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Fed-Entscheidung – Unsicherheit trifft auf Selbstbewusstsein

... von Christian Scherrmann, DWS-Chefvolkswirt USA



Wie erwartet haben die US-Notenbanker die Leitzinsen unverändert gelassen, allerdings fiel die Entscheidung nicht einstimmig aus: Stephen Miran sprach sich für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte aus. In der Pressemitteilung wurde die zusätzliche Unsicherheit hervorgehoben, die durch die Eskalation im Nahen Osten entstanden ist. 


Aus den aktualisierten Projektionen scheint hervorzugehen, dass höhere Ölpreise vor allem die Gesamtinflation betreffen werden, sich zugleich aber auch etwas auf die Kerninflation auswirken könnten. Fed-Chef Powell stellte später klar, dass auch Zölle zu diesen Veränderungen beigetragen hätten. Gleichzeitig wird das Wachstum im Jahr 2026 etwas robuster erwartet, was angesichts der potenziellen Auswirkungen höherer Ölpreise bemerkenswert ist. Trotz höherer Inflation und stärkeren Wachstums zeigen die Prognosen weiterhin eine Zinssenkung im Jahr 2026.

In der Pressekonferenz blieb Powell weitgehend bei der lehrbuchmäßigen Reaktion auf einen Energieschock. Er betonte, dass die Inflationserwartungen weiterhin gut verankert seien, und signalisierte, dass die Fed höhere Energiepreise vorerst ignorieren wolle. Der Fokus liege auf zollbedingtem Preisdruck, insbesondere bei der Güterinflation. Zwar räumte er ein, dass die Inflation kurzfristig wahrscheinlich steigen werde, er zeigte sich jedoch optimistisch, dass die Effekte der Zölle ab Mitte 2026 nachlassen könnten. Weitere Aussagen deuteten darauf hin, dass dies die zentrale Voraussetzung für Zinssenkungen bleibe. Auf die Frage nach dem neutralen Zins wiederholte Powell, dass sich das Zinsniveau derzeit am oberen Ende der Spanne befinde. Zudem äußerte er sich überraschend offen zur Nachfolgefrage: Er werde als Vorsitzender „pro tempore“ im Amt bleiben, falls ein Nachfolger bis zu seinem Ausscheiden nicht bestätigt sei. Ebenfalls werde er dem Direktorium so lange angehören, bis die Untersuchungen des Justizministeriums abgeschlossen seien.

Inflationserwartungen bleiben das leitende Prinzip der Geldpolitik und die Währungshüter wirken diesbezüglich derzeit recht zuversichtlich. Die Kombination aus hartnäckiger, zollgetriebener Inflation und den noch kommenden Auswirkungen höherer Energiepreise macht diese Haltung jedoch gewagt. Sie erinnert womöglich an frühere Phasen der Sorglosigkeit. Wie die Geschichte gezeigt hat, ist die Glaubwürdigkeit von Zentralbanken entscheidend für die Verankerung von Inflationserwartungen. Dies könnte auch Powells überraschend selbstbewusste Aussage erklären, er wolle noch einige Zeit im Amt bleiben. Vorerst halten wir an unserer Einschätzung fest, dass die Fed die Zinsen letztlich weiter senken kann – auch wenn die Märkte darauf vermutlich noch einige Zeit warten müssen.

 

Veröffentlicht am: 19.03.2026

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