Mit dem heutigen Handelsstart der Aktie der VINCORION SE (Ticker: VINC) im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse feiert ein deutscher Defense-Tech-Spezialist ein erfolgreiches Börsendebüt.
Der IPO des Unternehmens aus Wedel bei Hamburg war mehrfach überzeichnet, Marktteilnehmer berichten von einer bis zu zehnfachen Nachfrage. Sämtliche bis zu 20,3 Millionen Aktien, inklusive Greenshoe-Option, wurden zum Festpreis von 17 Euro platziert. Das Platzierungsvolumen beläuft sich auf rund 345 Millionen Euro, die Marktkapitalisierung liegt bei 850 Millionen Euro.
Aus Sicht von XTB-Analyst Jens Klatt kommt der Börsengang zum optimalen Zeitpunkt: „Der IPO von Vincorion fällt in eine Phase massiv steigender Verteidigungsausgaben in Europa. Der geopolitische Druck durch den Ukraine-Krieg und Konflikte im Nahen Osten führt zu einer nachhaltigen Aufrüstung innerhalb der NATO. Unternehmen wie Vincorion profitieren davon unmittelbar.“
Zusätzliche Stabilität erhält der Börsengang durch prominente Cornerstone-Investoren: Fidelity, Invesco und T. Rowe Price haben bereits im Vorfeld Anteile im Wert von rund 105 Millionen Euro gezeichnet. Der Free Float liegt bei etwa 52,5 Prozent. Das schnelle Bookbuilding-Verfahren innerhalb von nur vier Tagen unterstreicht die hohe Nachfrage institutioneller Investoren.
Star Capital bleibt trotz Teil-Exit größter Anteilseigner
Ein entscheidender Faktor ist zudem der hohe Auftragsbestand von über 1,1 Milliarden Euro, der dem Unternehmen langfristige Umsatz- und Margensicherheit bietet. Gleichzeitig nutzt der Finanzinvestor Star Capital, der Vincorion im Zuge eines Carve-outs von Jenoptik im Jahr 2022 übernommen hatte, das aktuelle Marktumfeld für einen erfolgreichen Teil-Exit. Mit rund 47,5 Prozent bleibt Star Capital jedoch größter Anteilseigner und signalisiert damit weiterhin Vertrauen in die Wachstumsstrategie.
Vincorion ist seit über 70 Jahren auf einsatzkritische Energie- und Mechatroniklösungen spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Generatoren und Bordnetze für militärische Fahrzeuge wie Leopard 2, Puma und Boxer, Waffenstabilisierungssysteme sowie mobile Stromaggregate und Hybrid-Energiesysteme. Auch in der Luftfahrt ist Vincorion aktiv und liefert unter anderem Stromversorgungslösungen für Plattformen wie H145 und NH90. Zu den bekanntesten Anwendungen zählen Systeme für das Patriot-Luftabwehrsystem sowie IRIS-T SLM. Mit rund 900 Mitarbeitenden an drei deutschen Standorten und einem Vertriebsarm in den USA zählt das Unternehmen zu den etablierten Zulieferern für NATO-Plattformen.
Attraktive Bewertung mit Luft nach oben
Auch die Bewertung sieht Analyst Jens Klatt positiv: „Mit einer Marktkapitalisierung von 850 Millionen Euro ist Vincorion aus meiner Sicht konservativ bewertet. Auf Basis der 2025er-Zahlen entspricht das einem Umsatz-Multiplikator von rund 3,5x und einem EBITA-Multiplikator von etwa 25x. Das liegt somit deutlich unter den ursprünglichen Markterwartungen sowie unter vielen etablierten Defense-Unternehmen.“
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Vincorion einen Umsatz von 240,3 Millionen Euro (+18 Prozent), ein EBITA von 33,7 Millionen Euro (+64 Prozent) sowie einen Nettogewinn von 19,4 Millionen Euro, der sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelte. Seit dem Einstieg von Star Capital wurde der Unternehmenswert damit mehr als versechsfacht und das bei gleichzeitig deutlich verbesserten Margen und wachsender operativer Stärke.
Anleger setzen auf strukturellen Rüstungstrend in Europa
„Der IPO von Vincorion ist ein Musterbeispiel dafür, wie stark der Kapitalmarkt aktuell auf substanzielle Verteidigungstechnologie setzt. Bei einem Auftragsbestand, der den Jahresumsatz mehrfach übersteigt, und einer vergleichsweise moderaten Bewertung sehe ich langfristig erhebliches Aufholpotenzial. Für Investoren, die auf Resilienz, technologische Exzellenz und den strukturellen Rüstungstrend in Europa setzen, ist Vincorion ein hochinteressanter Neuzugang“, resümiert Klatt.
Risiken bestehen weiterhin in der Abhängigkeit von staatlichen Verteidigungshaushalten, globalen Lieferketten sowie möglichen geopolitischen Entspannungen. Gleichzeitig sind genau diese Faktoren derzeit zentrale Treiber der Branche, mit entsprechend positiven Effekten für Unternehmen wie Vincorion.