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Montag, 18. Oktober 2021
   
 

Geben Frauen tatsächlich den Ton an?

So kehrt endlich Ruhe im Schlafzimmer ein

Bis zu 100 Dezibel und damit die Lautstärke einer kreischenden Kreissäge erreicht Schnarchen im Extremfall. Dabei wird die nächtliche Lärmbelästigung vor allem Männern zugesagt. Zu Recht? Oder sind Frauen die wahren Tonangeberinnen?

Prof. Dr. med. Joachim T. Maurer, Schlafmediziner und Hals-Nasen-Ohren-Arzt an der Universitätsmedizin Mannheim, kennt die Antwort und weiß darüber hinaus, welche Maßnahmen für eine ruhigere Nacht sorgen.

Dickes Ding


Schnarchen ist Männersache? Im Gegenteil! Zumindest wenn man auf die Studie des Royal National Throat, Nose and Ear Hospital in London schaut. Hiernach geben 31 Prozent aller Männer zwischen 25 und 34 an, dreimal die Woche ein nächtliches Konzert zu geben, bei den Frauen sind es im gleichen Alter sogar 34 Prozent. Forscher sehen den Grund darin, dass das weibliche Geschlecht in diesem Alter im Durchschnitt etwas dicker ist. Und tatsächlich verursacht eine Gewichtszunahme unter anderem, dass sich auch im Rachenraum und Halsbereich Fettdepots bilden, was wiederum das Risiko für die nächtliche Lärmbelästigung erhöht. „Entspannt sich der Körper im Schlaf, wodurch auch die Muskeln erschlaffen, wird der Rachenraum grundsätzlich enger“, erklärt Prof. Maurer. „Da die gleiche Menge Atemluft den Kehlkopf passiert wie tagsüber, entsteht ein höherer Sog, der das verengte Gewebe im Rachenraum in Schwingung versetzt und das typische, oftmals unbedenkliche Schnarchgeräusch auslöst.“

Durchhänger

Doch auch das Alter spielt eine bedeutende Rolle, wenn Frauen wortwörtlich den Ton angeben. So sorgen die weiblichen Hormone vor den Wechseljahren für ein straffes Gewebe – auch im Rachen. Mit Beginn der Menopause und sinkendem Östrogenspiegel erschlafft es dann zunehmend und das Risiko zu schnarchen steigt. „Auch bei Männern nimmt mit fortschreitendem Alter der Muskeltonus ab, weshalb bei ihnen die störende nächtliche Geräuschkulisse ebenfalls wahrscheinlicher wird“, erläutert Prof. Maurer. Mit Blick auf die Rente können Paare daher tendenziell ein gemeinsames Schlafzimmerkonzert geben, ohne sich um ihre Gesundheit zu sorgen. Denn vor allem, leises, gleichmäßiges Schnarchen gefährdet das Wohlbefinden selten. Röchelndes Schnarchen, das sich unregelmäßig und eventuell sogar mit Atemaussetzern äußert, kann hingegen gravierendere Folgen mit sich bringen.

Gesunder Schlaf

Wer darüber hinaus eine dauerhafte Erschöpfung und erhöhte Reizbarkeit wahrnimmt, sich schlecht konzentrieren kann und wenig Energie aufbringt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ursächlich für derartige Symptome kann eine sogenannte obstruktive Schlafapnoe (OSA) sein. Sie betrifft weltweit etwa 936 Millionen Menschen und ist damit die häufigste schlafbezogene Atmungsstörung. „Sie führt zu wiederholtem Sauerstoffmangel im Blut; Kohlenstoffdioxid sammelt sich im Gegenzug vermehrt im Blut – das Risiko für Infarkte steigt“, erklärt Prof. Maurer. Um die Atemwege zu befreien und den Aussetzern somit entgegenzuwirken, implantieren Experten oftmals das Genio-System von Nyxoah. Dieser kleine, von außen nicht sichtbare Neurostimulator wird in einem minimalinvasiven Eingriff unter dem Kinn eingesetzt, wo die Elektroden des Geräts die beiden Äste des Unterzungennervs stimulieren. Dadurch bewegt sich der hintere Teil der Zunge leicht nach vorne und die Atemwege bleiben während des Schlafens frei. Um das Genio-System zu aktivieren, befestigen Patienten zur Nacht den Aktivierungschip mit einem speziellen Einwegpflaster, das sie an der Unterseite des Kinns festkleben. Die Kosten für den Eingriff übernehmen die Krankenkassen.

Foto: manbob86 von pixabay

 

Veröffentlicht am: 15.09.2021

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