
An den globalen Anleihemärkten ist in den vergangenen Tagen spürbar Bewegung aufgekommen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind auf die höchsten Niveaus seit September 2025 gestiegen.
Parallel dazu haben japanische Staatsanleihen einen markanten Renditesprung verzeichnet: Zehnjährige JGBs notieren aktuell bei 2,34 bis 2,37 Prozent, ein Niveau, das zuletzt vor 27 Jahren erreicht wurde. Der Renditeanstieg ist dabei nicht das Ergebnis einer abrupten geldpolitischen Wende, sondern Ergebnis eines Zusammenspiels aus globalen Spillover-Effekten, fiskalischen Sorgen und geopolitischen Unsicherheiten.
Der Anstieg hängt nicht primär mit der US-Notenbank FED zusammen – die hat tatsächlich wenig verändert, da sie weiterhin auf Daten wartet und keine großen, geldpolitischen Veränderungen angekündigt hat. Stattdessen verlagert sich der Fokus der Investoren zunehmend auf politische Risiken. Insbesondere die erneute Eskalationsrhetorik aus den USA sorgt für Unruhe: Handels- und geldpolitische Unsicherheiten unter Präsident Trump, inklusive der Drohung mit Importzöllen gegen mehrere europäische Länder, schüren die Angst vor einem Wiederaufflammen des Handelskonflikts, der bereits im Frühjahr 2025 erhebliche Marktverwerfungen ausgelöst hatte.
Zusätzlich kommt ein relevanter Impuls aus Japan. Der deutliche Sell-off am japanischen Anleihemarkt wirkt als globaler Spillover und belastet auch US-Treasuries. Auslöser ist vor allem die angekündigte Haushaltspolitik der neuen Premierministerin Sanae Takaichi. Geplante Steuersenkungen - etwa eine Nullbesteuerung von Lebensmitteln -, die Auflösung des Parlaments sowie vorgezogene Neuwahlen Anfang Februar verstärken die Sorge vor einer beschleunigten Schuldendynamik. Da bislang keine überzeugende Strategie zur Gegenfinanzierung der zusätzlichen Ausgaben erkennbar ist, verlangen Investoren höhere Risikoprämien. Eine schwach verlaufene Auktion 20-jähriger Staatsanleihen unterstreicht diese Nervosität.
Auch auf der Angebotsseite verschärft sich der Druck. Die US-Regierung hat im ersten Quartal bereits rund 601 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden aufgenommen. Gleichzeitig bereiten
Unternehmen eine massive Emissionswelle vor: Bis zu 2,25 Billionen US-Dollar an Investment-Grade-Anleihen stehen im Raum, unter anderem zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen im KI-Bereich. Damit entsteht eine klassische Konkurrenzsituation um frisches Kapital zwischen Staaten und Unternehmen, aber auch zwischen Währungsräumen. Das Resultat ist ein anhaltender Aufwärtsdruck auf die Renditen, der den Anleihemärkten kurzfristig wenig Entlastung bietet und Investoren zu einer Neubewertung von Risiken und Laufzeiten zwingt.