
Seit geraumer Zeit wird viel über nervöse Märkte geschrieben, doch die Fakten sprechen eine klare Sprache: Der Volatilitätsindex VIX, das sogenannte „Angstbarometer“ für den US-Aktienmarkt, bewegt sich trotz der herausfordernden Gemengelage in einem historisch niedrigen Korridor um die 15-Punkte-Marke. Und auch in Europa weist die Volatilität kein allzu hohes Niveau auf.
Angesichts der Krisen und kriegerischen Konflikte in der Welt, der Disruption durch KI, einer ungewissen US-Zollpolitik und hartnäckiger Inflations- und Zinsängste, mag das erstaunen. Ein genauerer Blick auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten zeigt jedoch, dass es für die geringe Schwankungsintensität an den Märkten durchaus gute Gründe gibt: überzeugende Zahlen aus den Unternehmen, weiterhin stabile Zinsen und zumindest teilweise recht optimistisch stimmende Konjunkturdaten.
Die Rückkehr der Schwankungen ist nur eine Frage der Zeit
Der entscheidende Faktor für die aktuelle Marktstabilität dürfte vor allem die Ertragskraft der Unternehmen sein. Die jüngst abgeschlossene Berichtssaison hat recht eindrucksvoll gezeigt, dass viele Konzerne ihre Margen auch in einem anspruchsvollen Umfeld verteidigen oder sogar ausbauen können. Und solange die Unternehmensgewinne ein solides Wachstum aufweisen und die Ausblicke der Manager zuversichtlich bleiben, verfügen die Aktienmärkte über einen fundamentalen Anker, der kurzfristige Störfeuer und negative Nachrichten offenbar recht gut verkraften kann. Ergänzt wird dieses positive Bild durch einen relativ robusten Arbeitsmarkt in den USA sowie einige besser als erwartet ausgefallene Konjunkturindikatoren, die die Sorge vor einer harten konjunkturellen Landung dämpfen.
Doch Vorsicht: Die aktuellen Risiken zu ignorieren, wäre dennoch fahrlässig. Die geopolitische Lage bleibt fragil, die bevorstehenden US-Zwischenwahlen bergen politisches Konfliktpotenzial, und die Debatte um die Regulierung und das tatsächliche Ertragspotenzial von KI-Anwendungen steht erst am Anfang. Auch Zinserhöhungen der Notenbanken, die den Aktienmarkt belasten könnten, sind noch nicht vom Tisch – weder in den USA noch in Europa. Jeder dieser Faktoren hat wohl das Potenzial, die Kurse an den Märkten zu belasten und die Volatilität wieder ansteigen zu lassen. Für Anleger stellt sich daher nicht die Frage, ob die Schwankungen zurückkehren, sondern wann und wie man sich strategisch klug darauf einstellt.
Wichtig ist zu wissen: Für langfristig orientierte Anleger ist Volatilität kein Feind. Zwei bewährte strategische Ansätze können sogar dabei helfen, Marktschwankungen für den langfristigen Vermögensaufbau zu nutzen.
Antizyklisches Investieren mit Einmalanlagen
Phasen hoher Volatilität gehen in der Regel auch mit fallenden Kursen einher. Anleger, die eine strategische Liquiditätsreserve aufgebaut haben, können genau in diesen Momenten agieren, indem sie qualitativ hochwertige Unternehmensanteile zu einem fundamental günstigen Preis erwerben – getreu der alten Kaufmannsregel, nach der der Gewinn im Einkauf liegt. Ein solcher antizyklischer Einstieg kann den Grundstein für attraktive Renditen legen.
Systematisches Investieren mit Sparplänen
Ein Sparplan bietet eine weitere attraktive Möglichkeit, um langfristig und stressfrei Vermögen aufzubauen. Grund: Durch die regelmäßigen Einzahlungen profitieren Anleger vom sogenannten Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Heißt: Bei fallenden Kursen erwerben Anleger für den gleichen Betrag automatisch mehr Anteile als bei hohen Kursen. Über die Zeit glättet dieser Mechanismus den durchschnittlichen Einstandspreis und reduziert das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunktes. Wer konsequent einen Sparplan verfolgt, muss der kurzfristigen Volatilität also keine übermäßige Beachtung schenken.
Die aktuelle Phase niedriger Volatilität kann ein wertvolles Zeitfenster für strategisch denkende Anleger sein. Wer die Ruhe jetzt nutzt, um das eigene Portfolio zu überprüfen, Qualitätstitel für antizyklische Käufe zu identifizieren und Sparpläne konsequent weiterzuführen, kann den Grundstein für einen nachhaltigen Vermögensaufbau legen. Denn die Frage lautet wohl nicht, ob die Volatilität zurückkehrt, sondern ob man gut vorbereitet ist, wenn sie es tut.