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Freitag, 4. April 2025
   
 

Invest in Visions

Krise versus Fortschritt – Einfluss von Mikrofinanz in Georgien


Georgien, ein Land mit etwa 3,7 Millionen Einwohnern an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien, hat sich in den vergangenen Jahren durch weitreichende Reformen als attraktiver Investitionsstandort etabliert. Eine liberale Arbeitsmarktpolitik sowie unternehmerfreundliche Steuerregelungen haben die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen und nachhaltiges Wirtschaftswachstum verbessert.

Wichtige Wirtschaftszweige sind neben der Landwirtschaft auch die Wasserenergie, Bodenschätze und der Tourismussektor. Trotz der Herausforderungen der Pandemie konnte das Land dank gezielter Maßnahmen in der Fiskal- und Geldpolitik eine schnelle wirtschaftliche Erholung verzeichnen.

Vor diesem Hintergrund war der IIV Mikrofinanzfonds zum 28. Februar 2025 mit 6,28 Prozent, gemessen am Gesamtvolumen des Fonds, in Georgien investiert – und damit die fünftgrößte Position im Portfolio.

Der Impact Investor Invest in Visions beobachtet die jüngsten politischen Entwicklungen im Land mit besonderer Aufmerksamkeit. Diese haben sich in den vergangenen Monaten erheblich zugespitzt. Im Anschluss an die Forderung des Europäischen Parlaments nach Neuwahlen verkündete Georgiens Premierminister Irakli Kobakhidze im November 2024 die Aussetzung der EU-Beitrittsgespräche bis 2028. Dies führte zu landesweiten Protesten. Dabei kam es zu zahlreichen Festnahmen von Oppositionellen und Journalisten.

Auch die erneute Verurteilung des ehemaligen Präsidenten Michail Saakaschwili fördert die politische Anspannung im Land. Im März 2025 wurde er zu weiteren neun Jahren Haft wegen Veruntreuung verurteilt. Dies verstärkt die innenpolitische Polarisierung und sorgt erneut für anhaltende Proteste.

Zusätzlich verschlechtern sich die Beziehungen zu westlichen Staaten.  So haben die USA Sanktionen gegen Bidsina Iwanischwili, den Gründer der Regierungspartei „Georgischer Traum“, verhängt. Diese zielen vor allem auf seine finanziellen Aktivitäten und seinen politischen Einfluss ab – unter anderem:
- Einfrieren von Vermögenswerten: Alle in den USA befindlichen Vermögenswerte oder finanziellen Mittel von Iwanischwili wurden blockiert.

- Geschäftsverbote: US-Unternehmen und -Bürger dürfen keine Geschäfte mit ihm oder seinen verbundenen Unternehmen tätigen.

Auch die EU hat reagiert und die visumfreie Einreise für georgische Diplomaten und Regierungsvertreter ausgesetzt. Zudem haben Estland, Lettland und Litauen gezielt Reisebeschränkungen gegen georgische Offizielle erlassen. Diese Sanktionen könnten die internationale Isolation Georgiens verstärken, die diplomatischen Beziehungen belasten und die Handlungsmöglichkeiten der Regierung einschränken. Weitergedacht könnte dies nicht nur das Vertrauen von Investoren und Handelspartnern beeinträchtigen, sondern auch den Zugang zu internationalen Finanzmärkten erschweren. Infolgedessen könnte die georgische Außenpolitik in eine zunehmend konfrontative Richtung gelenkt werden, was langfristig negative Auswirkungen auf die geopolitische Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes haben könnte.

Makroökonomische Entwicklungen: Wachstum mit Unsicherheiten


Trotz der politischen Instabilität und des externen Drucks zeigt sich die Wirtschaft Georgiens resilient. Laut Weltbank-Prognosen wird das Bruttoinlandsprodukt 2025 voraussichtlich um 4,5 Prozent wachsen, angetrieben durch Investitionen in Infrastruktur und Finanzsektor-Reformen. Die Inflation wird jedoch bei rund 6 Prozent erwartet – bedingt durch volatile Lebensmittel- und Energiepreise.

Der georgische Lari (GEL), die Landeswährung, hat in den letzten Monaten leichte Schwankungen erlebt, bleibt aber stabil gegenüber dem US-Dollar. Die Zentralbank Georgiens hält den Leitzins seit Mai 2024 bei 8,00 Prozent. Dieser Zinssatz ist Teil einer straffen Geldpolitik, die darauf abzielt, Inflationstendenzen entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen unterstreichen das Bestreben der georgischen Zentralbank, die Preisstabilität zu sichern und das Vertrauen in die nationale Währung zu stärken.

