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Freitag, 13. Dezember 2019
   
 

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Parma wird zur Kulturhauptstadt 2020

Eine bislang wenig bekannte Stadt rückt in das ihr gebührende Rampenlicht



Was gibt es zu sehen? Viel, denn Parma hat weit mehr als Käse und Schinken zu bieten. Die am gleichnamigen Fluss und der alten Handelsstraße Via Emilia gelegene Stadt blickt auf eine lange Zeit höfischer Kultur zurück.


Zunächst als Hauptsitz der Papstfamilie Farnese, dann als Heimat der aus Frankreich stammenden Bourbonen und nach 1815 als Herzogtum von Napoleons zweiter Frau, Marie Luise von Habsburg. Der klerikale und weltliche Adel brachte nicht nur Eleganz und Essenskultur, sondern auch architektonischen und kulturellen Glanz in die Stadt. Interessanterweise blieb das relativ unbemerkt.

Kaum jemand besucht den großartigen Palazzo della Pilotta, ehemaliger Wohnsitz der Farnese, oder das nach ihnen benannte barocke Holztheater, das sich darin befindet. Wer schon mal auf dem Domplatz von Florenz zwischen unzähligen Touristen stand, wird sich auf Parmas Piazza del Duomo verblüfft die Augen reiben, denn mit etwas Glück ist man an diesem wunderschönen Ort ganz und gar allein.

Gegenüber der prächtigen Kathedrale steht das 700 Jahre alte, in zartrosa und cremeweißen Verona-Marmor errichtete Baptisterium. Wenn die untergehende Sonne das achteckige Gebäude in warmes Lachsrosa taucht, sitzen allerdings oft ein paar Gäste auf der kleinen Terrasse des TCafè gleich nebenan. Insider bestellen hier den „Violet Spritz“ aus Veilchen-Likör, Prosecco und Soda. Denn vergessen wir nicht: Parma ist auch die Stadt der Veilchen. Die intensiv duftenden Blüten sind mit Marie Luise von Österreich verknüpft. Es heißt, die Herzogin habe alle Räume ihres Schlosses und viele ihrer Roben mit Veilchen geschmückt. Noch heute gibt es in Parma nostalgische Läden, die Veilchen-Honig, Veilchen-Tee, kandierte Veilchen, Veilchen-Seifen und -Parfüm anbieten.

Kein Wunder, schließlich ist Parma Italiens kulinarische Kapitale: Als einzige Stadt des Landes erhielt sie von der UNESCO die Auszeichnung „Creative City for Gastronomy“. Vor ein paar Jahren wurde sogar die feierliche Präsentation des italienischen Guide Michelin von Mailand nach Parma verlegt. Dabei glänzen hier kaum Michelin-Sterne, es gibt weder ein Zwei- noch ein Drei-Sterne-Lokal. Doch in und um Parma stehen rund 340 Parmesan-Käsereien, die berühmte Kochschule Alma und Barilla, die weltweit größte und älteste Pasta-Fabrik mit einer Spaghetti-Produktion von 270 Kilometern pro Stunde.

Außerdem: Orte wie die Enoteca Fontana, eine nur auf den ersten Blick bescheiden wirkende Weinschänke mit Steinboden und Holzdecke. Im Keller lagern um die 700 Etiketten aus Italien und dem Rest der Welt, viele davon werden glasweise ausgeschenkt. „Unsere Stammkunden trinken meist einheimische Gewächse wie den perlenden Lambrusco oder einen trockenen Malvasia“, erzählt Patron Fabrizio Fontana, „wir haben aber auch Gäste, die sich zur Trippa alla Parmigiana (Kutteln mit Tomatensauce und Parmesan) einen alten Barolo wünschen“. Die Anwälte, die in ihrer Mittagspause vom nahe gelegenen Gerichtshof kommen, setzen sich gerne auf die Terrasse und bestellen Pesto di Cavallo (Pferdefleisch-Tartar), eine Spezialität der Stadt.

