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Mittwoch, 21. Januar 2026
   
 

Krypto nach zwölf Monaten Trump: Weniger Euphorie, aber dafür mehr Ordnung

Ein Marktkommentar von Johanna Belitz, Head of Nordics beim Krypto-Emittenten Valour

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump fällt die Bilanz für den Kryptomarkt auf den ersten Blick ernüchternd aus. Seit dem 20. Januar 2025 hat Bitcoin rund zehn Prozent an Wert verloren und notiert aktuell bei etwa 91.000 US-Dollar. 

Zwischenzeitlich hatte die größte Kryptowährung im Oktober letzten Jahres mit rund 126.000 US-Dollar ein neues Hoch markiert. Das Minus auf Jahressicht ist daher nicht zwingend Ausdruck eines strukturellen Problems, sondern sollte eher als Ergebnis eines volatilen Marktumfelds betrachtet werden, das von makroökonomischem Gegenwind, Gewinnmitnahmen und einer Normalisierung der Erwartungen geprägt ist.

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, die vergangenen zwölf Monate ausschließlich über die Kursentwicklung zu bewerten. Denn jenseits der Preisdynamik hat die Trump-Administration der Krypto-Ökonomie wichtige politische und regulatorische Impulse gegeben, deren Wirkung sich eher mittel- bis langfristig entfalten dürfte.

Spot-ETFs geben weiter den Takt vor

Bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt zeigte Trump eine demonstrativ offene Haltung gegenüber der Branche. In einem White-House-Factsheet wurde er mit den Worten zitiert, er sei „sehr positiv und aufgeschlossen gegenüber Krypto-Unternehmen und allem, was mit dieser neuen und wachsenden Industrie zu tun hat“. Diese Rhetorik markierte einen klaren Bruch mit der zuvor teils konfrontativen Tonlage der US-Regulierungsbehörden.

Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass die eigentliche institutionelle Öffnung des Marktes bereits zuvor eingesetzt hatte. Die Zulassung von Spot-Bitcoin-ETFs, angeführt von BlackRock, begann bereits 2021 und integrierte Krypto schrittweise in den Werkzeugkasten professioneller Investoren. Krypto-ETFs sind Teil eines strukturellen Wandels, der zwar unabhängig vom Weißen Haus stattgefunden hat, durch die neue Administration aber auch nicht ausgebremst wurde.

GENIUS Act: Stablecoins rücken ins Zentrum

Der bedeutendste regulatorische Meilenstein unter Trump war die Verabschiedung des GENIUS Act im Juli 2025, es war das erste umfassende Bundesgesetz zur Regulierung von Kryptowährungen in den USA. Der Fokus liegt auf Stablecoins, also digitalen Währungen mit Dollarbindung. Für den Stablecoin-Sektor, der kontinuierlich wächst und mittlerweile eine Marktkapitalisierung von rund 315 Milliarden US-Dollar umfasst, ist das Gesetz ein entscheidender Schritt. Es schafft erstmals einen klaren bundesweiten Rahmen für Emittenten, inklusive Vorgaben zu Reserven, Prüfungen und finanzieller Integrität. Brisant ist dabei, dass Trump mit USD1 selbst ein eigenes Stablecoin-Projekt auf den Markt gebracht hatte.

Über die USA hinaus wirkt der GENIUS Act als internationaler Referenzpunkt. Weltweit hat er die Dynamik in der Stablecoin-Regulierung von Europa über Großbritannien bis nach Asien beschleunigt. Es zeigt sich, dass Regulierung die Marktstruktur nachhaltig verändert: In Europa hat MiCA zu einer Verschiebung hin zu regulierungskonformen Stablecoins geführt, während der GENIUS Act die Verbreitung ausländischer Stablecoins in den USA begrenzt.

