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Montag, 16. März 2026
   
 

Zwischen Krieg und Erholung

Die Lage an den Finanzmärkten

Der Krieg im Nahen Osten dominiert die Schlagzeilen und die Finanzmärkte. Neuen geopolitischen Risiken gegenüber steht allerdings eine wirtschaftliche Stabilisierung. „In den USA und Europa lichtet sich der Konjunkturhimmel, was die Wertpapierkurse stützen dürfte“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Der Krieg bleibt allerdings der große Unsicherheitsfaktor.“

Die weltweiten Finanzmärkte stehen derzeit im Spannungsfeld zwischen einer spürbaren konjunkturellen Stabilisierung und einer Zunahme geopolitischer Risiken. „Besonders der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran hat die Risikowahrnehmung an den Märkten erneut geschärft, ohne jedoch die laufende Erholung in den großen Volkswirtschaften vollständig zu konterkarieren“, erklärt Fischer. Gleichwohl gilt: „Sollte der Iran-Krieg länger anhalten und zentrale Energie-Lieferketten nachhaltig beeinträchtigen, könnte dies spürbare negative Rückwirkungen auf Wachstum, Inflation und damit auch auf die globalen Finanzmärkte entfalten.“

Im Verlauf des ersten Quartals zeigte sich die konjunkturelle Entwicklung in den USA robuster als noch zum Jahresende 2025. Einkaufsmanagerindizes im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor notieren im Expansionsbereich, Neuaufträge und harte Industriedaten deuten auf eine wieder anziehende Nachfrage hin. Hinzu kommen aufgehellte Finanzkonditionen sowie erwartete fiskalische Impulse durch höhere Steuerrückerstattungen im Rahmen der „One Big Beautiful Bill“ im zweiten Quartal. „Diese Kombination aus ausreichender Liquidität, festeren Frühindikatoren und Staatsgeldern stützt die wirtschaftliche Dynamik, auch wenn sich in der zweiten Jahreshälfte das Wachstum wahrscheinlich verlangsamen wird“, so Fischer. Für das zweite Quartal 2026 ergebe sich damit ein neutrales Konjunkturbild mit moderater Stabilisierung. Wie unsicher die Lage jedoch ist, zeigt der Blick auf den GDPNow-Indikator der Atlanta-Fed, ein Echtzeit-Schätzmodell für die US-Wirtschaft: Seit Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar ist die Wachstumserwartung um rund 100 Basispunkte auf zuletzt 2,1 Prozent zurückgegangen.

Klammert man die aktuelle Eskalation aus, hat sich die Lage in Europa bis zum Kriegsausbruch leicht aufgehellt. Positive Wirtschaftsüberraschungen, verbesserte Stimmungsindikatoren und entspanntere Finanzkonditionen deuten darauf hin, dass die bisher primär von staatlichen Ausgabenprogrammen getriebene Stabilisierung in der Realwirtschaft ankommt. „Besonders Deutschland könnte im weiteren Jahresverlauf von Sondervermögen und Investitionsprogrammen profitieren“, erklärt Fischer. Zwar zeigten die aktuellen harten Konjunkturdaten noch keinen ausgeprägten Aufschwung, vieles spreche jedoch dafür, dass im ersten Quartal der zyklische Tiefpunkt erreicht wurde. Mit einer Gesamtinflation von rund 1,9 Prozent liegt der Euroraum derzeit leicht unter dem EZB-Ziel, das geldpolitische Umfeld wirkt damit planbar und weitgehend neutral.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch, wie dynamisch und zugleich fragil die aktuelle Situation ist – und sie legen Europas Verwundbarkeit bei Energieimporten offen. Ein dauerhaft hoher Ölpreis würde nicht nur die europäischen Inflationserwartungen weiter anheben, sondern auch die Wachstumsperspektiven eintrüben. Für die Geldpolitik verschärft sich damit das Spannungsfeld: Zinserhöhungen rücken stärker in den Fokus der Märkte, werden zeitlich früher eingepreist und führen vorerst zu einer zunehmenden Abflachung der Zinskurve, getrieben vor allem durch Bewegungen am kurzen Ende. „Sobald erste Öltanker wieder verlässlich die Straße von Hormus passieren können, dürfte sich der Blick der Märkte rasch wieder auf die grundlegenden fundamentalen Treiber richten. Für Europa überwiegen dann die stabilisierenden Effekte einer weiterhin unterstützenden Fiskalpolitik sowie spürbar verbesserter Finanzierungsbedingungen“, so Fischer.

Was bedeutet das für Anleger und Aktienmärkte? In den USA belasteten kurzfristig die jüngsten geopolitischen Spannungen, höhere Inflationserwartungen und steigende Renditen. „Entspannt sich aber die Lage, sollten makroökonomische Faktoren wieder stärker in den Vordergrund rücken“, ist Fischer überzeugt. Angesichts einer neutralen konjunkturellen Einschätzung bei gleichzeitig hoher Bewertung seien US-Aktien auf Sicht von drei und zwölf Monaten insgesamt neutral einzuordnen – gestützt von soliden Gewinn- und Margenerwartungen für 2026/27, nicht zuletzt durch Effizienzgewinne und Investitionen etwa in den KI-Bereich.

Auch europäische Aktien bleiben kurzfristig von Unsicherheit geprägt. Geopolitische Spannungen, handelspolitische Risiken und nur moderate Wachstumsraten sprechen zunächst für eine eher seitwärts gerichtete Entwicklung. Mittelfristig überwiegt jedoch ein konstruktiveres Bild: Fiskalische Impulse, im internationalen Vergleich moderatere Bewertungen und ein niedriges reales Zinsniveau könnten die Gewinnentwicklung europäischer Unternehmen zunehmend unterstützen. Besonders zyklische Value-Segmente wie Industrie- und Finanzwerte sowie exportorientierte Unternehmen dürften dann von einer graduellen konjunkturellen Erholung profitieren.

Fischers Fazit: „In Summe bewegen sich die Finanzmärkte damit abgesehen vom Krieg in einem Umfeld moderater Stabilisierung, in dem Liquiditäts- und Fiskalimpulse stützen, während geopolitische Risiken und strukturelle Unsicherheiten klare Aufwärtstrends vorerst begrenzen.“

 

Veröffentlicht am: 16.03.2026

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