
Immer mehr Frauen nehmen ihre Finanzen selbst in die Hand und investieren in Aktien, Fonds und ETFs. Doch wie lässt sich ein bereits bestehendes Portfolio darüber hinaus erweitern? Alternative Sachwerte wie Kunst, Luxusuhren oder seltene Sammelkarten werden durch neue Wertpapiermodelle auch mit kleineren Beträgen zugänglich. Was Anlegerinnen über Chancen, Kosten und Risiken wissen sollten.
Frauen investieren zunehmend selbstständig. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts waren 2025 rund 5,4 Millionen Frauen in Deutschland in Aktien, Aktienfonds oder ETFs investiert, etwa eine Million mehr als im Vorjahr. Damit wächst auch die Zahl der Anlegerinnen, die sich aktiv mit verschiedenen Möglichkeiten des langfristigen Vermögensaufbaus beschäftigen. Während breit gestreute ETFs für viele einen wichtigen Ausgangspunkt bilden, können mit zunehmender Anlageerfahrung auch alternative Anlageklassen interessant werden. Dazu zählen sogenannte Collectibles, also Sammlerobjekte wie Kunstwerke, Luxusuhren, Oldtimer oder seltene Pokémon-Karten. Was zunächst nach einem Hobby für wohlhabende Sammler klingt, kann auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Denn bestimmte Sammlerstücke sind nur begrenzt verfügbar und werden international gehandelt. Gleichzeitig unterscheiden sich diese Märkte erheblich vom klassischen Wertpapierhandel.
Warum Sammlerwerte für Anlegerinnen interessant werden
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte sich nicht allein auf mögliche Renditen konzentrieren, sondern auch auf Risikostreuung und die Verfügbarkeit des angelegten Geldes. Alternative Sachwerte können dabei eine zusätzliche Anlageklasse darstellen. Ihr Wert wird unter anderem durch Seltenheit, Zustand, Herkunft und die Nachfrage unter Sammlern bestimmt. Allerdings gilt: Nicht jedes seltene Objekt ist automatisch eine gute Investition. Gerade bei Sammelkarten, Uhren oder Kunstwerken können sich Trends und Käuferpräferenzen erheblich verändern. Anders als bei börsengehandelten Aktien fehlen häufig kontinuierlich verfügbare Marktpreise. Ein Sammlerstück ist letztlich nur so viel wert, wie ein Käufer tatsächlich dafür zu zahlen bereit ist. Für Anlegerinnen, die bereits in ETFs oder andere Wertpapiere investieren, stellt sich deshalb vor allem die Frage, ob sie einen Teil ihres Vermögens langfristig in weniger liquide Anlagen investieren möchten. Für kurzfristige Sparziele oder finanzielle Rücklagen sind solche Investments in der Regel ungeeignet.
Mit 1.000 Euro an sechs Sammlermärkten beteiligen
Bislang war der direkte Kauf hochwertiger Sammlerstücke häufig mit hohen Anschaffungskosten und zusätzlichem Aufwand für Prüfung, Lagerung und Verkauf verbunden. Neue Anlageprodukte ermöglichen es mittlerweile, wirtschaftlich an Sammlerobjekten teilzuhaben, ohne diese selbst erwerben oder verwahren zu müssen.
Ein Beispiel ist Collectible Invst. Das Anlageprodukt ermöglicht ab einer Mindestanlage von 1.000 Euro die Beteiligung an einem Portfolio aus sechs Sammlermärkten: Luxusuhren, Kunst, Spirituosen, Fahrzeuge, Edelsteine und besondere Sammlerstücke wie limitierte Sammelkarten. Technisch erfolgt die Beteiligung über eine depotfähige, nachrangige Gewinnschuldverschreibung mit eigener ISIN (DE000A4AWHP7). Das bedeutet, dass Anlegerinnen kein unmittelbares Eigentum an den Sammlerstücken erwerben, sondern ein Wertpapier halten, dessen mögliche Erträge von den Verkaufserlösen des Portfolios abhängen. Die Auswahl der Objekte erfolgt nach festgelegten Kriterien. Dazu gehören unter anderem Seltenheit, Authentizität, Provenienz, Zustand und Wiederverkaufsmöglichkeiten. Ein sogenannter Asset Review Council aus internen und externen Experten prüft die Investitionen. Feste Obergrenzen für die einzelnen Kategorien sollen verhindern, dass ein bestimmter Sammlermarkt das Portfolio dominiert.
