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Rohstoffe im Spannungsfeld von Geopolitik und Angebotsschocks

Marktkommentar von Sandeep Rao, Senior Analyst bei Leverage Shares und Income Shares


Die globalen Rohstoffmärkte stehen 2026 im Zentrum wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen. Industriemetalle wie Kupfer notieren nahe historischer Höchststände, während Gold erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze überschritten hat. 

Gleichzeitig treiben Energiewende, Künstliche Intelligenz und geopolitische Spannungen die Nachfrage nach strategischen Rohstoffen weiter an. Während die Preise für die Rohstoffe selbst häufig Thema in der öffentlichen Berichterstattung sind, lohnt sich für Anleger und Investoren auch ein Blick auf die Unternehmen, die ihr Geld mit der Förderung der Rohstoffe verdienen. Denn in diesem Umfeld rücken die Produktionszahlen großer Minenkonzerne wie Rio Tinto, Anglo American und Glencore verstärkt in den Fokus der Kapitalmärkte und zeigen, dass die Branche vor einem strukturellen Wandel steht.

Die aktuellen Quartalszahlen der Minenkonzerne zeichnen ein differenziertes Bild. Rio Tinto steigerte seine kupferäquivalente Produktion im ersten Quartal 2026 um neun Prozent, während die Eisenerzproduktion in Pilbara um 13 Prozent auf 78,8 Millionen Tonnen zulegte – der zweithöchste Wert für ein erstes Quartal seit 2018. Anglo American hingegen verzeichnete lediglich ein moderates Wachstum bei Kupfer von einem Prozent auf 170.400 Tonnen, während hochwertiges Eisenerz um zwei Prozent zurückging. Gleichzeitig konnte die Manganproduktion, bedingt durch die Erholung nach wetterbedingten Störungen, mehr als verdoppelt werden. Das Unternehmen befindet sich weiter in einer umfassenden Restrukturierung und hat sich von Platin, Stahlkohle und Nickel getrennt, um sich stärker auf Kupfer und Eisenerz zu fokussieren. Diese strategische Neuausrichtung unterstreicht, dass Rohstoffunternehmen zunehmend gezielt auf jene Materialien setzen, die im Zentrum globaler Transformationsprozesse stehen.

Ressourcen-Nationalismus verändert die Spielregeln

Die komplexeste Entwicklung zeigt sich bei Glencore. Während die Kupferproduktion um 19 Prozent auf 199.600 Tonnen anstieg, brach die Goldproduktion um 53 Prozent ein und die Kobaltförderung sank um 39 Prozent. Der Rückgang bei Gold ist primär auf das Auslaufen bestimmter Minen zurückzuführen und kein Preissignal. Deutlich relevanter ist jedoch die Entwicklung im Kobaltmarkt: Die Demokratische Republik Kongo hat ein nationales Exportquotensystem eingeführt, das mindestens bis Ende 2027 gilt.

Diese Maßnahme zwingt Glencore dazu, die Produktion stärker auf Kupfer zu priorisieren und liefert einen Vorgeschmack auf eine Entwicklung, die die gesamte Branche prägen dürfte: Ressourcen werden zunehmend als geopolitisches Instrument eingesetzt. Was einst eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung war, wird damit zu einer politischen Variable.

Im Zentrum der aktuellen Rohstoffdynamik stehen zwei Metalle: Kupfer und Gold. Kupfer profitiert von strukturellen Nachfragefaktoren wie Elektrifizierung, Elektromobilität, dem Ausbau von KI-Rechenzentren und der Modernisierung von Stromnetzen. Gleichzeitig erwarten Marktbeobachter für 2026 ein Angebotsdefizit zwischen 150.000 und über 300.000 Tonnen, getrieben durch sinkende Erzgehalte, Produktionsstörungen und Genehmigungsverzögerungen.

Gold wiederum hat sich zu einem zentralen Profiteur geopolitischer Unsicherheit entwickelt. Der Preis stieg im Jahresverlauf um 85 Prozent auf über 5.000 US-Dollar je Unze. Treiber sind die Diversifizierung von Zentralbankreserven, eine Schwäche des US-Dollars sowie eine steigende geopolitische Risikoprämie. Bereits Ende 2025 hatte Goldman Sachs Gold als „bevorzugte Long-Position“ bezeichnet und einen Preis von 4.900 US-Dollar prognostiziert – ein Niveau, das bereits Anfang 2026 überschritten wurde.

