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Krise im Kurs, Stärke im Markt: Weshalb Anleger Gold nicht abschreiben sollten

Aktuelle Markteinschätzung von Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ



Ein historischer Tag am Rohstoffmarkt: Am 29. Januar 2026 erreichte der Goldpreis mit rund 5.595 US-Dollar je Feinunze ein neues Allzeithoch – vor allem beflügelt von hohen Notenbankkäufen, anhaltenden geopolitischen Spannungen und einer tief verwurzelten Skepsis gegenüber dem US-Dollar.

Aber:
Seit diesem Rekord ist viel passiert und der Kurs hat sich recht deutlich von seinem Hoch entfernt. Nachdem eine Unze zwischenzeitlich für unter 4.000 Dollar zu haben war, pendelt der Kurs aktuell um die 4.400-Dollar-Marke.

Doch spannender als der Blick in den Rückspiegel ist für viele Anleger der Blick nach vorne – und die damit einhergehende Frage: Ist der langfristige Aufwärtstrend beendet oder handelt es sich um eine gesunde Konsolidierung? Der Reihe nach.

Was Gold derzeit belastet


Fakt ist: Gold bietet weder eine Dividende noch einen Kupon. Demnach verliert Gold in einem Umfeld steigender oder dauerhaft hoher Zinsen gegenüber verzinslichen Anlagen an Attraktivität. Genau das ist derzeit der Fall: Die Hoffnung auf bereits erwartete Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed ist zuletzt gesunken, im Gegenteil. Angesichts der weiterhin erhöhten Inflation und des ungewissen weiteren Verlaufs des Konflikts im Nahen Osten kann derzeit sogar eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere ein erneuter Anstieg der Energiepreise könnte den Inflationsdruck weiter erhöhen und die Fed zu einem restriktiveren Kurs bewegen.

Hinzu kommt die Entwicklung des US-Dollars. Ein stärkerer Greenback kann Gold für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuern und damit die Nachfrage dämpfen. Entsprechend kann die jüngste Dollarstärke den Goldpreis zusätzlich belasten. Erschwerend kommt hinzu, dass offenbar einige kurzfristig orientierte Investoren nach dem historischen Hoch Gewinne mitgenommen haben.

Die strukturellen Unterstützungsfaktoren

Grund zur Sorge besteht nun aber nicht wirklich, wirken unter der Oberfläche des zuletzt schwächelnden Goldpreises doch weiterhin strukturelle Kräfte, die das Edelmetall langfristig stützen könnten.

Da wäre zunächst die anhaltend hohe Nachfrage der globalen Notenbanken. Laut dem Branchenverband World Gold Council haben die Zentralbanken weltweit auch in den vergangenen Quartalen signifikante Mengen Gold erworben. Vor allem Schwellenländer wie China, Indien, oder Polen bauen ihre Goldreserven aus – unter anderem als Absicherung gegen Währungsrisiken, als Alternative zum US-Dollar und als strategischen Puffer in einem geopolitisch zunehmend fragmentierten Umfeld. Und dieser Trend ist nicht als kurzfristige Spekulation zu verstehen, sondern als Teil einer längerfristigen Diversifikationsstrategie, die den Goldmarkt fundamental unterstützen könnte.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: die Nachfrage nach sicheren Häfen, zumal die geopolitische Lage komplex ist. Der Konflikt im Nahen Osten hat sich im ersten Halbjahr 2026 zugespitzt und für erhebliche Unsicherheit an den Finanzmärkten gesorgt. Trotz immer wiederkehrender Friedenssignale bleibt die Lage fragil. Und in unsicheren Zeiten neigen einige Investoren nun mal dazu, einen Teil ihres Vermögens in bewährte Krisenwährungen zu verlagern – und da gehört Gold zweifelsfrei zu – auch wenn dieser Effekt die Belastungen durch das veränderte Zinsumfeld bislang jedoch nicht vollständig ausgleichen konnte.

Was Anleger jetzt bedenken sollten

Die aktuelle Phase am Goldmarkt lässt sich wohl am ehesten als Konsolidierung nach einem außergewöhnlichen Preisanstieg beschreiben. Dabei zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass Gold solche Phasen der Ernüchterung immer wieder durchlaufen hat – und in der Mehrzahl der Fälle mittelfristig zu neuer Stärke gefunden hat.

Freilich bleiben Risiken aber auch Chancen bestehen. Sollte die Fed tatsächlich zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein, könnte der Druck auf Gold kurzfristig anhalten. Auch eine nachhaltige Entspannung der geopolitischen Lage – etwa durch ein dauerhaftes Friedensabkommen im Nahen Osten – könnte die Safe-Haven-Nachfrage dämpfen. Gleichzeitig könnte eine solche Entwicklung jedoch über sinkende Energiepreise den Inflationsdruck und damit die Inflationserwartungen reduzieren. Dies würde den Druck auf die Notenbanken, die Zinsen weiter anzuheben, verringern und den geldpolitischen Ausblick entsprechend entspannen. Sinkende Realzinsen und eine weniger restriktive Geldpolitik könnten den Goldpreis wiederum unterstützen und den Rückgang der geopolitisch bedingten Safe-Haven-Nachfrage teilweise kompensieren. Allein dieses Szenario zeigt, dass Anleger zudem bedenken sollten, dass die Schwankungsbreite beim Goldpreis weiterhin hoch bleiben könnte.

Dennoch gilt: Wer Gold als langfristigen Baustein in einem diversifizierten Portfolio begreift, sollte sich von kurzfristigen Preisschwankungen nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen. Gold erfüllt im Depot eine besondere Funktion – als Krisenversicherung, als langfristiger Baustein zum Erhalt der Kaufkraft und als Gegengewicht zu anderen Anlageklassen. Diese Funktion verliert das Edelmetall auch bei einem Kurs von 4.000 Dollar nicht. Kurzum: Wer auf ein krisenfestes Portfolio setzt, dürfte gut beraten sein, auf Gold als einen strategischen Baustein zu setzen.

 

Veröffentlicht am: 17.08.2026

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