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Netflix schlägt die Erwartungen – aber nicht die Zweifel

Marktkommentar von Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares


Netflix ist mit hohen Erwartungen in die Berichtssaison gestartet – und hat diese auf operativer Ebene erfüllt. Der Streaming-Riese übertraf im vierten Quartal die Umsatzerwartungen, legte beim Gewinn leicht über Konsens zu, meldete ein Rekordwachstum bei den Abonnenten und verzeichnete eine deutliche Beschleunigung im Werbegeschäft. Dennoch fiel die Marktreaktion klar negativ aus: Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel mehr als vier Prozent.

Diese Diskrepanz zwischen soliden Zahlen und schwacher Kursreaktion markiert einen Wandel in den Prioritäten der Investoren. Für ein Unternehmen von der Größe und Marktdominanz wie Netflix sind marginale Ergebnisüberraschungen zunehmend zweitrangig. Stattdessen rücken strategische Fragen in den Vordergrund: Kapitalallokation, Bilanzrisiken und vor allem die langfristigen Konsequenzen einer möglichen Übernahme von Warner Bros. Discovery dominieren derzeit die Bewertung.

Starkes Quartal, aber kaum Fehlertoleranz

Netflix erzielte im vierten Quartal einen Umsatz von 12,05 Mrd. US-Dollar und lag damit leicht über den erwarteten 11,97 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie belief sich auf 0,56 US-Dollar und übertraf damit knapp die Konsensschätzung von 0,55 US-Dollar. Der Nettogewinn stieg deutlich auf 2,42 Mrd. US-Dollar, nach 1,87 Mrd. US-Dollar im Vorjahresquartal. Auf Gesamtjahressicht erreichte der Umsatz 45,2 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 16 Prozent und ebenfalls leicht über den Markterwartungen. Für 2026 stellte das Management einen Umsatzkorridor von 50,7 bis 51,7 Mrd. US-Dollar in Aussicht, was einem Wachstum von rund zwölf bis 14 Prozent entspricht. Diese Prognose stützt sich auf weiteres Abonnentenwachstum, selektive Preiserhöhungen sowie die rasche Expansion des Werbegeschäfts. Zudem gab Netflix bekannt, dass die Zahl der zahlenden Mitgliedschaften weltweit mittlerweile über 325 Millionen liegt – ein weiterer Beleg für die dominante Stellung als weltweit größte Abo-Streamingplattform.

Gemessen an klassischen Kennzahlen war das Quartal ein Erfolg. Doch die Messlatte für Netflix liegt inzwischen höher.

Werbung wird zum tragenden Wachstumspfeiler

Besonders ins Auge fiel die Dynamik im Werbegeschäft. Netflix meldete, dass sich die Werbeerlöse im Jahr 2025 mit über 1,5 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppelt haben. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einer erneuten Verdopplung auf nahezu 3 Mrd. US-Dollar. Was ursprünglich als defensive Antwort auf ein nachlassendes Abonnentenwachstum begann, hat sich inzwischen zu einer substanziellen Erlössäule entwickelt. Das werbefinanzierte Abo-Modell gewinnt weiter Nutzer, während neue Werbeformate – darunter interaktive und stärker zielgerichtete Anzeigen – die Monetarisierung verbessern. In einem reifen Streamingmarkt, in dem Preiserhöhungen zunehmend das Risiko steigender Kündigungsquoten bergen, bietet Werbung einen skalierbaren Wachstumshebel, der weniger stark von der Neukundengewinnung abhängt.

Solide Nutzung, steigende Kosten

Die Nutzerbindung blieb in der zweiten Jahreshälfte stabil. Die Sehzeit von Netflix-eigenen Originalinhalten stieg um neun Prozent. Serienfinals großer Eigenproduktionen, prominent beworbene Filmstarts sowie Live-Formate wie die NFL-Spiele am ersten Weihnachtstag sorgten für eine hohe Auslastung.

Gleichzeitig zeigten sich jedoch erste Gegenbewegungen. Die Nutzung lizenzierter Inhalte außerhalb der Netflix-Marken ging zurück, nachdem das Unternehmen von einem außergewöhnlich starken Lizenzierungsumfeld im Zuge der Hollywood-Streiks 2023–2024 profitiert hatte.

