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Mittwoch, 25. März 2026
   
 

J.P. Morgan Asset Management: Risiken bei Gold nehmen zu

Trotz Ruf als „sicherer Hafen“ profitiert Gold nicht vom aktuellen Nahostkonflikt



Nachdem der Goldpreis zu Beginn des Jahres 2026 eine Rekordjagd bis über die Marke von 5.500 US-Dollar pro Unze hinlegte, zeigt sich der Markt aktuell in einer Korrekturphase. Mit einem Stand von derzeit um die 4.500 US-Dollar notiert das Edelmetall zwar weiterhin auf historisch hohem Niveau, doch die Volatilität hat zugenommen. 

Aus Sicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, stützen geopolitische Spannungen und die Geldpolitik der Notenbanken den Aufwärtstrend grundsätzlich, für Investoren stelle sich auf dem aktuellen Niveau aber verstärkt die Frage nach dem Chance-Risiko-Verhältnis. Galler warnt vor einer zunehmenden Fallhöhe und sieht in realen Vermögenswerten wie Infrastruktur oder Transport derzeit kostengünstigere Alternativen für den langfristigen Inflationsschutz.

Rückblick: Gold-Boomphasen in der Vergangenheit

Gold hat seit dem Ende des Goldstandards von Bretton Woods drei ausgeprägte Boomphasen erlebt. „Der Inflationsschutz stand im Vordergrund des ersten Booms in den 1970er Jahren, der jäh endete, als mit Paul Volcker ein Inflationsfalke den Vorsitz der US-Notenbank übernahm“, erklärt Tilmann Galler. Die erfolgreiche Inflationsbekämpfung der folgenden Jahre habe katastrophale Folgen für den Goldpreis gehabt, in der Folge fiel das Edelmetall in einen 20 Jahre andauernden Bärenmarkt.

Der zweite Gold-Boom zwischen 2002 und 2012 hatte aus Sicht von Ökonom Galler nur noch teilweise mit der Inflation zu tun. „Wachsende Staatsverschuldung unterstützt durch eine zunehmend expansivere Ausrichtung der Geldpolitik der Zentralbanken mit umfangreichen Zinssenkungen und quantitativen Maßnahmen führte an den Märkten zu fallenden und teilweise negativen Realzinsen“, sagt Galler. Da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft, steigen die „Opportunitätskosten“, wenn die Realzinsen nach oben gehen. „Hingegen signalisieren fallende Realzinsen, dass Zentralbanken entweder die Inflationsbekämpfung vernachlässigen oder Anleihen kaufen, wodurch der Bedarf an Inflations- und Geldwertsicherung durch Gold größer wird“, führt Galler aus.

Zentralbanken und Privatinvestoren treiben die jüngste Goldrally

Das enge Verhältnis zwischen Realzins und Goldpreis fand jedoch ein vorläufiges Ende mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022. Die folgenden Sanktionen auf russische US-Dollarvermögen in Kombination mit gestiegenen geopolitischen Risiken hat zu starker Goldnachfrage von Zentralbanken geführt.

„Das Edelmetall gilt als neutraler Vermögenswert, der nicht eingefroren oder blockiert werden kann“, betont Galler. Vor dreieinhalb Jahren haben zahlreiche Zentralbanken in Asien und Osteuropa begonnen, ihre Währungsreserven neu zu strukturieren. Der Goldanteil der Zentralbankreserven hat weltweit inzwischen einen Anteil von knapp 27 Prozent erreicht und damit den Euro als Nummer Zwei der Reservewährungen abgelöst. „In der aktuellen Goldrally spielt die Zentralbanknachfrage eine entscheidende Rolle, die in den letzten vier Jahren deutlich höher war als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre“, erklärt Galler.

Gold schwankungsanfälliger als Aktien

Die Nachfrage von Privatinvestoren hat gerade im Jahr 2025 nochmals einen kräftigen Schub erfahren. Steuergeschenke der neuen US-Regierung in Kombination mit politischem Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen trotz erhöhter Inflation zu senken, haben das Thema der Geldwertstabilität wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Käufe in physischem Gold und ETFs/ETCs erreichten ein neues Allzeithoch.

Die jüngste Volatilität verdeutlicht aus Sicht von Tilmann Galler jedoch auch, dass Gold schwankungsanfälliger als Aktien sein könne. So gab der Kurs nach der Nominierung von Kevin Warsh zum nächsten Fed-Vorsitzenden innerhalb von zwei Tagen um rund 10 Prozent nach. Auch die militärische Eskalation im Nahen Osten sowie Sorgen vor einer neuen Inflationsbeschleunigung prägten zuletzt das Kursgeschehen.

Inflationsschutz günstiger bei realen Vermögenswerten

Geldwertstabilität und Geopolitik sind die aktuellen Treiber der Goldrally. „Solange es keine Rückkehr zu stabilitätsorientierter Fiskal- und Geldpolitik gibt, bleibt der Rückenwind für Gold bestehen. Doch auf dem aktuell hohen Preisniveau nehmen die Risiken zu“, stellt Tilmann Galler fest. Die Kauflust der Zentralbanken hat laut Galler spürbar abgenommen, und auch in der Schmuckindustrie werde Gold zunehmend substituiert. Der hohe Goldpreis könnte aus Sicht Gallers auch ein Signal für die Zentralbanken im Westen sein, Teile ihrer hohen Goldbestände abzubauen und Gewinne zu realisieren: Der Goldanteil an den Zentralbankreserven in den USA, Deutschland, Italien und Frankreich stieg seit dem 3. Quartal 2022 um zehn Prozentpunkte auf inzwischen rund 80 Prozent.

„Gold kann auch zukünftig durchaus wertvolle Wertbeiträge liefern, um das eigene Investmentportfolio gegenüber geopolitischen Schocks und Geldentwertung stabiler zu machen“, fasst Tilmann Galler zusammen. Doch Investoren sollten sich bewusst sein, dass „Gravitationskräfte“ auch bei Gold wirken. „Die Fallhöhe ist durch den rasanten Anstieg größer geworden, wie man bereits sehen konnte“, sagt Galler. Inflationsschutz bekommt man nach seiner Einschätzung inzwischen günstiger in realen Vermögenswerten wie Infrastruktur, Transport oder Immobilien.

 

Veröffentlicht am: 25.03.2026

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