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Samstag, 5. April 2025
   
 

DWS Chart der Woche - Wenn Unternehmen aufhören zu investieren

... von Christian Scherrmann, US-Volkswirt der DWS



Bisher haben die Zolldrohungen von Donald Trump vor allem die Stimmung beeinträchtigt, nicht aber die Investitionsentscheidungen. Das könnte sich allerdings ändern und langfristig Schaden anrichten.


Selbst in normalen Zeiten sind Konjunkturprognosen eher eine Kunst als eine Wissenschaft. Ein wichtiger Grund dafür sind die zyklischen Schwankungen von Unternehmensinvestitionen, die sich nur schwer im Voraus abschätzen lassen. Ökonomen stützen sich bei Prognosen in der Regel auf Umfragedaten wie den ISM-Index für Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe. Dieser ist zuletzt stark gesunken und lag unter einem saisonbereinigten Wert von 50, was auf eine bevorstehende Konjunkturabschwächung hindeutet. Der Hauptgrund scheint die unberechenbare Handelspolitik der Trump-Administration zu sein. Bisher scheinen die verschiedenen politischen Ankündigungen vor allem die Stimmung unter US-Unternehmen zu dämpfen. Hoffnungen auf einen Investitionsboom ausländischer Unternehmen, die in Zukunft in den USA produzieren wollen, um die neuen Zölle zu umgehen, haben dagegen bisher keine makroökonomisch messbaren Spuren hinterlassen.

Dennoch wäre es verfrüht, jetzt von einer US-Rezession auszugehen. Wie unser „Chart der Woche“ zeigt, ist der ISM-Index für Auftragseingänge ein wenig verlässlicher Indikator dafür, was die betroffenen Unternehmen in den folgenden sechs Monaten tatsächlich als Auftragseingänge melden. Im Normalfall schwankt die Stimmung von Monat zu Monat deutlich stärker als die tatsächlichen Investitionen, oft ohne verlässliche Trends aufzuzeigen. Dies ist zum Teil auf die relativ kleinen Stichprobengrößen solcher Umfragen zurückzuführen. Aber auch subtilere Faktoren spielen eine Rolle. In Umfragen werden Führungskräfte um eine unverbindliche Meinung ohne weitere unmittelbare Konsequenzen für ihr Unternehmen gebeten. Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn dieselben Personen tatsächlich entscheiden müssen, ein lange geplantes Projekt zu beenden und möglicherweise einen Teil der bereits angefallenen Kosten abzuschreiben.

Investitionszyklen drehen sich typischerweise dann, wenn viele Unternehmen etwa zur gleichen Zeit zu dem Ergebnis kommen, auf Großprojekte zu verzichten. Dies geschieht beispielsweise dann, wenn sie einen Nachfragerückgang, sinkende Aktienkurse oder eine Verschlechterung der Kreditkonditionen beobachten oder befürchten. An zyklischen Wendepunkten führt dies leicht zu einem Teufelskreis, in dem die miese Stimmung leicht zur einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. Wie die Nobelpreisträger George Akerlof und Robert Shiller in ihrem hervorragenden Buch „Animal Spirits“ beschreiben: „Wenn Unternehmen tatsächlich Investitionen beschließen, spielen die psychologischen Faktoren, die den Investitionen zugrunde liegen, eine wichtige Rolle (…). Entscheidungen, die für Investitionen relevant sind, sind eher intuitiv als analytisch. Diese Intuition ist ein sozialer Prozess, der den Gesetzen der (…) Sozialpsychologie folgt.“1) Mit anderen Worten: Wenn die Trump-Regierung verhindern will, dass negative Stimmung auf die realwirtschaftlichen Entscheidungen übergreift, sollte sie etwaige Kehrtwenden bei den Zöllen besser früher als später vollziehen.

1) Shiller, R. and Akerlof, G. (2009) “Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy, and Why It Matters for Global Capitalism,” Princeton University Press, pp. 143-144

 

Veröffentlicht am: 05.04.2025

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