leistet einen wesentlichen Beitrag zu Beschäftigung, Einkommen und Wohlstand“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.


Er ergänzt: „Zwischen 1995 und 1999 verzeichnete Österreich im Warenhandel noch ein durchschnittliches Defizit von 2,6 Prozent des BIP. In den vergangenen 25 Jahren entwickelte sich daraus im Durchschnitt ein leichter Überschuss von 0,2 Prozent des BIP. Im Jahr 2025 erreichte der Güterhandelssaldo sogar einen Überschuss von einem Prozent des BIP.“ Insgesamt war der Warenhandel in den vergangenen 25 Jahren für rund ein Fünftel des österreichischen Wirtschaftswachstums verantwortlich.

Österreich als Nettoexporteur nach Europa und Amerika

Besonders deutlich verbesserte sich die Handelsbilanz mit Amerika. Österreich erzielt mittlerweile einen Warenhandelsüberschuss von mehr als zwei Prozent des BIP mit den Ländern des amerikanischen Kontinents. Maßgeblich dazu beigetragen haben die starken Handelsbeziehungen mit den USA aber auch die zunehmend positiven Handelsbilanzen mit Kanada und Mexiko. Auch mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay weist Österreich einen leichten Überschuss auf.

Ebenso konnte die Handelsposition gegenüber den europäischen Partnern deutlich gestärkt werden. Im Jahr 2025 lag der Warenhandelsüberschuss mit Europa bei 1,2 Prozent des BIP. Die EU-Osterweiterung, die vertiefte wirtschaftliche Integration sowie der Abbau des Handelsungleichgewichts mit Deutschland haben hierzu wesentlich beigetragen. Trotz Brexit bleibt auch das Vereinigte Königreich ein wichtiger Markt mit stabilem Exportüberschuss.

Asien wurde wichtiger, vor allem für den Import


Die Verbesserung der Güterverkehrsbilanz wurde vor allem durch die Entwicklung des Warenhandels mit Asien gedämpft, die einzige große Wirtschaftsregion gegenüber der Österreich ein deutliches und in den vergangenen Jahren stark gestiegenes Handelsbilanzdefizit aufweist. Dieses Defizit lag 2025 bei 2,7 Prozent des BIP und ist überwiegend auf den Handel mit China zurückzuführen. Das Defizit bedeutet jedoch keineswegs, dass der Warenverkehr mit dieser Region unvorteilhaft wäre. Die Importe aus Asien erreichten 2025 6,2 Prozent des BIP beziehungsweise knapp 29 Milliarden Euro. Preisgünstige Vorleistungen und Konsumgüter aus Asien haben wesentlich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen und zur Dämpfung der Inflation beigetragen. Gleichzeitig gewinnen die asiatischen Märkte auch als Absatzregion für österreichische Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Rund 3,5 Prozent des österreichischen BIP machen die Warenexporte nach Asien aus.

„Insgesamt zeigt die regionale Struktur der österreichischen Güterbilanz ein klares Bild: Österreich ist ein bedeutender Nettoexporteur in den transatlantischen Wirtschaftsraum und inzwischen auch gegenüber Europa. Gleichzeitig besteht eine starke Importabhängigkeit von Asien, insbesondere von China. Der Handel mit Afrika und Ozeanien ist dagegen von geringer wirtschaftlicher Bedeutung und insgesamt nahezu ausgeglichen“ so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Europa bleibt Fundament des Außenhandels

Trotz einer zunehmenden geografischen Diversifizierung ist Europa mit Abstand der wichtigste Absatz- und Beschaffungsmarkt für Österreich. Im Jahr 2025 betrugen die Exporte nach Europa 28,8 Prozent des BIP, die Importe 27,7 Prozent. Allein auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union entfielen knapp 24 Prozent des BIP sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen. Die enge wirtschaftliche Verflechtung mit den europäischen Nachbarstaaten, der gemeinsame Binnenmarkt und etablierte Lieferketten bilden damit weiterhin das Fundament des österreichischen Außenhandels. Im Güterhandel mit Ländern außerhalb der Europäischen Union nehmen das Vereinigte Königreich und die USA trotz veränderter politischer Rahmenbedingungen weiterhin eine wichtige Stellung ein, insbesondere hinsichtlich der Exporte. Die relative Bedeutung beider Märkte hat in letzter Zeit aufgrund politischer Unsicherheiten und handelspolitischer Spannungen tendenziell stagniert, beziehungsweise sogar leicht abgenommen. Demgegenüber hat Asien als Handelspartner Österreichs erheblich an Bedeutung gewonnen. Treibende Kraft dieser Entwicklung ist insbesondere die dynamische Ausweitung des Handels mit China. Vor allem auf der Importseite zeigt sich die wachsende Bedeutung der Region.