Geopolitik treibt nicht nur Nachfrage und die Kosten


Ein oft übersehener Aspekt ist die Kostenentwicklung. Glencore weist darauf hin, dass der Konflikt im Nahen Osten die Preise für Diesel und Schwefelsäure erhöht – zentrale Inputfaktoren im Bergbau. Dadurch führt der Konflikt mit dem Iran nicht nur zu steigenden Rohstoffpreisen, sondern gleichzeitig auch zu höheren Förderkosten. Damit wirkt Geopolitik doppelt preistreibend: über die Nachfrage und über die Angebotsseite. Dieser Effekt verstärkt die Dynamik an den Rohstoffmärkten zusätzlich.

Seit dem Ende des Kalten Krieges galten Rohstoffe lange als primär wirtschaftliche Güter. Dieses Paradigma hat sich grundlegend verändert. Bereits in den 2010er-Jahren zeigte China, wie Rohstoffe als geopolitisches Druckmittel eingesetzt werden können, etwa durch Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden. Heute kehrt diese Logik mit neuer Intensität zurück. Exportquoten, staatliche Eingriffe und strategische Allianzen werden zunehmend zum Standard. Das Beispiel Kongos zeigt, dass diese Entwicklung nicht auf große Volkswirtschaften beschränkt ist. Für Privatanleger und für professionelle Investoren bedeutet das: Kapitalallokation im Rohstoffsektor ist eine Frage von Angebot, Nachfrage und Kosten, aber auch eine Wette auf politische Stabilität und regulatorische Rahmenbedingungen.

Die jüngste Preisentwicklung beeindruckt: Der Bloomberg Commodity Index legte im April um fünf Prozent zu, seit Jahresbeginn um 30 Prozent und auf Jahressicht um 44 Prozent. Über fünf Jahre beträgt das Plus 79 Prozent. Dennoch sprechen die Zahlen nicht zwingend für einen Rohstoff-Superzyklus, der durch jahrzehntelanges Nachfragewachstum getrieben wird. Eher handelt es sich um einen geopolitisch verstärkten Aufschwung mit Superzyklus-ähnlichen Eigenschaften in ausgewählten Segmenten – besonders bei Kupfer und Gold. Gleichzeitig bleibt die Nachfragebasis fragil. Der Einbruch im chinesischen Immobiliensektor, einer der wichtigsten Treiber für Industriemetalle, könnte in vielen Prognosen noch unterschätzt sein.

Operativer Hebel und neue Risiken

Ein zentrales Merkmal von Minenunternehmen bleibt der operative Hebel: Ein Preisanstieg von zehn Prozent bei einem Rohstoff kann zu einem Gewinnanstieg von 30 bis 40 Prozent führen. Dieses Prinzip trug bereits 2025 dazu bei, dass Minenaktien – insbesondere im Edelmetallbereich – zu den erfolgreichsten Anlageklassen zählten.

Doch mit der Politisierung der Rohstoffmärkte steigen auch die Risiken. Jurisdiktionsrisiken, Genehmigungsunsicherheiten und ESG-Abschläge gewinnen an Bedeutung. Während Rohstoff-ETFs diese Risiken reduzieren können, verzichten Anleger damit gleichzeitig auf den operativen Hebel. Die Entscheidung zwischen direktem Rohstoffinvestment und Minenaktien wird damit zu einer bewussten strategischen Abwägung.

Rohstoffe werden zur geopolitischen Anlageklasse

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich der Rohstoffsektor in einer neuen Phase befindet. Preise werden nicht mehr ausschließlich durch Marktmechanismen bestimmt, sondern zunehmend durch politische Entscheidungen und strategische Interessen. Für Anleger und Investoren bedeutet dies ein komplexeres Umfeld, in dem Chancen und Risiken enger miteinander verknüpft sind. Die Kombination aus struktureller Nachfrage, geopolitischen Spannungen und Angebotsrestriktionen spricht weiterhin für ein konstruktives Umfeld – allerdings mit höherer Volatilität und zunehmender Unsicherheit.

Erfahrene Anleger, die bspw. Kursentwicklungen der Goldminenbetreiber taktisch nutzen möchten, könnten dafür den +3x Long Gold Miners ETP oder den -3x Short Gold Miners ETP von Leverage Shares in Betracht ziehen. Zudem ist für langfristig orientierte Anleger der Copper Miners+ Yield ETP verfügbar. Er zielt darauf ab, monatliche Erträge zu generieren, indem er Call- und Put-Optionen auf Kupferminenunternehmen verkauft. Solche IncomeShares-ETPs gibt es auch auf Basis von Gold- oder Silberminenunternehmen.

 

Veröffentlicht am: 07.05.2026

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