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Dienstag, 21. Juli 2026
   
 

Gehebelte ETFs treiben Südkoreas Halbleiterwerte in die Volatilität

... von Enguerrand Artaz, Stratege bei LFDE



Die durchschnittliche tägliche Schwankung – nach oben oder unten – des Leitindex der südkoreanischen Börse (Kospi) liegt bei 4,1% seit Anfang Juli. Zum Vergleich: Die absolute tägliche Schwankung eines globalen Aktienindexes beträgt über einen langen Zeitraum hinweg im Durchschnitt etwa 0,6 %. 


Die Instabilität des koreanischen Indexes ist größtenteils auf die extreme Volatilität seiner beiden Schwergewichte aus der Halbleiterbranche, SK Hynix und Samsung Electronics, zurückzuführen. Hinter diesen unberechenbaren Schwankungen steht jedoch keine grundlegende Umwälzung, auch wenn Zweifel an der künftigen Nachfrage nach Halbleitern aufkommen, sondern der mittlerweile unkontrollierte Einsatz von gehebelten ETFs. Diese Produkte sind zwar weltweit nichts Neues, haben jedoch in Südkorea in letzter Zeit eine ganz besondere Dimension angenommen.

Ein außergewöhnlicher Volatilitätsschub

Zunächst ist anzumerken, dass es sich im Wesentlichen um ETFs (oder ETNs) handelt, die auf einer einzelnen Aktie und nicht auf einem diversifizierten Index basieren und eine Hebelwirkung von 2 nach oben oder unten aufweisen (das in Südkorea zulässige Maximum). Das heißt, sie erzielen das Zweifache der täglichen Kursschwankung der zugrunde liegenden Aktie. Diese Instrumente wurden im Zuge einer am 28. April 2026 in Kraft getretenen Reform in Südkorea zugelassen und sind seit dem 27. Mai notiert. Da nur Samsung Electronics und SK Hynix die Kriterien hinsichtlich Marktkapitalisierung, Liquidität und Tiefe des Derivatemarktes gleichzeitig erfüllen, sind sie die einzigen zulässigen Basiswerte für diese Instrumente, deren Erfolg die Erwartungen der koreanischen Behörden bei weitem übertroffen hat. Die ursprüngliche Reform, mit der diese Produkte zugelassen wurden, diente in erster Linie der Wettbewerbsfähigkeit. Koreanische Anleger konnten bereits gehebelte ausländische Produkte auf einzelne Aktien kaufen, während die koreanischen Vorschriften bis dahin einen Basiswert aus mindestens zehn Titeln und eine maximale Gewichtung von 30 % pro Wertpapier vorschrieben.

Neue Produkte treffen auf spekulative Nachfrage

Diese Deregulierung erfolgte jedoch zu einem Zeitpunkt, als die Spekulation auf dem koreanischen Markt – angetrieben durch die unstillbare Nachfrage globaler Anleger nach Halbleitern – bereits in vollem Gange war und die Handelsvolumina in die Höhe schossen. Mit einem zwischen Ende Mai und Mitte Juli um das 2,7-Fache gestiegenen Bestand (und sogar um fast das Vierfache auf dem Höhepunkt des koreanischen Marktes Ende Juni) konzentrierten diese gehebelten ETFs schließlich fast 40 % des Handelsvolumens aller koreanischen ETFs auf sich. Eine Raserei, die die Marktbewegungen erheblich verstärkte. Der implizite Volatilitätsindex des Kospi-200-Index überschritt Ende Juni somit die Marke von 90, während der Markt weiterhin stieg – ein Niveau, das er selbst auf dem Höhepunkt der Krise von 2008 und der Pandemie von 2020 nie erreicht hatte. Angesichts dieser extremen Volatilität und angesichts der Tatsache, dass SK Hynix und Samsung Electronics seit Ende Juni starke Kursverluste verzeichnen, was zu kumulierten Buchverlusten bei den gehebelten ETFs in Höhe von fast 2,7 Billionen Won (1,6 Milliarden Euro) geführt hat, haben die koreanischen Behörden beschlossen, dem Spiel ein Ende zu setzen.

Die Aufsicht zieht die Reißleine

Am 16. Juli wurde eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die den Einsatz dieser Instrumente deutlich einschränken sollen. Einerseits streben die Behörden eine deutliche Anhebung des Mindesthandelsvolumens an, um Transaktionen mit geringen Beträgen und hoher Frequenz zu reduzieren. Dazu wird die erforderliche Mindesteinlage, die künftig ausschließlich aus Barmitteln bestehen muss, verdreifacht und die Mindestanzahl der Anteile wird von 1 auf 20 erhöht. Andererseits kündigten sie eine vorübergehende Aussetzung aller neuen Notierungen von Wertpapieren sowie ein sofortiges Werbeverbot für diese Produkte an.

Ein Lehrstück über Spekulation und Marktdisziplin

Diese Maßnahmen dürften zu einer Beruhigung der Hysterie führen, die den koreanischen Markt in den letzten Wochen erfasst hat. Sie werden jedoch der Spekulationswelle rund um Samsung Electronics und SK Hynix, die bereits lange vor der Zulassung dieser Instrumente begonnen hat, kein Ende setzen. Diese Episode ist vor allem ein Lehrbeispiel für Anleger. Sie zeigt, dass selbst solide Fundamentaldaten – wie bei den führenden koreanischen Halbleiterherstellern – durch den übermäßigen Einsatz von Hebeleffekten, rasende Spekulation und unkontrollierte Volatilität stark beeinträchtigt werden können. Eine Warnung, die zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig kostet, aber dazu anregt, sich an die Lehren der Vergangenheit zu erinnern. Insbesondere an jene aus Zeiten, in denen es zu bedeutenden technologischen Umwälzungen auf globaler Ebene kam.

 

Veröffentlicht am: 21.07.2026

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