Neue Freihandelsabkommen eröffnen zusätzliche Chancen

„Die internationale Handelspolitik wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die geografische Ausrichtung des Außenhandels. Während protektionistische Tendenzen in einzelnen Märkten die Handelsbeziehungen erschweren, setzt die Europäische Union verstärkt auf den Abschluss neuer Freihandelsabkommen. Diese Abkommen schaffen zusätzliche Exportchancen für österreichische Unternehmen und erleichtern den Zugang zu einigen der wachstumsstärksten Märkte der Welt“, meint Pudschedl.

Zu den wichtigsten Initiativen zählen die Abkommen mit Kanada, Mexiko, den Mercosur-Staaten sowie zahlreichen asiatischen Partnern wie Japan, Südkorea, Vietnam, Singapur, Indonesien und Indien. Darüber hinaus wurde im März 2026 die politische Einigung über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien erzielt.

Simulation bis 2031: Diversifizierung statt Verlagerung

Neben handelspolitischen Rahmenbedingungen wird die zukünftige Entwicklung der österreichischen Handelsströme maßgeblich von der wirtschaftlichen Dynamik der jeweiligen Ziel- und Herkunftsmärkte bestimmt werden. Unsere Simulation der Entwicklung bis 2031 unterstreicht diese Tendenzen. Wird angenommen, dass Österreich seine derzeitigen Marktanteile in den jeweiligen Absatzmärkten halten kann, führen die unterschiedlichen Wachstumsraten der Handelspartner automatisch zu einer Verschiebung der geografischen Struktur der Exporte. Der Anteil der Warenausfuhren nach Asien am österreichischen BIP steigt in diesem Szenario um nahezu 14 Prozent. Besonders deutlich fällt der Zuwachs bei Indien mit mehr als 35 Prozent aus, gefolgt von den ASEAN-Staaten mit rund 15 Prozent sowie China mit über 10 Prozent. Auch Afrika gewinnt als Absatzmarkt an Gewicht. Der Anteil der Exporte nach Afrika im Verhältnis zur österreichischen Wirtschaftsleistung wird um 12 Prozent zulegen. Demgegenüber fällt der Zuwachs bei den USA mit rund einem Prozent vergleichsweise gering aus, während der Anteil Europas aufgrund seines niedrigeren Wirtschaftswachstums sogar leicht zurückgeht.

„Unsere Analyse der zukünftigen Handelsentwicklung bis 2031 zeigt, dass sich die geografische Struktur des österreichischen Außenhandels weiter verändern wird. Besonders dynamisch dürften sich die Exporte nach Asien aber auch Afrika entwickeln. Vor allem Indien, die ASEAN-Staaten und China werden voraussichtlich an Bedeutung gewinnen“, meint Pudschedl und ergänzt: „Von einer Verlagerung weg von Europa kann jedoch keine Rede sein. Zwar dürfte der Anteil Europas am gesamten Exportvolumen leicht sinken, in absoluten Zahlen bleiben die EU-Mitgliedstaaten mit großem Abstand der wichtigste Markt für Österreich. Mehr als 60 Prozent des gesamten österreichischen Exportwachstums bis 2031 entfallen weiterhin auf den europäischen Binnenmarkt.“

Breitere internationale Aufstellung als Erfolgsstrategie


„Die Ergebnisse zeigen klar: Österreichs Außenhandel entwickelt sich nicht weg von den entwickelten Märkten in Amerika oder Europa, sondern wird breiter aufgestellt. Während Europa auch künftig das Rückgrat der österreichischen Exportwirtschaft bleibt, liefern wachstumsstarke Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika zunehmend zusätzliche Impulse“, meint Pudschedl.

Für österreichische Unternehmen bedeutet das, ihre starke Position in Europa zu sichern und gleichzeitig neue Chancen in den dynamischsten Märkten der Welt zu nutzen. Eine erfolgreiche Kombination aus europäischer Verankerung und globaler Diversifizierung wird entscheidend sein, um auch künftig Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Österreich zu sichern.

„Neue Freihandelsabkommen und dynamische Wachstumsmärkte eröffnen Österreich große Chancen. Ob wir diese Potenziale tatsächlich nutzen können, wird jedoch maßgeblich auch davon abhängen, wie erfolgreich wir die KI-Revolution bewältigen. Die Zukunft des Außenhandels entscheidet sich nicht nur an den Grenzen, sondern zunehmend auch in der Fähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten, neue Technologien rasch und produktiv einzusetzen“, meint Bruckbauer abschließend.

Weitere Informationen in unserer Analyse: Außenhandel im Wandel: Wo liegt Österreichs Zukunft?, UniCredit Bank Austria, August 2026.  

 

Veröffentlicht am: 04.08.2026

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