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Freitag, 26. Juni 2026
   
 

Prognosen sind eine Lektion in Demut

Gilt für die Fußball-WM wie für die Finanzmärkte



An den Finanzmärkten zählt die richtige Prognose. Wer in der Vergangenheit ein Ereignis korrekt vorhergesagt hat, gilt daher oft als Genie. Zu Unrecht, meint Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. 


Denn von der Prognose kann nicht auf die Qualität der Analyse oder der Anlagestrategie geschlossen werden. „Eine gute Strategie“, so Fischer, „vertraut nicht auf Genies, sondern gewichtet Wahrscheinlichkeiten.“

Bei der Geldanlage geht es um die Erträge der Zukunft. Große Wertschätzung genießen daher Personen, die die Zukunft zu kennen scheinen. So sagte ein Finanzstratege die Fußball-Weltmeister von 2014, 2018 und 2022 korrekt voraus und sieht nun die Niederlande als Sieger der WM 2026. „Die eigentliche Geschichte ist aber nicht seine Trefferquote – sondern wie schnell Menschen erfolgreiche Vorhersagen mit besonderer Kompetenz verwechseln“, erklärt Fischer. Einer korrekten Prognose müsse noch lange keine korrekte Analyse zugrunde liegen. Angenommen, ein Experte prognostiziert einen Börsencrash auf Basis einer fehlerhaften oder völlig unbegründeten Theorie – und der Crash tritt tatsächlich pünktlich ein. Hat er dann wirklich recht gehabt?

„Anleger feiern erfolgreiche Fondsmanager häufig als Genies und stempeln schwächere Investoren schnell als unfähig ab“, so Fischer. Doch kurzfristige Ergebnisse seien oft eine Mischung aus Können, Marktumfeld und Zufall. Die Schwierigkeit bestehe darin, diese Faktoren voneinander zu trennen. „Wer über mehrere Jahre richtig liegt, besitzt möglicherweise einen echten Informationsvorsprung“, sagt Fischer. Vielleicht profitiere er aber auch nur von einer außergewöhnlich günstigen Serie von Ereignissen. „Genau deshalb sollten vergangene Erfolge niemals der einzige Maßstab für Anlageentscheidungen sein.“

„Gute Investoren denken in Wahrscheinlichkeiten“, so Fischer, „nicht in Gewissheiten.“ Ein Grund dafür ist, dass im Leben der Zufall eine größere Rolle spielt, als uns lieb ist. Denn Menschen streben danach, ihre Umwelt zu kontrollieren, und vernachlässigen daher gerne die Bedeutung des unberechenbaren Zufalls. „Ob Fußball, Wirtschaft oder Finanzmärkte: In komplexen Systemen beeinflussen unzählige Faktoren das Ergebnis“, so Fischer. Einzelne Ereignisse können den Ausgang entscheidend verändern. „Dennoch neigen wir dazu, erfolgreiche Prognosen im Nachhinein als logische Konsequenz darzustellen.“ Denn nur wenn die Dinge logisch aufeinanderfolgen, sind sie nachvollziehbar, vorhersehbar und damit steuerbar.

Das Bedürfnis nach Kontrolle wird auch durch immer komplexere Prognosemodelle gestillt. Dabei bedeuten mehr Daten nicht automatisch bessere Vorhersagen. Besonders spannend: Während einfache Modelle manchmal erstaunlich treffsicher sind, liegen hochkomplexe Prognosemodelle regelmäßig daneben. „Das zeigt, dass selbst ausgefeilte Analysen Unsicherheit nicht beseitigen können – sie können sie lediglich besser strukturieren“, erklärt Fischer.

Die gefährlichste Falle bei der Prognose ist nach Meinung von Fischer die Illusion von Präzision: An den Finanzmärkten vermitteln Modelle, Prognosen und Kursziele oft den Eindruck wissenschaftlicher Exaktheit. Tatsächlich sind viele Vorhersagen mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Präzise Zahlen sollten daher nicht mit hoher Prognosesicherheit verwechselt werden.

Fischers Fazit: Gute Investoren denken in Wahrscheinlichkeiten, nicht in Gewissheiten. „Die erfolgreichsten Anleger versuchen nicht, die Zukunft exakt vorherzusagen“, sagt er. „Stattdessen arbeiten sie mit Szenarien, Wahrscheinlichkeiten und robusten Portfolios, die auch dann funktionieren, wenn Prognosen falsch liegen.“ Was bedeutet das für Anleger? „Die wichtigste Lektion lautet Demut“, so Fischer. Prognosen, Marktmeinungen und selbst die besten Modelle lieferten Orientierung, aber keine Gewissheit. Erfolgreiches Investieren basiere daher weniger auf der perfekten Vorhersage der Zukunft als auf Diversifikation, Risikomanagement und der Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. „Genau das“, so Fischer, „trennt langfristig erfolgreiche Anleger von Rittern des kurzlebigen Glücks.“

 

Veröffentlicht am: 26.06.2026

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