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Die Inflationsgefahr ist wieder da – aber die Treiber sind andere als 2022

... von Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management



Während die globalen Märkte unter Druck stehen, weil die Konflikte zwischen den USA, Israel und Iran weitergehen, sehen sich Investoren erneut mit der Aussicht einen Inflationsanstieg konfrontiert.

Der Anstieg der Anleiherenditen spiegelt Erwartungen von Zinserhöhungen wider, nicht von Senkungen, da die Zentralbanken auf neue Inflationsdruck reagieren. Dennoch bleibt die Erinnerung an die Inflationswelle von 2022 lebendig, aber die aktuelle Situation ist wirtschaftlich und monetär deutlich anders.

Inflation nach der Corona-Pandemie

Die Inflationswelle 2022–2023 war primär nachfragegetrieben. Während der Lockdowns hatten die Haushalte erhebliche Ersparnisse aufgebaut, der aufgestaute Konsumdrang brach sich Bahn und wurde durch fiskalische Maßnahmen weiter angeheizt – besonders in den USA, wo Haushalte Direktzahlungen erhielten. Zinssätze nahe null ließen die Preise für Vermögenswerte steigen und der angespannte Arbeitsmarkt sorgte für reales Lohnwachstum und einen ausgeprägten Wohlstandseffekt. Die Folge war ein Ausgabenboom.

Angebotsseitige Faktoren verschärften das Problem. Die globalen Lieferketten litten nach der Pandemie unter anhaltenden Engpässen. Der russische Angriffskrieg löste einen Energieschock aus und trieb die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe in die Höhe. Die lange andauernde Null-Covid-Politik Chinas sorgte für zusätzliche Störungen in Industrie und Produktion. Gleichzeitig reagierten die Zentralbanken zu spät und hielten die Zinsen niedrig was die Inflation festigte.

Unterschiede zu 2022

Im Jahr 2026 hat sich die Lage geändert. Die treibenden Kräfte der Nachfrageinflation sind weitgehend abgeklungen. Die aktuellen Inflationsängste sind fast ausschließlich auf Angebotsfaktoren zurückzuführen, insbesondere auf die Schließung der Straße von Hormus. Die gestiegenen Energiepreise haben Auswirkungen auf Transport-, Produktions- und Lebensmittelkosten. 

Im Gegensatz zu 2022 stehen die Verbraucher diesmal vor schwächeren Wachstumsaussichten. Vor allem in den USA hat der Arbeitsmarkt an Dynamik verloren und die fiskalischen Spielräume sind kleiner geworden. Die Geldpolitik ist jetzt im Euroraum und in den USA neutral und bleibt im Vereinigten Königreich restriktiv. Neben den Inflationsrisiken nehmen auch die Wachstums- und Stagflationsrisiken zu.

Marktvolatilität und das „Taco“-Trade-Phänomen


Die Marktvolatilität ist hoch, befeuert durch Unsicherheit über die Dauer der Schließung der Straße von Hormus. Investoren reagieren auf jede neue Nachricht, was zu starken Schwankungen bei Rohstoffpreisen und Staatsanleihen führt. Bei früheren Episoden geopolitischer Volatilität unter der Trump-Regierung kam es immer zu einer starken Erholung risikobehafteter Vermögenswerte – ein Muster, das als „Taco“-Trade (Trump always chickens out) bezeichnet wird. Das aktuelle Szenario ist jedoch komplexer. Einen Krieg zu beenden ist nicht so einfach wie Zölle zurückzunehmen. Je länger der Konflikt dauert, desto größer ist das Risiko nachhaltiger Schäden: verzögerte Energieinvestitionen, gestörte Schifffahrt, steigende Versicherungskosten, sinkendes Unternehmensvertrauen und verschobene Expansionspläne.

Falls die erwarteten Zinserhöhungen Realität werden, könnten strengere Finanzbedingungen das Wachstum weiter bremsen und die Konsumaktivität dämpfen – ein deutlicher Gegensatz zur nachfragegetriebenen Inflation von 2022.

Folgen für die Anlage: Navigieren zwischen asymmetrischen Szenarien

Für Anleiheinvestoren ist die aktuelle Lage besonders schwierig. Die Renditekurven spiegeln mittlerweile die Erwartungen von Zinserhöhungen wider, nicht von Senkungen. Die Zentralbanken verfolgen eine offensivere Haltung. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England möchten Fehler aus der Vergangenheit vermeiden und sind entschlossen, Inflationsrisiken entschlossen zu adressieren. Zwar hat die Eindämmung des Lohndrucks Priorität, aber der schwache Arbeitsmarkt könnte eine Lohnspirale wie 2022–2023 verhindern.

Während Kreditinvestoren direkte Engagements in betroffenen Sektoren vermeiden, lassen sich indirekte Risiken nur schwer ganz eliminieren. Bisher haben sich die Kreditspreads als robust erwiesen und Neuemissionen von Anleihen profitierten an Tagen mit wieder aufkommendem Optimismus von einer starken Nachfrage – ein Zeichen dafür, dass die Investoren weiterhin vorsichtig bleiben und über Liquiditätsreserven verfügen, die bei Bedarf eingesetzt werden können. Grundsätzlich ist jedoch in den kommenden Monaten Vorsicht geboten. Risiken sollten eher reduziert, statt erhöht werden.

 

Veröffentlicht am: 02.04.2026

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