
Nach zwei herausfordernden Jahren, gekennzeichnet durch Rezession, Energiepreisschocks und einer schwächelnden Exportdynamik, geht Deutschland 2026 erstmals seit Längerem wieder mit einer glaubwürdigen Wachstumsperspektive ins neue Jahr.
Es ist kein Aufschwung im klassischen Sinne, doch selbst eine moderate wirtschaftliche Beschleunigung hätte für den DAX 40 erhebliche Bedeutung. Für Europas größte Volkswirtschaft markiert 2026 weniger eine Renaissance als vielmehr einen potenziellen Wendepunkt sowie eine Phase der Neubewertung.
Die Jahre 2023 und 2024 waren von wirtschaftlicher Ermüdung geprägt. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte in beiden Jahren, die Auslastung der industriellen Kapazitäten sank deutlich und das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell geriet zunehmend unter Druck. Hohe Energiekosten, schwache globale Nachfrage und wachsender Wettbewerb aus China belasteten Industrie und Handel gleichermaßen. Auch 2025 kam das Wachstum kaum über die Nulllinie hinaus. Die deutsche Wirtschaft verharrte in einer Phase, die sich treffend als strukturelle Stagnation beschreiben lässt.
Gleichzeitig wurden unter der Oberfläche jedoch die Voraussetzungen für eine zyklische Erholung geschaffen. Eine deutliche fiskalpolitische Kehrtwende, lockerere monetäre Bedingungen und eine allmähliche Verbesserung der Binnennachfrage bilden das Fundament dafür, dass 2026 mehr sein könnte als eine bloße Fortschreibung der Stagnation.
Warum 2026 wichtiger ist als 2025
Die Wachstumserwartungen für das Jahr 2026 haben sich zuletzt stabilisiert. Die Konsensschätzungen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt liegen zwischen 0,7 und 1,6 Prozent, wobei sich mehrere führende Institute um die Marke von rund einem Prozent einpendeln lassen. Der Sachverständigenrat erwartet ein Wachstum von 0,9 Prozent, während renommierte Institute wie ifo, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Aufwärtspotenzial sehen – vorausgesetzt, die staatlichen Ausgaben beschleunigen sich und handelspolitische Spannungen nehmen nicht weiter zu.
Entscheidend ist dabei die Zusammensetzung des Wachstums. Ein erheblicher Teil entfällt auf Kalendereffekte, da 2026 von einer höheren Anzahl an Arbeitstagen profitiert, da Feiertage vermehrt arbeitgeberfreundlich liegen. Einen wesentlichen Beitrag bilden zudem staatliche Ausgaben, insbesondere für Verteidigung, Infrastruktur und klimabezogene Investitionen. Die private Nachfrage bleibt fragil, befindet sich jedoch nicht mehr im freien Fall. Für die Aktienmärkte ist genau dieser Übergang entscheidend: Wenn Wachstum jahrelang fehlte, wird selbst begrenzte Dynamik „bejubelt“ – und die Märkte neigen dazu, diesen Stimmungswechsel frühzeitig einzupreisen.
Fiskalpolitik wird zum strukturellen Rückenwind
Die Neuausrichtung der deutschen Fiskalpolitik ist der wohl bedeutendste makroökonomische Impuls für den DAX-Ausblick. Die Lockerung der Schuldenbremse, die Einrichtung eines 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögens für Infrastruktur und Klima sowie die Ausweitung der Verteidigungsausgaben verändern den mittelfristigen Ertragshintergrund für deutsche Unternehmen spürbar.
Aber: Diese Maßnahmen werden die Wirtschaft nicht über Nacht transformieren. Bürokratische Hürden, Fachkräftemangel und der Projektstau aufgrund der langwierigen Umsetzung bleiben strukturelle Bremsklötze. Doch fiskalische Impulse entfalten ihre stärkste Wirkung an den Märkten häufig nicht dann, wenn sie ihren Höhepunkt erreichen, sondern wenn sich die Erwartungen drehen. Genau dieser Wendepunkt rückt näher.
Für den DAX ist das von besonderer Bedeutung, da die Indexgewichtung stark auf Sektoren fällt, die direkt von staatlichen Investitionen profitieren. Industrieunternehmen, Bauzulieferer, Maschinenbauer und die Finanzbranche dürften überproportional von höheren öffentlichen Ausgaben profitieren – selbst wenn der kurzfristige Multiplikatoreffekt begrenzt bleibt.
Zölle, Handel und die Trump-Variable
Kein Ausblick auf die deutsche Wirtschaft ist vollständig ohne den Blick auf die Handelspolitik. Zölle haben sich zu einem spürbaren Gegenwind für die exportorientierte Volkswirtschaft entwickelt. Die USA bleiben Deutschlands wichtigster Exportmarkt, doch insbesondere die Automobilindustrie ist stark angeschlagen. In den ersten drei Quartalen 2025 sanken die deutschen Autoexporte in die USA um fast 15 Prozent.
Im Rahmen eines im August vereinbarten Handelsabkommens führten die USA einen Basiszoll von 15 Prozent auf europäische Fahrzeuge ein. Zwar lag dieser unter den zuvor angedrohten 25 Prozent, dennoch bedeutete er einen deutlichen Nachfrageeinbruch nach Jahren stabilen Wachstums. Aber auch abseits der Automobilbranche macht sich die aggressive Handelspolitik Washingtons bemerkbar. Insgesamt gingen die deutschen Exporte in die USA im Jahresvergleich um 7,8 Prozent zurück. Maschinen-, Chemie- und Industriegüterexporte litten ebenfalls unter höheren Handelsbarrieren und hohen Energiekosten. Da eine Rücknahme der Zölle kurzfristig unwahrscheinlich ist, beschleunigt Deutschland seine Bemühungen, Handelsbeziehungen innerhalb Europas sowie mit alternativen Märkten wie Indien und Indonesien auszubauen. Die Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Markt ist keine strategische Option mehr, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.
