^

URL: https://www.frauenfinanzseite.de/index.php?id=1,17878,0,0,1,0


Ausblick auf die US-Notenbanksitzung am 29. Juli 2026: Falkenhafte Zinspause in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit

... von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS



Aus Sicht der Konjunktur- und Inflationsdaten gibt es keinen Grund, bei der kommenden Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) eine Änderung der Leitzinsen zu erwarten. 


Zuletzt hat sich die Inflation aufgrund niedrigerer Energiepreise und nachlassender Zolleffekte abgeschwächt. Gleichzeitig sendet der Arbeitsmarkt keine Signale einer lohngetriebenen Inflation. Dennoch liegt die Teuerungsrate weiterhin über dem Zielwert der Fed, und die Voraussetzungen für einen weiteren Disinflationsprozess werden erneut infrage gestellt. Nach einer kurzen Phase der Entspannung dominieren wieder Aufwärtsrisiken bei Energiepreisen und Zöllen die Schlagzeilen.

Im Bereich der Zölle dürfte die Neuaufstellung bestehender Maßnahmen das zentrale Thema sein. Die Regierung muss aufgrund einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs die rechtliche Grundlage bestimmter Zölle anpassen. Dies führt zwar zu Unsicherheit, wir erwarten jedoch nicht, dass die durchschnittlichen Zollsätze frühere Höchststände übertreffen werden. Die disinflationären Kräfte dürften von dieser Seite wohl weiterhin bestehen bleiben. Die Lage beim Ölpreis ist komplexer. Die jüngsten Preissprünge ähneln den Bewegungen während der ersten Eskalationsphase des Krieges. Aus dieser Perspektive haben die Risiken von Zweitrundeneffekten auf die Kerninflation sicherlich nicht abgenommen. Zudem dürften die disinflationären Effekte in den kommenden Inflationsberichten weniger stark ausfallen als noch im vergleichsweise taubenhaften Inflationsbericht für Juni. 

Wir halten weiterhin an unserer Einschätzung fest, dass Zinserhöhungen nicht dazu führen, dass mehr Öl gefördert wird. Stattdessen belasten sie die heimische Realwirtschaft. Ein Effekt, der laut Fed-Chef Kevin Warsh auf dem aktuellen Zinsniveau bereits teilweise sichtbar ist. Ein weiterer Marktfaktor sind potenzielle Inflationsimpulse durch die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz. Aufgrund ihres geringen Gewichts im Verbraucherpreisindex dürften diese Ausgaben jedoch nur einen sehr begrenzten direkten Einfluss auf die Inflation haben. Ein damit verbundenes höheres Wachstum – der indirekte Effekt – wird wahrscheinlich nicht zu einem nennenswerten lohnbedingten Preisdruck führen, da ein verstärkter Einsatz von KI höchstwahrscheinlich nicht zu einer Anspannung auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Kevin Warsh räumte zwar ein, dass Investitionen in KI die Nachfrage kurzfristig erhöhen könnten. Mittelfristig dürften sie jedoch vor allem die Angebotsseite stärken. Dies ist eine klar taubenhafte Position, da die kurzfristige Feinsteuerung der Wirtschaft inzwischen als wenig zeitgemäß gilt.

Angesichts der niedrigeren Inflation und der ausgeglichenen Arbeitsmärkte gibt es für eine Zinserhöhung bei dieser Sitzung weniger überzeugende Argumente als beim vorherigen Treffen. Gleichzeitig haben spekulative Argumente über externe Faktoren zugenommen. Entscheidungen, die auf Vermutungen basieren, dürften kaum mit Kevin Warshs Vorstellung einer stärker rationalen und analytischen „neuen” Fed vereinbar sein. Allerdings hat er bislang nicht erläutert, wie externe Faktoren wie Zölle und Energiepreise in die neue Reaktionsfunktion der Notenbank einfließen. Möglicherweise liefert die Juli-Sitzung hierzu mehr technische Einblicke. Seine Kollegen haben sich zuletzt deutlicher geäußert und die Hürde für eine unveränderte Zinspolitik de facto an eine weiter sinkende Inflation geknüpft. Damit wirken sie auch weniger bereit, bereits in diesem Monat aktiv zu werden.

Insgesamt erwarten wir, dass die Fed bei der kommenden Sitzung den Fokus weiterhin auf die Inflationsüberwachung legt – ganz im Sinne von Warshs „Inflation Watch“ – und keine unmittelbaren Maßnahmen ergreift. Gleichzeitig könnten erste Gegenstimmen innerhalb des FOMC sichtbar werden. Dies würde auf eine Verschiebung von einer bloßen Diskussion hin zu einer stärkeren Forderung nach höheren Zinsen hindeuten. Die „neue“ Fed unter Kevin Warsh bleibt auf Basis der bislang vorliegenden Informationen jedoch schwer einschätzbar, weshalb unser Szenario einer erneuten Zinspause mit einem gewissen Prognoserisiko behaftet ist.

 

Veröffentlicht am: 24.07.2026

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:

▪ Fit im Alter durch die richtige Ernährung

▪ Ausblick auf die US-Notenbanksitzung am 29. Juli 2026: Falkenhafte Zinspause in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit

▪ EZB-Leitzinsen bleiben unverändert im Juli – Zinserhöhung im September erwartet

▪ Freuen Sie sich auf außergewöhnliche Begegnungen!

▪ Unternehmensinsolvenzen auf höchstem Stand seit 2018

▪ JULIA LÜBBECKE „ZÄRTLICHKEIT, ZINS & ZUSAMMENBRUCH. ÜBER DEN KÖRPER ALS ERSCHÖPFTE RESSOURCE“

▪ PMS oder PMDS: Beschwerden erkennen und gezielt handeln

▪ „Bennifer“ aus Münster

▪ MARIA VMIER. I FOLLOW THE WIND THROUGH THE STONE

▪ Gehebelte ETFs treiben Südkoreas Halbleiterwerte in die Volatilität


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2026 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.