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Samstag, 3. Januar 2026
   
 

Die Rückkehr der Renditen: Fiskalische Expansion und strukturelle Inflation

... von Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg


Nach dem Renditeanstieg infolge des Wahlsiegs von Donald Trump Ende 2024 gaben die Renditen von US-Staatsanleihen im Jahr 2025 wieder nach. Hauptgründe hierfür waren eine Abschwächung des US-Arbeitsmarkts, sinkende Inflationserwartungen und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen durch die US-Notenbank. 

In Deutschland stiegen die Renditen im Jahr 2025 vor allem aufgrund der Lockerung der Schuldenbremse, zeigten im Jahresverlauf jedoch eine hohe Volatilität. Zusätzlichen Aufwärtsdruck gab es durch politische Risiken in Frankreich sowie durch internationale Anleihemärkte. Wir erwarten für 2026 weiter steigende Renditen. Treiber sind das wachsende Angebot an Staatsanleihen, ein strukturell höherer Inflationsdruck sowie Zentralbanken, die die Zinsen nur noch wenig oder gar nicht weiter senken werden. 
 
Einfluss des US-Arbeitsmarkts und der Zinspolitik auf die Märkte  

Die Renditen von US-Staatsanleihen legten Ende 2024 nach dem Wahlerfolg von  Donald Trump deutlich zu. Entgegen unseren Erwartungen gaben sie im Jahresverlauf 2025 jedoch wieder etwas nach. Dies lag unter anderem an der nachlassenden Dynamik am US-Arbeitsmarkt, wodurch aggressivere Zinssenkungen der US-Notenbank zunehmend wahrscheinlich erschienen. Darüber hinaus haben die von US-Präsident Trump verhängten Zölle die Inflation in den Vereinigten Staaten zunächst nicht so schnell und umfangreich steigen lassen, wie es die Marktteilnehmer zunächst angenommen hatten. Nachdem die Inflationserwartungen bis zum Sommer angestiegen waren, ließen sie in der zweiten Jahreshälfte nach. Auch die anhaltenden Angriffe Trumps auf die Unabhängigkeit der US-Zentralbank haben die Märkte bisher weniger nervös gemacht, als wir das im Vorfeld erwartet hatten. Vertrauensbildend hat in diesem Zusammenhang aber auch gewirkt, dass Fed-Chef Jerome Powell gegenüber dem Druck vonseiten Trumps standhaft geblieben ist. Die großen Kapitalabflüsse aus den USA in Richtung Europa, die im Jahresverlauf heftig diskutiert  wurden, hielten sich im Rückblick stark im Rahmen. Die USA verteidigen in diesen auch geopolitisch angespannten Zeiten ihren Status als sicherer Hafen, selbst wenn die Unruhequelle im Weißen Haus liegt. 
 
Deutschlands steigende Renditen: gelockerte Schuldenbremse als Hauptfaktor  

In Deutschland war der Haupttreiber für die steigenden Renditen im Jahr 2025 hingegen die Lockerung der Schuldenbremse. Zwischen Anfang Dezember 2024 und Mitte März 2025 legten die Renditen deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit um etwa 85 Basispunkte zu, bis Ende April ging es dann aber fast genauso weit wieder nach unten. In der zweiten Jahreshälfte war ein gewisser Aufwärtstrend bei den deutschen Renditen zu beobachten. Die politische Pattsituation in Paris in Verbindung mit der angespannten Haushaltslage sorgte insbesondere bei französischen Renten, aber auch bei europäischen Anleihen im Allgemeinen für einen gewissen Aufwärtsdruck. Zum Jahresende war dann noch einmal ein deutlicher Renditeanstieg bei deutschen Anleihen auszumachen. Dieser wurde insbesondere durch Aussagen der deutschen EZB-Direktorin Isabel Schnabel ausgelöst. Darin suggerierte sie, dass der nächste Zinsschritt der EZB möglicherweise nach oben und nicht nach unten gehen könnte. Hinzu kam, dass die Verkaufswelle bei japanischen Anleihen auch die europäischen Rentenmärkte erreichte. In Japan ließen die geplanten zusätzlichen Fiskalausgaben der neuen Regierung und die Aussicht, dass die japanische Notenbank ihren Zinsanhebungszyklus fortsetzen wird, die Renditen steigen. 
 
Prognose 2026: Anhaltender Aufwärtsdruck auf die Renditen 

Insbesondere aufgrund des weltweit steigenden Angebots an Schuldtiteln rechnen wir für 2026 mit steigenden Renditen. Die USA werden auf absehbare Zeit ihr Haushaltsdefizit nicht abbauen, während in Europa die Verteidigungsausgaben und in Deutschland zusätzlich die Infrastrukturausgaben für steigende Schulden sorgen werden. Auch in Japan ist weiterhin keine Sparpolitik in Sicht. Die Notenbanken in Europa und den USA sind derweil nahezu am Ende ihres Zinssenkungszyklus angekommen. Mittelfristig wird der Inflationsdruck voraussichtlich sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks etwas höher ausfallen als von den Märkten derzeit eingepreist. Zu den strukturellen Gründen für einen höheren Preisdruck gehört vor allem das knapper werdende Angebot an Arbeitskräften. Dies wird das Lohnwachstum und damit den Preisdruck insbesondere im arbeitsintensiven Dienstleistungssektor hochhalten. In den USA verschärft die strikte Einwanderungspolitik dieses Problem zusätzlich, und auch die Zölle wirken inflationstreibend. In der Eurozone ist insbesondere die CO2-Bepreisung ein weiterer struktureller Inflationstreiber. Sie zielt darauf ab, fossile Energieträger zu verteuern, um die Nachfrage zu senken und die Nutzung klimaneutraler Alternativen zu fördern. Auch die sich verändernden Handelsströme, bei denen es zunehmend nicht mehr nur um die günstigsten Preise, sondern auch um Protektionismus, Sicherheit und geopolitische Aspekte geht, werden zu einer strukturell höheren Inflation beitragen. Schließlich müssen viele europäische Länder wegen des Krieges in der Ukraine ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen. Dies bringt die Kapazitäten an ihre Grenzen und erzeugt Preisdruck.  
 
Eine strukturell höhere Inflationsrate bedeutet allerdings nicht, dass die extremen Preissteigerungen vom Anfang dieses Jahrzehnts das neue Normal sein werden. Fest steht jedoch, dass die niedrigen Inflationsraten der Vorpandemiejahre der Vergangenheit angehören. Für die Zentralbanken folgt daraus, dass die Leitzinsen auf einem höheren Niveau verharren werden als in den Zehnerjahren. Auch die Sorge um die Unabhängigkeit der US-Zentralbank könnte insbesondere die Renditen von US-Staatsanleihen im kommenden Jahr weiter ansteigen lassen. Darüber hinaus könnten eine erneute Eskalation im Handelsstreit mit neuen US-Zöllen oder eine noch expansivere US-Fiskalpolitik im Vorfeld der Zwischenwahlen die Rendite von Staatsanleihen aus den Vereinigten Staaten weiter steigen lassen. Für die Eurozone geht die größte Gefahr für die Rentenmärkte hingegen weiterhin von der steigenden Verschuldung und der politischen Pattsituation in Frankreich aus. Wir erwarten bis Ende 2026 einen Anstieg der Renditen für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf 4,6 % und für Bundesanleihen auf 3,0 %.

 

Veröffentlicht am: 03.01.2026

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