Welche Renditen sind möglich?
Die mögliche Wertsteigerung von Sammlerobjekten hängt stark von der jeweiligen Kategorie, der Nachfrage und dem Verkaufszeitpunkt ab. Ein seltenes Kunstwerk kann über Jahre an Wert gewinnen, während andere Objekte hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleiben. Historische Preisentwicklungen sind deshalb keine verlässliche Grundlage für die Prognose zukünftiger Erträge. Bei Collectible Invst gibt es keine feste Verzinsung oder garantierte Rendite. Anlegerinnen partizipieren an möglichen Gewinnen aus dem Verkauf der Sammlerstücke. Laut Basisinformationsblatt beträgt die jährliche Renditeminderung durch Kosten rund 2,14 Prozent.
Entsprechende Performance-Szenarien nach Kosten sind im Basisinformationsblatt aufgeführt. Hinzu kommt die langfristige Bindung des investierten Kapitals. Die Laufzeit ist bis August 2034 vorgesehen und kann bis 2036 verlängert werden. Erste Teilrückzahlungen sind ab 2028 geplant. Da das Wertpapier nicht börsennotiert ist und derzeit kein vorzeitiger Verkauf möglich ist, können Anlegerinnen nicht flexibel auf ihr investiertes Geld zugreifen.
Warum die Risiken nicht unterschätzt werden sollten
Auch wenn die Streuung über mehrere Sammlermärkte das Risiko einzelner Objekte begrenzen soll, bietet sie keinen vollständigen Schutz vor Verlusten. Sinkt die Nachfrage oder lassen sich Objekte nicht zum erwarteten Preis verkaufen, kann dies die möglichen Gewinne und Rückzahlungen reduzieren. Bei Collectible Invst kommt zusätzlich das Risiko der Wertpapierstruktur hinzu. Die Gewinnschuldverschreibung ist unbesichert und nachrangig. Im Insolvenzfall werden die Ansprüche der Anlegerinnen erst nach denen vorrangiger Gläubiger berücksichtigt. Ein vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das unterscheidet solche Produkte von klassischen Aktien-ETFs, die Anteile an einer Vielzahl börsennotierter Unternehmen abbilden und üblicherweise börsentäglich handelbar sind. Auch wenn beide Anlageformen im Wertpapierdepot liegen können, unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Liquidität, Risikostruktur und der Art der Beteiligung deutlich.
Ergänzung statt Ersatz für die Altersvorsorge
Für Frauen, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, bleibt die persönliche Finanzplanung entscheidend. Ein breit gestreutes Portfolio, ausreichende Rücklagen und die Berücksichtigung des eigenen Anlagehorizonts bilden die Grundlage. Alternative Sachwerte können eine zusätzliche Möglichkeit sein, das Anlageuniversum zu erweitern, sollten aber nicht mit einem sicheren Sparprodukt verwechselt werden. Vor einer Investition lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Vertragsbedingungen, die Kosten und die Möglichkeiten der Rückzahlung. Ebenso wichtig ist die Frage, ob das angelegte Geld über viele Jahre entbehrlich ist und ein möglicher Totalverlust verkraftet werden könnte. Neue Wertpapierstrukturen wie Collectible Invst zeigen, dass der Zugang zu Sammlermärkten nicht mehr zwangsläufig den direkten Kauf eines hochpreisigen Kunstwerks oder einer Luxusuhr voraussetzt. Ob sich daraus eine sinnvolle Ergänzung des persönlichen Portfolios ergibt, hängt jedoch weniger von der Attraktivität der Sammlerstücke als von der individuellen Anlagestrategie ab.
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