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Die Fed stranguliert sich mit ihrem Inflationsziel

Marktkommentar von Legg Mason/Western Asset Management

Die US-Notenbank hält an einem starren Inflationsziel von zwei Prozent fest. Ein Fehler, meint Amit Chopra, Portfoliomanager der Legg-Mason-Boutique Western Asset Management. Stattdessen sollte die Fed eine Spanne vorgeben. Dann wäre sie nicht in Zeiten deflationärer Tendenzen zum unbedingten Handeln gezwungen.

So ergibt es für Chopra gerade in Krisenzeiten wenig Sinn, Risiken durch steigende Staatsschulden und aufgeblähte Notenbankbilanzen zu erhöhen. Seit Anfang 2019 bekennt sich die US-Notenbank zu einem Inflationsziel von mehr als zwei Prozent und bleibt dem Markt dennoch eine Erklärung schuldig, was das genau für die Geldpolitik bedeutet. Während die Gründe der Fed, die sich insbesondere seit der Corona-Krise mit der Überschrift „Kampf gegen die Deflation“ beschreiben lassen, am Markt nachvollzogen werden können, stößt das Inflationsziel in der Realwirtschaft auf Unverständnis.

Die „Main Street“ sieht keinen sonderlichen Nutzen in weiter steigenden Preisen. Unternehmen fokussieren sich eher auf Wachstum und Verbraucher leben in der Regel von festen Einkommen, die mit steigenden Preisen bestenfalls mit Verzögerung Schritt halten. Bleibt der Fed also nur noch das Ziel der Bekämpfung der Deflation. Doch ist dies wirklich unter allen Umständen erstrebenswert?

Aus der Perspektive der Notenbank sorgt eine stetige Teuerung dafür, dass die Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der schwächelnden Entwicklung der Wirtschaft von vor der Corona-Krise zu sehen. Seit Ausbruch der Pandemie ist für viele Verantwortliche des FOMC die Gefahr der Deflation hinzugekommen: Ein Erliegen der Wirtschaft könnte für sinkende Preise sorgen und letztlich eine Schuldendeflation auslösen. Dabei steigt der reale Wert der Verschuldung und die so wachsende Schuldenlast führt zu einer Spirale aus Kreditausfällen, was sich erneut negativ auf die Wirtschaftsaktivität auswirken kann. Als abschreckendes Beispiel für eine derartige Entwicklung gilt Japan, das über viele Jahre in einer tiefen Deflation steckte. Doch wie groß ist das Risiko einer Deflation in den USA konkret?

Aktuell sind die USA von einer Deflation noch immer weit entfernt. Die Kernausgaben für den privaten Konsum kletterten innerhalb der vergangenen zwölf Monate zwischen 1,25 und 2,0 Prozent. Hätte die Notenbank statt eines Inflationsziels von zwei Prozent ein Ziel von 1,5 Prozent ausgerufen, bestünde aktuell weniger Handlungsbedarf, was in einer besseren Stimmung und positiveren Inflationserwartungen resultieren würde. So ist die Notenbank auch weiterhin zum Handeln gezwungen. In einer Welt wachsender Staatsverschuldung und ausufernden Notenbankbilanzen sollte das Hauptaugenmerk allerdings eher auf Konsolidierung liegen.

Gerade angesichts der drohenden deflationären Tendenzen im Zuge von ökonomischen Krisen täten Entscheider in Notenbanken und Politik gut daran, derartige Risiken zu minimieren, statt die Einsätze in Form von monetären Stützungsmaßnahmen und fiskalpolitischen Hilfen weiter zu erhöhen. Hinzu kommt, dass niedrige Zinssätze erfahrungsgemäß die Wahrscheinlichkeit von Fehlallokationen steigern und die Produktivität eher schwächen. Auch vor dem Hintergrund der Belastung kommender Generationen wäre die US-Notenbank gut beraten gewesen, ihr Inflationsziel in Form einer Spanne festzulegen. Egal, wie die Notenbank weiter verfährt, um ihre Ziele in Zukunft zu erreichen: Um in der Realwirtschaft und bei immer mehr skeptischen Marktteilnehmern Gehör zu finden, bedarf es eines klaren Konzepts und offener Kommunikation. Dies ist die Fed bislang schuldig geblieben.

 


Veröffentlicht am: 09.07.2020

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