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Montag, 4. Mai 2026
   
 

Warum die Bundesbank Gold eher kaufen als verkaufen sollte

Aktuelle Markteinschätzung von Önder Çiftçi, CEO der Ophirum Group



Der globale Goldmarkt befindet sich im Frühjahr 2026 in einer Phase extremer Widersprüche. Während das Edelmetall zu Beginn des Jahres noch neue Rekordmarken ins Visier nahm, sorgen geopolitische Spannungen und eine veränderte Strategie einiger Notenbanken für deutliche Kursschwankungen. Für Anleger, die über das tägliche Marktrauschen hinausblicken, bleibt Gold jedoch ein unverzichtbarer Stabilitätsanker im Portfolio.

Geopolitische Unsicherheit: Der Faktor Trump und der Iran-Konflikt


Die Unberechenbarkeit der Weltpolitik ist derzeit der stärkste Treiber für die Volatilität. Der andauernde Konflikt im Iran belastet nicht nur die diplomatischen Beziehungen, sondern bedroht umso mehr die Energie- und Rohstoffversorgung, je länger er dauert. Gold reagiert hierauf in seiner klassischen Rolle als „sicherer Hafen“. Allerdings verpuffen die Kursgewinne schnell wieder, sobald Signale für eine Entspannung bekannt werden.

Trumps protektionistische Handelspolitik und sein öffentlicher Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schwächen dabei weiterhin das Vertrauen in den US-Dollar als stabilste Reservewährung. In der Folge suchen internationale Investoren verstärkt nach Sachwerten. Da Gold keine politischen Grenzen kennt und nicht beliebig vermehrbar ist, profitiert es langfristig von dieser Erosion der Währungsstabilität.

Paradigmenwechsel: Gold als Finanzierungsquelle für Rüstung

Ein völlig neues Element am Goldmarkt ist die Diskussion um die strategische Verwendung von Reserven zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Polens. Zählte die polnische Nationalbank in den Jahren 2024 und 2025 mit Zukäufen von insgesamt mehr als 130 Tonnen Gold zu den weltweit größten Käufern, zeichnet sich nun jedoch eine Kehrtwende ab.

Polens Notenbank-Präsident verfolgt die Idee, mit den hohen Buchgewinnen aus seinen Goldbeständen (geschätzt rund 48 Milliarden Złoty oder elf Milliarden Euro) die Modernisierung der Armee zu finanzieren. Der Plan sieht vor, Goldbestände zu verkaufen, die Gewinne in den Verteidigungshaushalt abzuführen und das Gold zu einem späteren Zeitpunkt – bei potenziell niedrigeren Kursen – wieder zurückzukaufen. Gold dient damit nicht mehr nur als ruhende Reserve, sondern wird aktiv als liquide Ressource in Krisenzeiten genutzt. Das führt zwar kurzfristig zu Verkaufsdruck, unterstreicht aber gleichzeitig den hohen realen Wert des Edelmetalls in Krisenzeiten.

Notenbanken weltweit: Zwischen Liquiditätsnot und Hortung

Neben den strategischen Verkäufen wie in Polen oder Russland, das seine Bestände zur Finanzierung der Kriegsausgaben und zur Stützung des Rubels anzapft, sehen wir auch Notverkäufe aus wirtschaftlicher Bedrängnis. Die aktuelle Ölkrise hat die Preise für Energieimporte massiv verteuert. Länder wie die Türkei sind gezwungen, Teile ihrer Goldreserven zu veräußern, um Devisen für notwendige Importe zu beschaffen.

Vor diesem Hintergrund mehren sich auch hierzulande die Gedankenspiele, ob die Bundesbank sich nicht teilweise von ihren Goldbeständen trennen sollte, immerhin die zweitgrößten der Welt hinter denen der USA. Ein namhafter Ökonom hat zuletzt konkret vorgeschlagen, mit dem Gold der Bundesbank die aktuelle Krise zu bewältigen, sprich die Bürger zu entlasten. 

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie klug dieser Vorschlag unter strategischen Gesichtspunkten ist. Zum einen dürften, schaut man sich die Gemengelage im geopolitischen Kontext an, die Herausforderungen, die sich derzeit aus dem Irankonflikt ergeben, nicht die letzten sein, denen sich Europa und speziell Deutschland in den kommenden Jahren stellen werden müssen. Ist es angesichts dessen wirklich sinnvoll, schon jetzt eines der wichtigsten Assets, die Deutschland überhaupt hat, aus der Hand zu geben, statt an anderer Stelle naheliegendere Optionen zu prüfen, die für Entlastung bei den Bürgern sorgen können? 

Man sollte zum anderen auch nicht vergessen, dass es im Goldmarkt nicht nur Verkaufsdruck gibt. Im Gegenteil, den erwähnten Verkäufen einiger Staaten steht eine weiterhin ungebrochene Nachfrage aus dem asiatischen Raum gegenüber. Die Notenbanken von China und Indien etwa kaufen kontinuierlich Gold zu, um ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Dieses Tauziehen zwischen Verkäufern aus Not und strategischen Langfrist-Käufern sorgt für die derzeit fehlende klare Richtung beim Goldpreis. Doch gerade das könnte ein ideales Umfeld sein für einen Plan des kontinuierlichen Ausbaus der Goldreserven. Hierbei sollte die Bundesbank aber durchaus mit dem Gedanken spielen, anders als bisher diese Reserven im eigenen Land  aufzubewahren, um politische Abhängigkeiten künftig so gering wie möglich zu halten. Auch dies lässt die jüngste Entwicklung in der Weltpolitik durchaus opportun erscheinen.

Szenarien für Nachkaufgelegenheiten

Für Privatanleger gilt im Übrigen dasselbe wie für Zentralbanken: Für den langfristigen Anleger sind Phasen der Unschlüssigkeit oft die besten Einstiegsfenster. Gold sollte nicht spekulativ, sondern als Versicherung betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund sind derzeit verschiedene Szenarien vorstellbar, die günstige Kaufgelegenheiten bieten. Goldpreis-Rücksetzer aufgrund von Gewinnmitnahmen großer Akteure oder Verkäufe einzelner Notenbanken zur Liquiditätsbeschaffung könnten so eine Gelegenheit sein. Auch ein Anstieg der Inflation aufgrund anhaltend hoher Energiepreise und damit verbundene Kaufkraftverluste von Währungen wie US-Dollar und Euro wären ein Signal für Goldkäufe, da sie auf Dauer zu steigender Goldnachfrage zum Schutz vorhandener Vermögenswerte führt. 

Fazit: Die langfristige Perspektive zählt

Trotz der aktuellen Unberechenbarkeit bleibt die Investment-These für Gold intakt. Die Kombination aus geopolitischer Instabilität, einer schwankenden US-Politik und dem Streben der Notenbanken nach Sicherheit und Abkehr vom US-Dollar bildet ein starkes Fundament für den Goldpreis. Kurzfristige Kursrücksetzer, ausgelöst durch strategische Verkäufe einzelner Staaten, sind nicht als Schwäche des Edelmetalls zu sehen, sondern als Chance für den langfristigen Portfolioaufbau.

 

Veröffentlicht am: 04.05.2026

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