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Zwischen Krieg und Konjunkturstärke: die Lage an den Märkten

... von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM



Zwei Kräfte zerren derzeit an der globalen Konjunktur: Auf der einen Seite die Lage der Unternehmen, auf der anderen Seite die privaten Haushalte, deren Kaufkraft durch steigende Preise geschwächt wird. Die zentrale Rolle spielt dabei der Krieg im Iran. „Solange die Situation im Nahen Osten sich nicht klärt, bleibt die Frage unbeantwortet, welche der beiden Kräfte stärker ist“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei
Moventum AM.

Der Buchstabe „K“ spielt derzeit eine zentrale Rolle bei der Bewertung der US-Konjunktur. Denn die „K-shaped recovery“ weist in beide Richtungen: nach oben und nach unten. Aufwärts geht es mit der Industrie. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe notiert weiterhin klar im Expansionsbereich: Im Juli hatte er mit 55,6 Prozent den höchsten Stand seit Mai 2022 erreicht, im August lag er mit 54,6 Prozent leicht darunter. Dies wird begleitet von soliden Auftragseingängen. „Das ist ein zentraler Grund für die anhaltend gute Entwicklung des Börsenindex S&P 500“, sagt Fischer. Die Echtzeit-Prognosen bestätigen dieses solide Wachstumsbild: Der BIP-Nowcast der Atlanta Fed liegt Anfang September für das dritte Quartal bei robusten 4,7 Prozent.

Zwiespältig ist dagegen die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt; ein entscheidender Faktor, schließlich hängen knapp 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung am privaten Konsum. Sah es kürzlich noch danach aus, als schwäche sich der Arbeitsmarkt ab, so lieferte der Arbeitsmarktbericht für August einen überraschend guten Wert: Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft stieg um 162.000, der stärkste monatliche Zuwachs seit März. „Es bleibt abzuwarten“, sagt Fischer, „ob es sich dabei um eine nachhaltige Trendwende oder lediglich um eine einmalige positive Ausreißerzahl innerhalb eines insgesamt fragileren Arbeitsmarktumfelds handelt.“

Spürbar eingetrübt hat sich wiederum die Lage bei den privaten Haushalten. Bei den Einzelhandelsumsätzen und den Konsumausgaben sind deutliche Rückschritte zu beobachten, mit erwartbaren negativen Auswirkungen auf zyklische Konsumsegmente. Belastend wirkt hier vor allem der anhaltende Nahostkonflikt, der die Ölpreise stark schwanken lässt und zeitweise nach oben treibt. Dies lässt den US-Bürgern abzüglich Energiekosten immer weniger Geld zum Einkaufen: „Dies ist ein weiterer Baustein im bereits beobachteten K-shaped-Konsummuster in den USA“, erklärt Fischer.

Die US-Verbraucherpreise kletterten im August um 3,4 Prozent, zentraler Treiber bleibt die Energie. Ein Warnsignal senden auch die Erzeugerpreise: Mit 5,4 Prozent notieren sie deutlich über der Verbraucherpreisinflation und deuten auf anhaltenden Aufwärtsdruck in der Wertschöpfungskette hin. „Das zeigt, dass sich die Energiepreisinflation zunehmend auf vor- und nachgelagerte Sektoren durchfrisst“, so Fischer.

Gleichzeitig bleibt die Belastung der Haushalte durch hohe Energiepreise und Lebenshaltungskosten auch politisch ein sensibles Thema, das im Vorfeld der Midterm-Wahlen im November weiter an Bedeutung gewinnen dürfte. Die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump findet wenig Begeisterung in der Bevölkerung.

Ähnlich die Situation in Europa: Die Stimmung der Wirtschaft verbessert sich angetrieben von der Entwicklung in Deutschland. „Das ist möglicherweise ein erstes Anzeichen dafür, dass die angekündigten Reformen und Fiskalpakete allmählich Wirkung zeigen“, erklärt Fischer. Allerdings haben auch die Menschen in Europa unter steigenden Preisen im Zuge des Iran-Krieges zu leiden. Zudem bleiben die strukturellen Probleme in Europa erhalten: Bürokratie, geringe Digitalisierung, Energieabhängigkeit und Fachkräftemangel.

Fischer: „Insgesamt halten sich derzeit Stärken und Schwächen auf beiden Seiten des Atlantiks die Waage.“ Wohin die Waage kippt, entscheidet sich nicht zuletzt an der Entwicklung in Nahost. „Der Ölmarkt bleibt von außergewöhnlich hoher Unsicherheit geprägt“, erklärt Fischer. „Für eine belastbare Preisprognose fehlt derzeit schlicht die Klarheit über den weiteren Konfliktverlauf. Man agiert im Nebel.“

 

Veröffentlicht am: 16.09.2026

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