
Steigende Energiepreise belasten Wachstum und Inflation, während KI-getriebene Investitionen ausgewählte Segmente stützen und die Unterschiede an den Märkten verstärken.
Die Kapitalmärkte befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld aus geopolitischen Risiken und gleichzeitig noch vergleichsweise robusten Fundamentaldaten. Die Entwicklungen rund um den Iran und deren Auswirkungen auf die Energiepreise sorgen kurzfristig für Unsicherheit. Insgesamt sehen wir die Weltwirtschaft jedoch weiterhin als widerstandsfähig.
Zentral für das aktuelle Marktumfeld ist ein klarer Zielkonflikt: Der Ölpreisschock wirkt direkt inflationstreibend und dämpft zugleich das Wachstum - ein Spannungsfeld, das sowohl Geldpolitik als auch Kapitalmärkte prägt. Für die USA erwarten wir 2026 eine Inflationsrate von 3,2 Prozent, bevor sie 2027 wieder in Richtung 2,3 Prozent zurückgeht. Gleichzeitig rechnen wir weiterhin mit einem Wachstum von rund 2,0 Prozent.
Auch in Europa zeigt sich dieses Bild: Die Inflation dürfte 2026 auf 3,1 Prozent steigen, während sich das Wachstum vorübergehend auf 0,9 Prozent abschwächen könnte. Insgesamt ergibt sich damit ein Umfeld moderaten Wachstums bei erhöhtem Preisdruck.
Diese gegenläufigen Kräfte führen zu einem zunehmend fragmentierten Marktumfeld, in dem sich einzelne Segmente immer stärker voneinander entkoppeln. Während ein Teil der Investoren weiterhin stark auf Inflations- und Zinsrisiken fokussiert ist, richten andere ihren Blick stärker auf den mittel- bis langfristigen Wachstumsausblick.
Gleichzeitig sehen wir im anhaltenden Investitionszyklus rund um KI einen zentralen strukturellen Treiber, der die Aktienmärkte zunehmend prägt. Hohe Investitionen in Infrastruktur und Rechenzentren unterstützen insbesondere ausgewählte Marktsegmente und überlagern teilweise die dämpfenden Effekte höherer Energiepreise. Aus unserer Sicht verstärkt diese Entwicklung die Spaltung an den Märkten, da KI‑nahe Bereiche deutlich stärker profitieren als zyklischere oder zinssensitive Segmente.
Darüber hinaus dürften die Zentralbanken auf dieses Umfeld unterschiedlich reagieren, da sich Inflationsdynamik und Wachstumsaussichten regional unterscheiden. Vor diesem Hintergrund erwarten wir weiterhin zwei Zinssenkungen durch die US Federal Reserve, während die Europäische Zentralbank zunächst noch restriktiver agieren könnte.
Insgesamt sehen wir ein Marktumfeld, das grundsätzlich stabil ist, sich jedoch zunehmend differenziert. Strukturelle Investitionen stützen das Wachstum, gleichzeitig entfalten sich die zugrunde liegenden Treiber nicht mehr gleichmäßig über alle Marktsegmente.
Für die Kapitalmärkte bedeutet dies, dass Unternehmensgewinne stärker in den Vordergrund rücken und mikroökonomische Faktoren an Bedeutung gewinnen, während makroökonomische Belastungen relativ an Einfluss verlieren. Vor diesem Hintergrund sehen wir den S&P 500 auf Sicht von 12 Monaten bei 8.200 Punkten, den Stoxx Europe 600 bei 650 Punkten sowie den DAX bei 26.300 Punkten.
Am Rentenmarkt gehen wir für den gleichen Zeitpunkt davon aus, dass die Renditen moderat nachgeben werden. Für zehnjährige US‑Treasuries erwarten wir 4,20 Prozent, für zehnjährige Bundesanleihen 2,90 Prozent, was auf eine zunehmende Ausrichtung der Geldpolitik auf Wachstumsunterstützung hindeutet.
Auch an den Devisen- und Rohstoffmärkten spiegeln sich diese Trends wider: Wir erwarten eine Aufwertung des Euro auf 1,22 gegenüber dem US‑Dollar. Gold bleibt aus unserer Sicht ein zentraler Profiteur geopolitischer Unsicherheiten mit einem Ziel von 5.400 US‑Dollar je Unze, während wir beim Ölpreis auf Jahressicht von einer Stabilisierung bei 82 US‑Dollar pro Barrel ausgehen.
Fazit: Trotz erhöhter Unsicherheit bleibt das Umfeld für Risikoanlagen aus unserer Sicht konstruktiv. Gleichzeitig gewinnt Diversifikation weiter an Bedeutung, da sich Marktchancen zunehmend entlang struktureller Wachstumstreiber unterschiedlich entwickeln.