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Mercedes kündigt größte Produktoffensive der Firmengeschichte an

Marktkommentar von Sandeep Rao, Senior Analyst bei Leverage Shares und Income Shares


Vor 140 Jahren wurde das Automobil erfunden. Für Mercedes-Benz war dies auf der Hauptversammlung 2026 nicht nur ein historischer Meilenstein, sondern auch ein Startschuss: Der Stuttgarter Konzern kündigte die größte Produktoffensive der Unternehmensgeschichte an – mehr als 40 neue Modelle sollen bis 2027 auf den Markt kommen.

Diese Offensive ist auch notwendig, denn aktuell strahlt die Marke mit dem Stern nicht sonderlich hell: Der Absatz lag bei 2,2 Millionen Pkw und Transportern (zehn Prozent unter dem Vorjahr). Das EBIT sank gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Der Umsatz ging um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro zurück, das bereinigte EBIT fiel von 13,7 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie sank von 10,19 Euro auf 5,34 Euro und der freie Cashflow des Industriegeschäfts verminderte sich um 41 Prozent von 9,2 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro. Lichtblick: Die Nettoliquidität im Industriegeschäft stieg leicht auf 32,2 Milliarden Euro.

Trotz dieser Widrigkeiten strebt Mercedes an, jährlich rund zwei Millionen Fahrzeuge zu verkaufen, ein Wachstum von mehr als 15 Prozent im Top-End-Segment (AMG, Maybach, G-Klasse und S-Klasse) zu erzielen, den Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden (EV/PHEV) auf etwa 40 Prozent zu verdoppeln und bis 2028 eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent bei Mercedes-Benz Cars zu erreichen. Entscheidend ist, dass CEO Ola Källenius anmerkte, dass diese Ziele bereits eine „dauerhaft hohe Zollbelastung“ beinhalten. Dies signalisiert, dass das Management Zölle nicht mehr als vorübergehend betrachtet, sondern fest in die Basisplanung integriert hat. Die strategische Antwort des Konzerns ist das Reshoring, beispielhaft verdeutlicht durch eine umfassendere Produktionsstrategie namens „Local-for-Local“.

„Local-for-Local“ in den USA und in China


Die Daten des ersten Quartals 2026 unterstreichen das Ausmaß des Problems: Mercedes verzeichnete in China einen Absatzeinbruch von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wodurch die Auslieferungen in China auf etwa 111.600 Einheiten sanken – den niedrigsten Stand seit fast einem Jahrzehnt. Die USA legten um 20 Prozent und Europa um sieben Prozent zu.

Mercedes importiert jährlich rund 193.000 Fahrzeuge aus der EU in die USA, was fast 60 Prozent des gesamten US-Absatzes ausmacht. Künftig wird der GLC (das meistverkaufte US-Importmodell von Mercedes) im Werk in Tuscaloosa, Alabama, produziert. Da der GLC 2024 rund 20 Prozent des gesamten US-Absatzes ausmachte, eliminiert die Lokalisierung der Produktion die Importzölle, was bei den prognostizierten Volumina zu geschätzten jährlichen Einsparungen von 500 bis 750 Millionen US-Dollar führt. Mercedes bestätigte außerdem das Ende der Montage im Joint-Venture-Werk mit Nissan in Aguascalientes (Mexiko) und passt die Gesamtproduktionskapazität bis 2028 auf etwa 2,2 Millionen Einheiten an.

In China bezeichneten Führungskräfte das Jahr 2026 explizit als „Wiederaufbauphase“ für die Marke. Mercedes richtet Produkte, Produktion, Lieferketten und Forschung & Entwicklung enger an der lokalen chinesischen Nachfrage aus. Ein GLE mit langem Radstand wird in China gefertigt und soll bis Mitte 2026 lokalisiert sein, während Innovationen chinesischer Partner global exportiert werden. Anstatt also ein „De-Risking“ zu betreiben, indem Produktions- und Marktpotenziale in anderen Regionen erschlossen werden, ist davon auszugehen, dass der Konzern seine Präsenz vor Ort weiter verstärkt. Europa bleibt unterdessen beim Status quo: Die Produktion in Deutschland wird bei 900.000 Einheiten liegen, in Ungarn bei bis zu 400.000.

Wette auf das autonome Fahren via China


Der elektrische CLA wurde in Europa zum „Auto des Jahres“ gewählt und erzielte im Test von auto motor und sport das bisher beste Ergebnis. CEO Källenius bestätigte, dass es ein neues Einstiegsmodell unterhalb des CLA geben wird, begründet durch die „hohe Nachfrage von Kunden und Händlern, insbesondere in Europa“.