Bitcoin-Reserve: Große Erwartungen, nüchterne Realität

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Trumps Anordnung zur Bildung einer strategischen US-Reserve für digitale Vermögenswerte. Diese soll aus beschlagnahmten Beständen bestehen, darunter Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und Cardano. Die Ankündigung sorgte zunächst für deutliche Kursgewinne bei den genannten Assets, wich jedoch schnell Ernüchterung.

Denn viele Marktteilnehmer hatten gehofft, die USA würden aktiv Bitcoin kaufen, etwa gemäß dem Vorschlag von Senatorin Cynthia Lummis, jährlich 200.000 Bitcoin über mehrere Jahre zu erwerben. Angesichts des begrenzten Angebots von maximal 21 Millionen Bitcoin hätte ein solches Programm die Nachfrage strukturell erhöht und vermutlich einen nachhaltigen Preisschub ausgelöst. Dass die Reserve nun lediglich aus bestehenden Beständen gespeist wird, dämpfte diese Erwartungen spürbar.

Die US-Reserve ist aber nicht das Ende vom Lied. Parallel dazu treiben einzelne US-Bundesstaaten eigene Initiativen voran. Texas hat als erster Staat Bitcoin über einen ETF erworben und damit eine eigene Form einer staatlichen Bitcoin-Reserve etabliert. Weitere Bundesstaaten wie Arizona, Massachusetts oder Ohio prüfen ähnliche Modelle. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Debatte um digitale Reserven längst nicht abgeschlossen ist, sondern sich derzeit zunehmend auf die bundesstaatliche Ebene verlagert.

Nicht alle Vorhaben stoßen auf Zustimmung


Insgesamt hat sich das regulatorische Klima in den USA spürbar gewandelt. Banken sind 2025 mit Verwahrung, Handelsangeboten und Pilotphasen zur Stablecoin-Emission von der Seitenlinie zurück in den Kryptomarkt getreten. Begünstigt wurde das durch klarere Leitlinien zu Geldwäscheprävention als auch einer lockereren Haltung von US-Aufsichtsbehörden und der US-Notenbank Federal Reserve (FED).  Auch die Börsenaufsicht SEC und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben ihren Ton geändert: weniger Durchsetzung per Klage, mehr Dialog und Initiativen wie „Project Crypto“, das die Gesetzeslage für traditionelle Finanzmarktinfrastruktur auf der Blockchain klären soll.

Doch nicht alle Vorhaben stoßen auf Zustimmung. So zogen vor Kurzem mehrere Krypto-Unternehmen überraschenderweise ihre Unterstützung für ein zentrales Marktstrukturgesetz zurück. Die Sorge: Zu starre Vorgaben könnten dezentrale Projekte ausbremsen, DeFi-Strukturen untergraben oder Blockchains faktisch zu genehmigungspflichtigen Systemen machen. Die Balance zwischen Regulierung und Innovationsfreiheit bleibt daher nach wie vor ein ungelöstes Spannungsfeld.

Makro und Liquiditätsflüsse bestimmen weiter die Preisentwicklung

Nach 365 Tagen Trump zeigt sich ein differenziertes Bild. Ein dauerhafter Kursboom, wie ihn manch einer erwartet hat, blieb aus. Dafür gab es aber politische Anerkennung und weitreichende regulatorische Fortschritte, insbesondere im Stablecoin-Bereich. Die Idee einer staatlichen Bitcoin-Reserve hat Erwartungen geweckt, die nicht gänzlich erfüllt werden konnten. Gleichzeitig haben sich die USA dank Trump klar als Gestalter und nicht mehr als Gegner der Krypto-Ökonomie positioniert.

Für Investoren bedeutet das: Der politische Rahmen ist berechenbarer geworden, aber nicht frei von Risiken. Zwar hat Trumps erstes Jahr die Krypto-Ökonomie für Investoren weiter geöffnet, die großen Impulse für die Preisentwicklung werden aber weiterhin durch das Zusammenspiel von Makroökonomie, Liquidität und institutionellen Kapitalflüssen diktiert.

 

Veröffentlicht am: 21.01.2026

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