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KI-Boom: Es zählt, wer übrig bleibt

... so Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM



Der Ausbau der Künstlichen Intelligenz trägt die Aktienmärkte wie auch das US-Wirtschaftswachstum. Die Hoffnungen ruhen auf einer spektakulären Steigerung der Arbeitsproduktivität. Doch umgekehrt wird vor einem ebenso spektakulären Verlust von Jobs gewarnt. 

„Die Debatte wird von Extremen dominiert: Massenarbeitslosigkeit auf der einen Seite, Produktivitätswunder auf der anderen“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Doch die Realität ist komplexer.“ Einige profitieren von KI, andere verlieren. Das gilt für Arbeitnehmer wie für Anleger.

Der KI-Boom läuft. In den vergangenen acht Quartalen haben US-Unternehmen ihre realen IT-Investitionen mit einer Jahresrate von fast 25 Prozent gesteigert. Die zentrale Frage an den Finanzmärkten lautet derzeit: Werden sich diese Ausgaben rechnen? Das hängt davon ab, ob die KI von Unternehmen nachgefragt wird und dies hängt wiederum davon ab, ob die Technologie die erhofften Produktivitätsfortschritte bringt. Wenn ja, so könnte dies theoretisch massenhaft Jobs überflüssig machen. „KI wirkt daher gleichzeitig wachstumsfördernd und verunsichernd“, erklärt Fischer. Ist Arbeitslosigkeit der Preis für den Tech-Boom?

Hier gilt es zu differenzieren. KI übernimmt nicht komplette Jobs, sondern verändert vor allem einzelne Tätigkeiten und Aufgaben. „Einige werden automatisiert, andere bleiben bestehen“, so Fischer. Daher bleibe die Beschäftigung insgesamt voraussichtlich stabil. Dazu kommt: Wird Arbeit effizienter, verbilligt sich auch ihr Produkt, was die Nachfrage steigert.

Künstliche Intelligenz übernimmt vor allem Routinetätigkeiten wie Recherche, Dokumentation, Textarbeit oder einfache Analysen. Dies sind klassischerweise die Aufgaben von Berufseinsteigern, die daher besonders betroffen sind. Das zeigt sich bereits in den Daten: Laut Stanford Digital Economy Lab liegt die Beschäftigung bei 22- bis 25-Jährigen in den am stärksten KI-exponierten Berufen fast ein Fünftel unter der in weniger exponierten Berufen. Ein Jahr zuvor waren es nur 13 Prozent. „Es wird nicht entlassen, sondern weniger eingestellt“, erklärt Fischer den Mechanismus. „Betroffen sind also nicht die, die schon einen Arbeitsplatz haben, sondern die, die erst noch Arbeit suchen.“

Das wirkt zurück auf die Beschäftigten: KI erhöht den Qualifikationsdruck, weil weniger Bedarf an Routinetätigkeiten besteht und mehr an Urteilsvermögen, Kreativität und Kommunikation. „Arbeit verschiebt sich qualitativ nach oben“, so Fischer, „was neue Chancen für Arbeitnehmer schafft.“ Die Frage lautet also nicht „Krise oder Boom?“, sondern „Wer profitiert und wer nicht?“

Das gilt auch für die Geldanlage. Derzeit ist KI noch vor allem ein Infrastruktur-Thema. Die Investitionen in Halbleiter, Energie, Speicher- und Rechenkapazität sollen laut Schweizer Bank UBS nächstes Jahr um ein Drittel auf 1,2 Billionen Dollar steigen. Daran verdienen nicht nur die bekannten Hyperscaler, sondern auch Unternehmen aus der zweiten Reihe. „Die Herausforderung für Anleger ist daher die Selektion“, so Fischer. Denn es gibt viele Gewinner, aber auch viele Fehleinschätzungen. Unter Druck gerieten zuletzt die Neocloud-Anbieter, die auf günstige Finanzierungen angewiesen sind. Aber auch unter den Hyperscalern trennt sich die Spreu vom Weizen: „Wer KI-Investitionen aus dem Cashflow finanziert, wird anders bewertet als derjenige, der dafür ins Minus geht.“

Die Lehre: Nicht alles, was nach KI aussieht, generiert nachhaltige Rendite. „Anleger sollten daher in den Wandel investieren, nicht in den Hype“, erklärt Fischer. Der Fokus liege auf den strukturellen Gewinnern des KI-Wandels – nicht nur bei den Anwendungen, sondern vor allem in der Infrastruktur, die KI erst ermöglicht.

Platzt die KI-Blase? Irgendwann ist dies wahrscheinlich. „Aber dann wird die Welt nicht untergehen, sondern es wird sich zeigen, wer Substanz zu bieten hat und wer bloß von der Begeisterungswelle mitgetragen wurde“, sagt Fischer. Anlegern rät er deshalb zu drei Dingen: „Global diversifizieren, gezielt auswählen und auf nachhaltige Trends setzen statt auf kurzfristige Narrative.“

 

Veröffentlicht am: 04.11.2026

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