Die Antwort des Managements ist eindeutig: höhere Investitionen in Inhalte. Strategisch ist dieser Schritt nachvollziehbar, doch er verunsichert die Märkte. In den vergangenen Jahren hatte Netflix von einer disziplinierten Ausgabenpolitik profitiert, die zu einer spürbaren Margenausweitung führte. Die Aussicht auf steigende Kosten – und das in einer Phase wachsender strategischer Unsicherheit – hat die Risikobereitschaft der Investoren gedämpft.

Warner-Bros.-Deal rückt in den Mittelpunkt der Bewertung


Trotz operativer Stärke bleibt die Aktie zunehmend von der Unsicherheit rund um die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery im Volumen von 82,7 Mrd. US-Dollar belastet. Seit ersten Berichten über den möglichen Deal im Oktober ist die Netflix-Aktie um mehr als 30 Prozent gefallen und hat damit sämtliche Gewinne aus dem Jahr 2025 wieder abgegeben. Der Kursrückgang reflektiert weniger Zweifel am Kerngeschäft als vielmehr Sorgen über Transaktionsrisiken, Bewertungsdisziplin und eine mögliche Abkehr von Netflix’ traditionell zurückhaltender Akquisitionsstrategie. Diese Skepsis hat sich zuletzt verstärkt, nachdem Berichte aufkamen, Netflix könne ein reines Barangebot prüfen, um einem konkurrierenden Bieter zuvorzukommen. Ein solcher Schritt könnte zwar den Abschluss beschleunigen, würde jedoch die Bilanz spürbar belasten.

Die zentrale Sorge liegt dabei nicht in der Größe – Netflix verfügt bereits über globale Skalierung – sondern in der Frage, ob das Management bereit ist, für Assets in einer Branche mit einer langen Geschichte wertvernichtender Mega-Übernahmen eine hohe Prämie zu zahlen.

Vorsichtiger Ausblick überzeugt nicht

Auch der kurzfristige Ausblick trug kaum zur Beruhigung bei. Für das erste Quartal stellte Netflix einen Umsatz von 12,16 Mrd. US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 0,76 US-Dollar in Aussicht. Das entspricht zwar einem soliden Wachstum, blieb jedoch hinter den optimistischeren Erwartungen zurück, die im Aktienkurs eingepreist waren. Langfristige Zielgrößen formulierte das Management bewusst zurückhaltend und betonte Flexibilität statt klarer Verpflichtungen. In der aktuellen Marktphase sind Investoren jedoch zunehmend weniger bereit, Vorschussvertrauen zu gewähren.

Marktführer unter verschärfter Beobachtung

Operativ bleibt Netflix der mit Abstand stärkste Akteur im globalen Streamingmarkt. Die Abwanderungsquote ist eine der niedrigsten der Branche, der Anteil an der gesamten Fernsehnutzung wächst weiter und unter Einbeziehung in einem Haushalt gemeinsam genutzter Accounts nähert sich die globale Zuschauerschaft der Marke von einer Milliarde Menschen.

Doch Dominanz bringt erhöhte Aufmerksamkeit mit sich. Das Wachstum verlangsamt sich naturgemäß, der Wettbewerb nimmt zu und strategische Kapitalentscheidungen haben heute ein deutlich größeres Gewicht für die Bewertung als in früheren Wachstumsphasen. Die Zahlen des vierten Quartals bestätigen, dass das operative Fundament gesund ist, die Werbestrategie greift und die Plattform kulturell relevant bleibt. Gleichzeitig hat der Markt deutlich gemacht, dass operative Exzellenz allein nicht mehr ausreicht.

Solange keine Klarheit über die Warner-Bros.-Situation besteht, dürfte selbst starke Geschäftsentwicklung nur begrenzt honoriert werden. Gleichzeitig beginnen wir, die Aktie im Bereich um 80 US-Dollar als attraktiv zu betrachten. Kurzfristige Schwächephasen nach den Zahlen könnten langfristig orientierten Investoren eine interessante Einstiegschance bieten. Unser Kursziel bleibt bei 115 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 32 Prozent entspricht, sobald die strategische Unsicherheit nachlässt und die Fundamentaldaten wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Erfahrene Anleger können Bewegungen der Aktie bspw. mit dem +3x Long Netflix ETP oder aber dem -1x Short Netflix ETP von Leverage Shares taktisch nutzen.

 

Veröffentlicht am: 26.01.2026

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