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Ausblick auf die US-Notenbanksitzung im Juni: Die Warsh Fed startet falkenhaft

DWS Standpunkt von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA



Bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) ist mit einer falkenhaften Haltung der US-Notenbank zu rechnen. Die jüngsten Daten haben deutlich gemacht, dass die Tendenz hin zu einer lockereren Geldpolitik nicht mehr gerechtfertigt ist. 


Einige Zentralbanker hatten dies bereits bei der letzten Sitzung gefordert und wurden in ihrer Meinung nun bestätigt. Die Inflation ist zu hoch und der Arbeitsmarkt scheint auf allen Zylindern zu laufen. Dies führt jedoch nicht zwangsläufig zu erhöhtem Lohndruck. Die Neueinstellungen konzentrieren sich nach wie vor auf wenige Sektoren, was die Erwerbsquote in den letzten Monaten gesenkt hat. Selbst wenn die Neueinstellungen weiter zunehmen und sich breiter verteilen würden, stünden genügend Kapazitätsreserven zur Verfügung, um das Lohnwachstum begrenzt zu halten. Daher sollte der Fokus aktuell auf andere Faktoren verlagert werden, die die geldpolitisch relevante Kerninflation beeinflussen können. 

Es scheint, als habe der durch Zölle verursachte Preisdruck seinen Höhepunkt erreicht. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die Zölle nicht zu einem Anstieg der Inflation geführt haben, sondern einen bestehenden Disinflationsprozess im letzten Jahr aufgehalten haben. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Lage in den kommenden Monaten entspannt. Unterdessen haben die hohen Energiepreise noch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Kerninflation gehabt. Sollten sich die Ölpreise stabilisieren oder sinken, dürften die Zweitrundeneffekte begrenzt bleiben. Das „Beige Book“ der Fed deutet darauf hin, dass Unternehmen zögern, die Preise anzuheben, um die Nachfrage nicht zu beeinträchtigen. Stattdessen verfolgen sie andere Strategien zur Kostenabsorption.

Die Inflationserwartungen bleiben daher das bestimmende Thema. Ein kurzer Blick auf verschiedene Sektoren legt nahe, dass die langfristigen Inflationserwartungen zwar nach wie vor verankert sind, dies jedoch mit geringerer Sicherheit als noch vor einigen Monaten. Verbraucher mit generell höheren Inflationserwartungen zeigen sich angesichts der Situation zunehmend beunruhigt. Im verarbeitenden Gewerbe deuten Umfragen darauf hin, dass die Produzenten aufgrund steigender Preise ihre Aktivitäten bereits vorziehen könnten. Im Dienstleistungssektor ist dies nicht erkennbar; dort bleiben die Inputpreise jedoch erhöht. 

Die Märkte hingegen scheinen entspannter zu sein, wie die Fünfjahres-Inflationsswaps zeigen. Dies dürfte auf der Überzeugung beruhen, dass die US-Notenbank bei Bedarf entscheidend eingreifen wird. In dieser Hinsicht halten wir eine Neukalibrierung der Reaktionsfunktion derzeit für ausreichend. Eine Anhebung der Zinssätze würde weder das Ölangebot erhöhen noch geopolitische Probleme lösen. Darüber hinaus birgt eine zu frühe Zinserhöhung das Risiko eines geldpolitischen Fehlers und könnte in der aktuellen Situation mehr Schaden als Nutzen anrichten. Daher ist eine verbale Intervention derzeit wahrscheinlich die beste Option. Dies führt jedoch zu einer weiteren Ebene der Unsicherheit. Wie wird sich der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh positionieren und wie sind seine Äußerungen zu interpretieren? Dies ist für Märkte und Analysten gleichermaßen noch ein Lernprozess. Unter Berücksichtigung all dieser Unsicherheiten halten wir an unserer Einschätzung fest, dass die Fed für den Rest des Jahres nicht an der Zinsschraube drehen wird. Wir betonen jedoch, dass viele Faktoren diese Einschätzung in den kommenden Monaten beeinflussen könnten.

 

Veröffentlicht am: 13.06.2026

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