Die Investitionen in Technologien bleiben offensiv – allein im Jahr 2026 weit über zehn Milliarden Euro. Das hauseigene Betriebssystem MB.OS des CLA wird zudem auf alle neuen Modelle ausgeweitet. Die Axialflussmotoren und die direktgekühlte Batterie des AMG GT XX gehen 2026 in Serie; Führungskräfte bezeichnen das Fahrzeug als „technologisches Meisterwerk“.

Die Konzernlösung für autonomes Fahren auf Level 2+, MB.DRIVE ASSIST PRO, die Ende 2025 in China eingeführt wurde, soll nun in den USA ausgerollt werden und 2027 in Europa starten. Neben der starken Einbindung chinesischer Partner kooperiert Mercedes auch mit NVIDIA und Momenta für vollautomatisiertes Fahren in der neuen S-Klasse. Zudem planen Uber und Lumo, noch in diesem Jahr einen fahrerlosen „Robolimousinen“-Premium-Shuttleservice mit S-Klasse-Testfahrzeugen anzubieten.

Mercedes kämpft mit strukturellen Herausforderungen

Mercedes-Benz kämpft mit drei strukturellen Herausforderungen parallel: einem Einbruch in China, einem dauerhaft erhöhten Zollumfeld in den USA und einer kapitalintensiven Technologie- und Produkterneuerung. Dass das Management keines dieser Probleme mehr als temporär behandelt, ist das ehrlichste Signal dieser Hauptversammlung. Die Anhebung des „Local-for-Local“-Produktionsziels von 60 auf 70 Prozent bis 2027 ist ein konkretes Bekenntnis zum strukturellen Wandel. Die Führung setzt auf eine Neuerfindung durch Lokalisierung, Kostenparität und technologische Co-Entwicklung mit chinesischen Partnern. Der Modellzyklus-Übergang 2026 – ein neuer GLE, ein neuer S-Klasse Maybach und eine neue Kompaktwagenfamilie – ist der wichtigste kurzfristige Test dafür, ob diese These aufgeht.

Für interessierte Investoren ist jedoch die Kapitalrückführung der glaubwürdigste Teil der Wachstumsstory. Der Konzern verfügt über 32,2 Milliarden Euro Nettoliquidität und hat seit 2019 eine Gesamtrendite für Aktionäre von mehr als 130 Prozent geliefert. Auf der Versammlung schlug der Konzern eine Dividende von 3,50 Euro pro Aktie für 2025 vor (gegenüber 4,30 Euro für 2024). Darüber hinaus wird für 2026/2027 ein weiterer Rückkauf von ein bis zwei Milliarden Euro angestrebt, zusätzlich zu dem im November 2025 gestarteten Zwei-Milliarden-Euro-Aktienrückkaufprogramm. Der Konzern prognostiziert für 2026 eine Ausschüttung an die Aktionäre von rund sechs Milliarden Euro und eine Rendite von etwa zehn Prozent. Umwelt- und Aktionärsschutzgruppen kritisierten, dass die vorgeschlagene Dividende angesichts sinkender Absatzzahlen und des laufenden Sparprogramms zu hoch sei und forderten stattdessen, das Kapital in die Transformation zu investieren.

Analysten sind sich weitgehend einig, dass vier Risiken die Aktie belasten: die schwächere Nachfrage in China, das Zollrisiko sowie die hohen Investitionen in Elektrifizierung und Software, die den kurzfristigen freien Cashflow drücken könnten. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von neun und einem Kurs-Buch-Wert-Verhältnis (KBV) von fast 0,6 preist die Aktie eine Erholung derzeit nicht offensichtlich ein.

Während die Ergebnisse des ersten Quartals 2026 der erste echte Test dafür sein werden, ob der Aufschwung in den USA und Europa die Schwäche in China nachhaltig ausgleichen kann und ob das Sparprogramm positive Effekte zeigt, trägt die strategische Antwort von Mercedes-Benz – so logisch sie auch sein mag – wenig dazu bei, die schrumpfenden Reihen der deutschen Automobilbelegschaft zu stärken oder das aktuelle Gleichgewicht zwischen Optimisten und Skeptikern substanziell zu verschieben.

Erfahrene Anleger, die bullische Phasen des Aktienkurses taktisch nutzen möchten, könnten dafür den +3x Long Mercedes Benz ETP von Leverage Shares in Betracht ziehen.

 

Veröffentlicht am: 17.04.2026

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