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Samstag, 19. September 2020
   
 

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Auf lange Sicht

John Bellows, Portfoliomanager bei Western Asset Management, sieht die Weltwirtschaft am Scheideweg

Die Weltwirtschaft steht am Scheideweg, die Volatilitätsindizes untermauern die unsichere Situation. John Bellows, Portfoliomanager bei Western Asset Management, findet es jetzt wichtig, die Investments ganzheitlich und über einen längeren Zeitraum in den Blick zu nehmen, statt reflexartig auf kurzfristige Hindernisse zu reagieren. Vor allem die steigenden Schulden bei sinkender Wirtschaftsleistung könnten sich aber als gewaltige Bürde erweisen.

Mit Blick auf die kommenden Monate könnte es aus Sicht des Anleihe-Experten turbulent werden. „Ich denke, das Beste, was wir über die nächsten Monate sagen können, ist, dass wir alle uns der sehr hohen Unsicherheit und der Auswirkungen auf die Volatilität bewusst sind“, so Bellows. Zwar sollten Anleger die optimistische Entwicklung an den Märkten nicht unbedingt als Warnsignal einer nahenden Korrektur sehen. Doch gilt es, den Blick vor den Fakten nicht zu verschließen. Investoren sollten mehr denn je auf Portfolios setzen, die verschiedene Marktszenarien abdecken.

Ein neuerlicher Einbruch wie im März hält Bellows für weniger wahrscheinlich, wenngleich nicht ganz ausgeschlossen. Es spreche aber vieles dafür, dass sich die Wirtschaft weiter erholen werde und sich die Märkte – unterbrochen von volatilen Episoden – stabilisieren werden. „Ich bin sicher, dass wir das alles durchstehen werden – sei es mit einem Impfstoff oder einem Therapeutikum – und das ist doch positiv“, sagt Bellows. Dies würde die Pandemie-Angst an den Märkten zusätzlich vertreiben.

Trotz der eher optimistischen Aussichten der Märkte rät Bellows Investoren dazu, die Augen vor den Schattenseiten der aktuellen Entwicklung nicht zu verschließen. „Die Pandemie hat Teile der Wirtschaftsleistung unwiederbringlich zerstört. Es wird lange dauern, bis wir das Niveau von vor der Krise wieder erreicht haben“, so Bellows. "Die eine Billion US-Dollar an wirtschaftlicher Aktivität, die wir verloren haben, werden wir nicht zurückkommen. Und ganz gleich, wie V-förmig die nächsten Monate sein werden oder auch nicht – wir werden wahrscheinlich mit einem niedrigeren Niveau an wirtschaftlicher Aktivität zurückbleiben.“ Hinzu komme die höhere Belastung durch Schulden. „Die Verschuldung ist höher und die wirtschaftliche Aktivität geringer. Und so sehen wir uns wieder in ein Umfeld normalerer Wirtschaftsbeziehungen zurückversetzt. Ich denke, das ist generell positiv. Doch es liegt nahe, dass man einige Risikoanlagen im Portfolio haben sollte“, sagt Bellows. Er geht insbesondere davon aus, dass der Markt für Investment-Grade-Kredite Chancen bieten werde, da er wohl weiterhin von den Konjunkturprogrammen der Zentralbanken profitieren werde.

Sorge vor dem Beginn einer tiefen Krise hat der Portfoliomanager nicht. Weder eine dauerhafte Deflation noch eine ausufernde Inflation sieht er aktuell aufkommen. Die nächsten Monate werden zeigen müssen, wohin sich die Weltwirtschaft entwickelt. „Wir können sicher sein, dass wir zu einem wirtschaftlich normaleren Umfeld zurückkehren werden, aber das wird auch ein Umfeld mit einer viel höheren Verschuldung im Verhältnis zum BIP sein. Und die Auswirkungen müssen wir sorgfältig in Betracht ziehen“, so Bellows.

 


Veröffentlicht am: 07.08.2020

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