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Fünf Investmenttrends jenseits des Marktrauschens

... von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM


Die Aktienmärkte in den USA und in Europa stehen derzeit in einem Spannungsfeld: stabile Konjunktur und starke Unternehmensgewinne auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Inflation, die durch den Krieg in Nahost und die steigenden Ölpreise angetrieben wird und die Konsumentenstimmung trüben.

„Das ist die Großwetterlage“
, sagt Fischer. Doch unabhängig davon schälen sich einige strukturelle Investmentgelegenheiten heraus. „Entscheidend ist hier weniger das kurzfristige Marktrauschen“, erklärt Fischer, „als vielmehr die Frage, welche Trends über die nächsten Quartale und Jahre hinweg tragfähig sind.“

1. Infrastruktur und Bau

Die Elektrifizierung und Digitalisierung der Wirtschaft lässt die Anforderungen an Stromnetze und Energieversorgung massiv wachsen. Treiber sind neben dem Klimaschutz der Ausbau von Rechenzentren sowie neue Technologien wie KI, Robotik und Cloud-Infrastruktur. „Daneben will besonders Europa wirtschaftlich und energetisch unabhängiger von Importen werden“, so Fischer. Dies dürfte zusätzliche Investitionen in Netze, Speichertechnologien und Energieinfrastruktur auslösen. „Smart Power“, intelligente Stromnetze, Energieverteilung und -infrastruktur, entwickelt sich damit zu einem zentralen strukturellen Investmentthema. Anfälliger bleibt dagegen die klassische, kapitalintensive Infrastruktur etwa im Straßen- oder Brückenbau. Zwar werden massive staatliche Strukturprogramme aufgelegt. Gegenwind jedoch kommt durch steigende Zinsen, da diese Projekte typischerweise hohe Kredite und lange Kapitalbindungsdauern erfordern.

2. KI mit Fokus auf die Wertschöpfungskette
Bei KI verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen KI-Story hin zu einer differenzierteren Betrachtung der Wertschöpfungskette. Der Markt hinterfragt zunehmend, welche Geschäftsmodelle am Ende tatsächlich von KI profitieren und welche eher unter Druck geraten könnten. Vor diesem Hintergrund gewinnen insbesondere Hard-Asset-nahe Technologien an Bedeutung wie Robotik, Automatisierung, industrielle Digitalisierung und KI-Infrastruktur. „Sie profitieren direkt von den steigenden Investitionen in die Produktivitätstechnologien“, sagt Fischer.

3. Provisionen und Zinsmargen
Der Finanzsektor bekommt derzeit gleich aus mehreren Quellen Rückenwind: Die anhaltend steilen Zinsstrukturkurven diesseits und jenseits des Atlantiks wirken weiter als Ertragstreiber, da sie die Nettozinsmargen der Banken spürbar stützen. Gleichzeitig hat das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen deutlich an Fahrt gewonnen, getragen von einem insgesamt günstigen Finanzierungsumfeld und der Aussicht auf regulatorische Erleichterungen. Das kommt bei den Finanzinstituten als höhere Provisions- und Beratungserträge an. Untermauert wird dieses Bild durch solide Eigenkapitalquoten der Schuldner, die den Banken sowohl Stabilität als auch Spielraum für Ausschüttungen und Aktienrückkäufe verschaffen.

4. Gesundheit
Die Gesellschaften altern und werden damit krankheitsanfälliger. Healthcare bleibt daher ein langfristig attraktives Thema, auch wegen der weltweit zunehmenden Belastung durch Übergewicht und Diabetes. Das begünstigt vor allem Präparate für den Adipositas- und Stoffwechselbereich. „Zusätzlich hilft der Einsatz von KI in der Wirkstoffforschung, wodurch Entwicklungszyklen verkürzt und die Produktivität der Biotech-Pipeline erhöht werden können“, so Fischer. Demgegenüber steht allerdings ein wachsender Wettbewerbsdruck durch Generika- und Biosimilar-Hersteller, der Unternehmen mit auslaufendem Patentschutz belastet, sowie das regulatorische Risiko in den USA.

5. Rohstoffe und Industriemetalle
Das Thema bleibt attraktiv und wird getragen von langfristigen Nachfragetreibern wie Elektrifizierung, Netzausbau, Digitalisierung und globaler Infrastrukturentwicklung. Gleichzeitig zeigen sich in mehreren Metallen Angebotsdefizite und niedrige Lagerbestände, während strategische Lageraufbauten einzelner Staaten zusätzliche Nachfrage erzeugen.

 

Veröffentlicht am: 24.09.2026

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