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DWS Chart der Woche: Frankreichs Schuldenproblem ist keine Eurokrise

Frankreichs Haushaltsprobleme sind ernst. Doch solidere Leistungsbilanzen und ein besserer Krisenschutz machen eine erneute Eurokrise unwahrscheinlich



Frankreichs Schuldenprobleme beunruhigen die Anleiheinvestoren, aber droht deshalb eine neue Eurokrise? Der am 1. Oktober vorgestellte Haushaltsentwurf sieht für 2027 ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vor. 

Das dürfte jedoch noch nicht ausreichen, um die Staatsfinanzen langfristig auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen, insbesondere da höhere Finanzierungskosten die zusätzlich belasten. Frankreich hat weiterhin Zugang zu den Kapitalmärkten. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob es gelingt, die öffentlichen Finanzen langfristig unter Kontrolle zu bringen, nachdem die Staatsschuldenquote 2027 voraussichtlich auf über 120 Prozent des BIP steigen wird.

Um zu verstehen, warum daraus nicht zwangsläufig eine europaweite Krise entstehen muss, lohnt sich ein Blick über die Staatshaushalte hinaus. Aus unserer Sicht war die Krise, die 2010 in Griechenland begann, im Kern eine Zahlungsbilanzkrise, wobei die Staatsschulden eher Symptom als eigentliche Ursache waren. Die Anfälligkeit reichte über die öffentlichen Finanzen hinaus: Mehrere Volkswirtschaften verfügten nicht über ausreichende inländische Ersparnisse, um ihre Investitionen zu finanzieren. Ihre hohen Leistungsbilanzdefizite spiegelten diese Finanzierungslücke wider und machten sie von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland abhängig. Als diese Finanzierung versiegte, waren fiskalische Konsolidierung sowie ein unterdurchschnittliches Lohn- und Preiswachstum erforderlich, da die Mitglieder der Eurozone ihre Währungen nicht eigenständig abwerten konnten. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen setzten letztlich auch die gemeinsame Währung unter Druck.

Unsere „Chart der Woche“ verdeutlicht einen wichtigen Unterschied zur heutigen Situation. Irland, Spanien, Portugal und Italien verzeichneten 2025 Leistungsbilanzüberschüsse, während sie 2007 noch Defizite aufwiesen. Diese Überschüsse zeigen, dass die inländischen Ersparnisse die Investitionen übersteigen und die Abhängigkeit von ausländischer Finanzierung zurückgegangen ist. Griechenlands Defizit verringerte sich zwar, bleibt jedoch beträchtlich, während Frankreichs Saldo leicht negativ bleibt. Trotz verbleibender Defizite in einigen Ländern stützt der Wandel hin zu Überschüssen in mehreren ehemals defizitären Volkswirtschaften unsere Einschätzung, dass eine Wiederholung der damaligen Krise unwahrscheinlich ist.

Frankreich ist dennoch nicht frei von Risiken. Sein großer inländischer Sparpool macht eine Finanzierungskrise nach unserer Einschätzung zwar unwahrscheinlich, politische Entwicklungen könnten jedoch Herausforderungen mit sich bringen. Gleichzeitig verfügt der Euroraum heute über stärkere institutionelle Schutzmechanismen, und auch die Europäische Zentralbank hat deutlich mehr Instrumente zur Verfügung als während der früheren Krise. „Auch wenn Frankreichs fiskalische Probleme ungelöst bleiben, erwarten wir keine neue Eurokrise“, sagt Johannes Müller, Leiter Research der DWS.

 

Veröffentlicht am: 10.10.2026

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