Mikrofinanz als Katalysator für wirtschaftliche Inklusion: Die Mikrobank

2023 wurde ein Gesetz zur Einführung der sogenannten Mikrobank als eine neue Art reguliertes Finanzinstitut verabschiedet. Das Gesetz sieht die Errichtung von Mikrobanken und ihre Zulassung durch die Nationalbank Georgiens, die gleichzeitig die Zentralbank des Landes ist, zur Ausübung der gesetzlich vorgegebenen Bankgeschäfte vor. Mikrobanken stellen eine Erweiterung des Mikrofinanzmarkts dar und sind als eigene Gattung zwischen Mikrofinanzorganisationen und Geschäftsbanken angesiedelt.

Im Dezember 2024 hat die Nationalbank Georgiens die erste Mikrobank-Lizenz an JSC Micro Business Capital vergeben, gefolgt von Crystal, einer etablierten Mikrofinanzinstitution, im Februar 2025. Die neue Mikrobank-Regulierung soll den Wettbewerb stärken, den Zugang zu Krediten für kleine Unternehmen erleichtern und die finanzielle Inklusion fördern. Die Begrenzung der Einlagen pro Kunde liegt bei 30.000 GEL, während die maximale Kreditsumme auf 1 Million GEL beschränkt ist.

Gleichzeitig hat die Nationalbank Georgiens ihre zweite Sustainable Finance Roadmap (2025-2028) vorgestellt. Die Strategie konzentriert sich auf die Integration von ESG-Kriterien in Finanzentscheidungen und soll die Transparenz sowie Nachhaltigkeit im Finanzsektor erhöhen. Unterstützt wird die Initiative durch Partner wie die Deutsche Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die International Finance Corporation (IFC).

Mikrofinanz und internationale Vernetzung

Georgien gewinnt in der internationalen Mikrofinanzbranche zunehmend an Bedeutung. Ein Beleg dafür ist die 27. Jahreskonferenz des Microfinance Centre, die im Mai 2025 in Tiflis stattfindet. Unter dem Motto „Shifts, Shocks and Solutions in Microfinance“ werden dort strategische Herausforderungen diskutiert, darunter klimafreundliche Finanzierung, agile Governance und der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Mikrofinanzwesen.

Obwohl sich der Zugang zu Mikrofinanzierungsangeboten in den letzten Jahren verbessert hat, bleibt er für viele Unternehmer eine Herausforderung. Besonders in ländlichen Regionen sind Mikrokredite oft die einzige Finanzierungsquelle für Kleinbetriebe. Frauen haben es dabei schwerer als Männer: Sie erhalten zwar zunehmend Unterstützung durch gezielte Programme internationaler Organisationen, doch strukturelle Hürden wie fehlende Sicherheiten oder traditionelle Rollenbilder erschweren ihnen den Zugang zu Kapital. Die neuen Mikrobanken könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie die Kreditvergabe flexibler gestalten und mehr Unternehmerinnen fördern. Gerade für Selbstständige und Kleinunternehmer bietet Mikrofinanz eine essenzielle Grundlage zur wirtschaftlichen Teilhabe und nachhaltigen Geschäftsentwicklung (Quelle: Nationalbank Georgiens; IFC-Bericht zu Mikrofinanz in Georgien).

Um die lokale Wirtschaft zu fördern, hat es sich das Mikrofinanzinstitut JSC Credo Bank zur Aufgabe gemacht, wirtschaftlich benachteiligten Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Das Mikrofinanzinstitut ist der größte Geldgeber für den georgischen Agrarsektor. Einer der Landwirte ist der Winzer Giorgi Jiquashvili. In den letzten drei Jahren nahm Jiquashvili Kredite in Höhe von 80.000 GEL[8] auf. Damit konnte er Land und neue Maschinen kaufen, um sein Geschäft zu vergrößern und dadurch qualitativ hochwertigere Trauben anzubauen. Jiquashvili besitzt derzeit 15 Hektar Weinberge mit traditionell georgischen Weinreben und rechnet mit einer Ernte von 250 Tonnen pro Jahr. Durch die Unterstützung des Mikrofinanzinstituts konnte er nicht nur seinen eigenen Lebensunterhalt, sondern auch den seiner Familie und seiner Mitarbeiter sichern.

Fazit: Ein Balanceakt zwischen Ost und West

Georgien befindet sich an einem geopolitischen Scheideweg. Während sich die Regierung zunehmend von westlichen Institutionen entfernt, bleibt der Finanzsektor innovationsfreudig und wachstumsorientiert. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die politische Lage auf das Wirtschaftswachstum und die internationalen Beziehungen des Landes auswirkt. Das Portfoliomanagement von Invest in Visions wird weiterhin die wirtschaftliche und politische Lage genau verfolgen und das Engagement in Georgien für die von uns verwalteten Fonds möglichst weiter ausbauen.

 

Veröffentlicht am: 03.04.2025

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