Die vielleicht wichtigste Frage ist, ob ein globaler Handelskrieg diese spätzyklische Wirtschaft in eine globale Rezession stürzen kann. Ob der „Tag der Befreiung“ die Märkte aus ihrem engen Korsett der US-Handelspolitik. befreien wird, bleibt abzuwarten. Investoren und Unternehmen mögen keine Ungewissheit, und die bruchstückhafte, unzuverlässige Art und Weise, in der Zollankündigungen gemacht werden, schafft reichlich davon.
Für heutigen Mittwoch werden zahlreiche Zölle erwartet, wobei alles – vom Umfang über den Zeitpunkt bis hin zu den Unterschieden zwischen den Ländern – noch offen zu sein scheint. Schätzungen über den durchschnittlichen Zollsatz reichen von einigen wenigen Prozentpunkten bei moderaten Szenarien bis zu zweistelligen Werten bei aggressiveren Szenarien. Unklar bleibt auch, inwieweit Zölle eine Verhandlungsstrategie zur Erreichung eines anderen Ziels sind oder den angestrebten Endzustand darstellen. Weniger ungewiss scheint jedoch, dass Zölle ohne große Ausnahme negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, die Verbraucher und die Märkte haben dürften.
Verbrauchersorgen
Die US-Verbraucher haben ihre Bedenken hinsichtlich der Zölle bereits in jüngsten Umfragen geäußert. Laut der Verbraucherstimmungsumfrage der Universität Michigan erwarten die US-Verbraucher im kommenden Jahr eine durchschnittliche Inflation von 5 %. Auch wenn diese Zahl mit Vorsicht zu genießen ist, so geht sie doch mit einem deutlichen Vertrauensverlust der Verbraucher einher, die sich um höhere Preise infolge der Zölle sorgen.
Auch die Unternehmensstimmung hat sich nach einem sprunghaften Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2024 eingetrübt. In den USA besteht die Sorge, dass höhere Preise aufgrund von Zöllen das Realeinkommen und das Konsumwachstum belasten könnten. Außerhalb der USA, wo Warenexporte in der Regel eine größere wirtschaftliche Rolle spielen, stehen hingegen die negativen Auswirkungen auf die Industrie und deren Dominoeffekt auf die Gesamtwirtschaft im Fokus.
Auswirkungen auf den Markt
In jüngster Zeit waren die Unterschiede in der Performance der einzelnen Märkte spürbar. Nach einer guten Performance im Anschluss an die US-Wahlen im November 2024 zählten US-Aktien in diesem Jahr aufgrund der zunehmenden Unsicherheit zu den größten Verlierern. Während europäische und chinesische Aktien von neuen Konjunkturmaßnahmen ihrer jeweiligen Regierungen profitierten, fehlten US-Aktien positive Katalysatoren. Dadurch sind beide jedoch etwas anfällig geworden – insbesondere Europa, wo es eine erhebliche zeitliche Diskrepanz zwischen den negativen Auswirkungen einer unmittelbaren Umsetzung von Handelszöllen und den längerfristigen Effekten höherer Staatsausgaben zu geben scheint.
Zwar ist es immer schwierig einzuschätzen, was die Märkte im Vorfeld eines Ereignisses einpreisen, doch gibt es einige Indikatoren, die Hinweise liefern. Anlegerumfragen zeigen, dass eher moderate Zolleinführungen erwarten werden, auch wenn die Erwartungen inzwischen stärker mit der Rhetorik übereinstimmen als noch im Dezember. Dies deutet darauf hin, dass es noch Spielraum für eine negativere Reaktion gibt, falls die Verlautbarungen mit den Botschaften übereinstimmen. Auch die Bewertungen bleiben im historischen Vergleich hoch, sodass ein Ergebnis mit problematischeren Auswirkungen auf die Erträge immer noch zu weiteren Einbußen führen könnte.
Es gibt jedoch auch Hinweise auf übermäßigen Pessimismus, der zu verstärkten Marktbewegungen führen könnte. Am deutlichsten zeigt sich dies in den Umfrageergebnissen, die darauf hindeuten, dass sich die Stimmung unter US-Privatanlegern und professionellen Investoren erheblich verschlechtert hat. Eine solche pessimistische Marktstimmung geht häufig mit besseren Renditen einher, schließt aber auch weitere Rückgänge nicht aus. Wichtig ist jedoch auch, dass es bei den institutionellen Anlegern weniger Anzeichen für eine Kapitulation gab. Diese könnten dennoch eine Quelle für weitere Verkäufe sein, sollte die Nachrichtenlage weiterhin Anlass zur Sorge geben.
Überlegungen zur Portfoliopositionierung
Die vielleicht wichtigste Frage ist, ob ein globaler Handelskrieg diese spätzyklische Wirtschaft in eine globale Rezession stürzen kann. Obwohl unsere Antwort im Moment noch „nein“ lautet, bleiben US-Aktien relativ teuer und dürften daher empfindlich auf negative Überraschungen reagieren – sei es im Zusammenhang mit dem „Tag der Befreiung“ oder einer der anstehenden wichtigen US-Datenveröffentlichungen (z. B. Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Institute for Supply Management und den Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft).
Zudem ist das Timing an den Märkten bekanntermaßen schwierig – einige der stärksten Markttage treten oft in Zeiten der Unsicherheit auf. Für aktive Anleger, die diese kurzfristige Volatilität verkraften können, könnte die Kombination aus stimulierender Politik in Europa und China sowie der bevorstehenden stimulierenden US-Politik (z. B. Steuern, Deregulierung) mittelfristig ein attraktives Umfeld schaffen. Ein ausgewogenes Portfolio könnte daher der beste Weg sein, um die aktuelle Volatilität zu überstehen.