Der stärkere Euro als zusätzliche Belastung
Ein gestärkter Euro entwickelt sich zu einer kurzfristig noch greifbareren Hürde. Nach der deutlichen Aufwertung gegenüber dem US-Dollar belastet die Währung, die Exportwettbewerbsfähigkeit und wirkt sich negativ auf die Gewinnumrechnung international tätiger DAX-Unternehmen aus. Der frühere Wechselkursvorteil, der in den vergangenen Jahren die Margen stützte, entfällt zunehmend.
Für das erste Quartal 2026 wird das Durchbrechen der zentralen Widerstandsmarke von 1,1919 gegenüber dem US-Dollar erwartet, mit Potenzial für eine weitere Aufwertung bis in den Bereich von 1,25 bis zum Jahresende. Ein stärkerer Euro dürfte den Inflationsdruck dämpfen und könnte für stärker binnenorientierte Unternehmen und Finanzwerte sogar neutral bis positiv wirken. Für global ausgerichtete Konzerne bleibt er jedoch ein klarer Belastungsfaktor.
Inflation, Zinsen und die Rolle der EZB
Die Inflation in Deutschland hat sich nahe dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) stabilisiert. Für 2026 wird eine durchschnittliche Inflationsrate von rund zwei Prozent erwartet. Die Kerninflation bleibt erhöht, doch die Richtung ist für die Währungshüter nicht mehr alarmierend. Damit erhält die EZB Spielraum, die Zinsen stabil zu halten oder vorsichtig weiter zu senken.
Ein unterstützendes Zinsumfeld ist besonders förderlich für jene Aktien, die während des Straffungszyklus unter Druck standen. Banken, Versicherer und zinssensitive zyklische Titel profitieren von sinkendem Finanzierungsstress, stabiler Kreditnachfrage und robusteren Bilanzen. Für den DAX bedeutet dies weniger Bewertungsfantasie, da die Multiplikatoren bereits moderat sind, sondern vor allem höhere Ertragssicherheit.
Welche Sektoren den DAX 2026 tragen könnten
Der DAX ist kein Technologieindex. Und genau darin liegt zugleich seine Schwäche und seine Stärke. Die Schwergewichte aus Industrie und Finanzsektor sind besonders stark auf fiskalische Impulse, geldpolitische Entlastung und konjunkturelle Stabilisierung ausgerichtet. Industrieunternehmen profitieren von Verteidigungsaufträgen, Infrastrukturprogrammen, Elektrifizierung und Automatisierung. Auch wenn Deutschland nicht an der Spitze der KI-Revolution steht, integrieren viele DAX-Unternehmen digitale Lösungen zur Effizienzsteigerung und Margensicherung.
Finanzwerte erscheinen weiterhin unterbewertet. Gewinnrevisionen zeigen nach oben, Kapitalrückführungen sind solide, und die Bewertungen bleiben attraktiv. Bereits moderates Kreditwachstum bei stabilen Margen könnte weiteres Aufwärtspotenzial eröffnen. Pharma- und ausgewählte Gesundheitswerte bieten defensives Wachstum, während Automobil- und Chemiewerte strukturell stärker unter Druck bleiben.
Bewertung, Technik und Marktausblick
Mit einem Bewertungsniveau von rund dem 17-fachen der Gewinne notiert der DAX deutlich unter den US-Märkten. Die leichte Prämie gegenüber dem eigenen historischen Durchschnitt spiegelt eher die Sektorstruktur als Übertreibung wider. Eine starke multiple Expansion ist daher nicht zu erwarten – die Ertragsentwicklung muss die Hauptarbeit leisten.
Technisch betrachtet geht der DAX 2026 in eine Konsolidierungsphase, nicht in eine Korrektur. Der langfristige Aufwärtstrend seit den Tiefs im Oktober 2022 bleibt intakt. Die Unterstützung bei 22.943 Punkten hat sich als stabil erwiesen. Die Marke von 25.000 Punkten wurde zu Beginn des Jahres direkt mal geknackt und ebnet den Weg in Richtung neuer Rekordstände. Perspektivisch rückt auch der Bereich um 26.000 Punkte in Reichweite.
Ein Markt, der Selektivität belohnt
Der DAX dürfte 2026 keine geradlinige Rally liefern. Volatilität kehrt zurück, und makroökonomische Risiken bleiben präsent. Doch das Gesamtbild hat sich verbessert. Deutschland bewegt sich von Schrumpfung zu Stabilisierung, von fiskalischer Zurückhaltung zu Investitionen und von Pessimismus zu vorsichtigem Optimismus. Für Anleger ist dieser Übergang entscheidender als absolute Wachstumszahlen.
In einem Markt, der lange von Skepsis geprägt war, kann bereits moderate Verbesserung erhebliche Wirkung entfalten. Für den DAX wirkt das Jahr 2026 weniger wie ein zyklischer Höhepunkt und mehr wie ein Belastungstest für eine nachhaltigere Neubewertung.
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