^

URL: https://www.frauenfinanzseite.de/index.php?id=1,17205,0,0,1,0


Chart der Woche: Relative Werte zählen

Während anderswo die fiskalischen Nerven flattern, rückt Europas Rentenmarkt zusammen



In den frühen Jahren nach der Einführung des Euro galten sinkende Renditeabstände zwischen Staatsanleihen vielen als Beleg für die Integrationskraft der Einheitswährung. Um 2007 herum konnten Italien, Spanien und Frankreich fast zu deutschen Konditionen Schulden aufnehmen. Dann kam die Eurokrise – und damit die Erinnerung daran, wie rasch Konvergenz wieder verschwinden kann.

Wie unser „Chart der Woche“ zeigt, handeln die Spreads von Staatsanleihen aus Italien, Spanien und sogar Frankreich verglichen mit deutschen Bundesanleihen inzwischen ähnlich eng wie vor der Euro-Krise. Das spiegelt Jahre harter, oft politisch unpopulärer innenpolitischer Reformen wider – und zugleich die Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB), den geldpolitischen Transmissionsmechanismus funktionsfähig zu halten und Fragmentierung zu verhindern. Mario Draghis berühmte „Whatever-it-takes“-Rede von 2012 wirft noch immer lange Schatten.1) Irland und Griechenland, einst Synonyme für fiskalische Dysfunktion, handeln heute oft auf Niveaus, die eher an Österreich oder Belgien erinnern.

Doch diese jüngste Phase der Konvergenz verdankt die Eurozone mindestens ebenso sehr den Turbulenzen anderswo wie der Ruhe in Frankfurt. Das spektakulärste Staatsschuldendrama der vergangenen Jahre spielte sich nicht in Lissabon ab, sondern in London – ausgelöst durch das Mini-Budget von 2022. Die USA und Japan ringen inzwischen mit ihren eigenen fiskalischen Dämonen – was Europas politischem Drama einen eher milden Beigeschmack verleiht.

Frankreichs jüngste Haushaltsposse liefert das beste Beispiel.2) Politische Blockade, eine Regierung, die Budgetmaßnahmen ohne parlamentarische Abstimmung durchdrückt und die Aussicht auf mehrere Misstrauensabstimmungen hätten vor nicht allzu langer Zeit wohl gereicht, um Spreads deutlich nach oben zu treiben. Dieses Mal zuckten die Märkte kaum – und das nicht nur, weil die Regierung wohl überlebt und Neuwahlen vermeidet. Denn warum sollte man wegen taktischer Manöver in der Assemblée Nationale nervös werden, wenn sich die Rendite japanischer 30‑jähriger Anleihen gerade ruckartig bewegt und Washington nebenbei mit der Idee spielt, Grönland zu kaufen?

Strukturelle Verbesserungen tragen ebenfalls zur Stabilität bei. Italien und Spanien gehören weiterhin zu den größten Gewinnern der EU‑Aufbauhilfen nach der Pandemie, was ihre Schulden auf dem aktuellen Niveau stabilisiert hat. Beide Länder wurden zuletzt häufig enger gehandelt als Frankreich. „Auch ausländische Käufer sind zurückgekehrt“, merkt Ulrike Kastens, Senior Economist Europe der DWS, an. „Zentralbankdaten zufolge ist der Anteil ausländischer Investoren an französischen und italienischen Staatsanleihen in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Stabilität ist heute vor allem eine relative Kategorie – und Europa profitiert davon, dass der Rest der Welt das lautere Drama liefert.“

1) European Central Bank, Jul. 26, 2012, “Speech by Mario Draghi, President of the European Central Bank at the Global Investment Conference in London”

2) Zu den Hintergründen siehe z.B. The Economist, Jan. 8, 2026, “France is paralysed, and everyone is to blame: The budgetary impasse is just one symptom of collective political uselessness”

 

Veröffentlicht am: 24.01.2026

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Nächsten Artikel lesen

Vorherigen Artikel lesen

 

Neu:

▪ Radreise mit Kindern: Erfahrungen und Tipps

▪ Der schnelle Weg zur Wunschfigur

▪ Chart der Woche: Relative Werte zählen

▪ Ausblick 2026: Sotheby’s International Realty sieht selektive Nachfrage

▪ Bessere Fahrausbildung rettet Leben und spart Kosten

▪ AscheMOND oder The Fairy Queen

▪ Aktienmärkte reagieren verhalten auf Zahlen der US-Banken

▪ Ausblick auf die US-Notenbanksitzung am 28. Januar 2026: Politik könnte dominieren

▪ Warum die Renditen steigen: Der globale Anleihemarkt steht unter neuem Druck

▪ Kfz-Rabatt-Illusion


 

 

 

 

Werbung

Werbung

 

 

 

Werbung

             

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| Börsen-Lexikon
| Fotograf Fotomensch Berlin
| Geld & Genuss
| gentleman today
| genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock.de
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

© 2024 by frauenfinanzseite.de, Groß-Schacksdorf. Alle Rechte vorbehalten.