Halb Parma flaniert dann an ihnen vorbei, denn die autofreie Via Farini ist ein Schlaraffenland voller Lokale und Delikatessenläden. Schräg gegenüber ist durch mannshohe Schaufenster das konkurrenzlose Angebot der Prosciutteria zu sehen – es reicht von hausgemachten Fertiggerichten wie gefülltes Huhn oder Vitello Tonnato bis zu Käsesorten aus ganz Italien, Schinken und Würsten. Bei der in den 1960er Jahren eröffneten Edel-Trattoria Sorelle Picchi gibt es ein opulentes Bollito Reale (Siedfleisch-Platte mit Kapaun, Kalbszunge, Rinderschulter und gekochter Wurst) sowie tagesfrische Ravioli, eingemachte Artischocken oder besten Culatello im angeschlossenen Feinkostladen.

2020 in Parma: Events und Veranstaltungen

Time Machine, 12.01.-03.05.2020, Palazzo del Governatore
Die erste große Ausstellung widmet sich der Frage, wie Kino, Fernsehen und Videoinstallationen unsere Wahrnehmung der Zeit verändert haben. Heutzutage erscheint es normal, eine Rückblende, eine Zukunftsvision oder eine Sequenz in Zeitlupe zu sehen. Im Palazzo del Governatore werden „Time Machines“ gezeigt – Maschinen, die den Fluss der Zeit verändern.

Die Zukunft des Gedächtnisses, 24.04.-10. 10.2020, Ospedale Vecchio
Das Ospedale Vecchio befindet sich im Stadtteil Oltretorrente und erinnert an eine Kathedrale. Zwischen dem 15. Jh. und dem Jahr 1926 war hier ein Krankenhaus untergebracht, danach überließ man den mächtigen Gebäudekomplex dem Verfall. 2018 hat die Gemeinde Parma ein Projekt zum urbanen Wiederaufbau ins Leben gerufen, im Rahmen der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt wird die Großbaustelle der Öffentlichkeit vorübergehend zugänglich gemacht. Die Ausstellung „Hospitale“ stellt die Geschichte des Krankenhauses in bildhafter Form dar: Das „Hospital“ nahm Kranke, Waisen, arme Familien und Pilger auf, die auf der Via Emilia und der Via Francigena unterwegs und in Schwierigkeiten waren. In der Ausstellung geht es um den Kampf der Ärzte gegen den Tod und für das Leben sowie den unermüdlichen Einsatz von Ordensleuten, Ammen, Apothekern und Gelehrten, die das Ospedale Vecchio mit Tat und Rat unterstützten.

Temporary Signs, 01.04.-30.09.2020
In Zusammenarbeit mit der Vereinigung junger italienischer Künstler entstehen in den Vororten der Stadt neue spannende Orte, die Raum für Begegnungen zwischen Menschen schaffen.

Das Programm der Universität von Parma: Der „Aperitif des Wissens“, ein Zusammentreffen von Dozenten und Publikum, findet jeden Mittwoch abwechselnd im Botanischen Garten und an der Römischen Brücke statt. Persönlichkeiten aus den Bereichen von Wissenschaft und Kultur werden zum Thema „Die Tage des Wissens“ sprechen. Zu den von Ateneo geförderten Veranstaltungen zählen unter anderem:

21.03.-21.06.2020: Ausstellung und Tagung mit dem Titel „’Allegri’ im Parma des Parmigianino, eine Renaissancestadt mit Geschmack. Ein Modell“.

28.05.-06.09.2020: Installation „Design! Objekte, Prozesse, Erfahrungen“ der CSAC (University of Parma Communication Archive) in der Abtei von Valserena.

03.10.-20.12.2020: Ausstellung „Das Unsichtbare sehen“ im APE Parma Museum.

Foto: ©APT Servizi Regione Emilia Romagna

 


Veröffentlicht am: 03.12.2019

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