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Donnerstag, 18. April 2019
   
 

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Chiemgau meets Japan

Kalligraphie-Performance-Künstlerin Junko Baba im Interview

Die Opernsängerin Junko Baba bekam neben Klavier- von klein auf Kalligraphie-Unterricht und folgte damit einer Familientradition: Ihr Urgroßvater gründete eine der ersten Kalligraphie-Schulen in Kyushu/Japan. Ihr Großvater war ebenso ein Meister seines Fachs, ihre Mutter ist es noch heute.

Unter Kalligraphie, auch „Shodo“ genannt, versteht man nicht nur die Kunst des Schönschreibens, sondern sie gilt auch als Philosophie für Geist und Seele. Junko Baba leitet die Europäische Zweigstelle der Nihon Shuji Kalligraphie Gesellschaft, ist Lehrbeauftragte an der Universität Wien und eine der aktivsten Performance-Künstlerinnen der japanischen Kalligraphie in Europa. Sie unterrichtet das Programm „Shodo – Die Kunst der Kalligraphie“ des österreichischen Reiseanbieters Indigourlaub.

Im veranstaltereigenen Mountain Retreat Center bei Sachrang im Chiemgau/Oberbayern sind 3 Ü im DZ inkl. Workshop mit Junko Baba und vegetarischer Vollverpflegung ab 475 €/Pers. zu haben (18. bis 21. Mai und 7. bis 10. Dezember 2019). Im Folgenden verrät sie, was die Faszination der Kalligraphie ausmacht.

Foto (download): Die japanische Kalligraphie-Künstlerin Junko Baba unterrichtet im Mountain Retreat Center von Indigourlaub im Chiemgau. Bildnachweis: Junko Baba/privat

Welche Werkzeuge benutzt man im „Shodo“? 
Junko Baba:
Die sogenannten „Vier Schätze“ – Pinsel, Tusche, Reibstein sowie Papier – werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Pinsel können aus Schaf-, Pferde-, Wiesel- oder Dachshaar sein oder eine Mischung daraus. Auch das Papier besteht aus verschiedenen Materialien und Stärken. Die Tusche aus Ruß und Leim riecht ein bisschen nach Weihrauch. Das meditative Anrühren mit Wasser auf dem Reibstein ist die ideale Einstimmung auf das Schreiben.

Muss man für „Shodo“ still sitzen können?
Junko Baba:
In Japan bekommen schon Drittklässler Unterricht in Kalligraphie. Dadurch lernen sie, ruhig zu sitzen und konzentriert zu arbeiten. „Shodo“ ist eine gute Hilfe, um zur Ruhe zu kommen. Übung macht natürlich auch dort den Meister.

Wie läuft eine Unterrichtsstunde ab?
Junko Baba:
Das Anrühren der Tusche dient zur Vorbereitung auf das Schreiben. Grundregeln hinsichtlich korrekter Körper- und Pinselhaltung sowie Strichrichtung werden erklärt, dann beginnt der Schüler. Schon nach einiger Zeit kann man ein vollständiges Schriftzeichen schreiben. Wichtig dabei ist, keine Linie ein zweites Mal nachzuziehen.

Sie gelten als eine der aktivsten Performance-Künstlerinnen japanischer Kalligraphie in Europa.
Junko Baba:
Stimmt. Ich schreibe japanische Schriftzeichen mit sehr großen Pinseln und Papieren vor Publikum. Je nach Thema der Veranstaltung bereite ich mich einige Wochen darauf vor. Dabei arbeite ich meist mit einem Trommelspieler zusammen, der mich während meines Schreibens – von ein paar Sekunden bis zu ein paar Minuten – begleitet.

Zudem sind Sie auch ausgebildete Opernsängerin. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Berührungspunkte zwischen beiden Kunstformen.
Junko Baba:
Musik und Kalligraphie haben viel gemeinsam. Bei beidem bereitet man sich gut vor, muss ständig üben. Grundregeln gelten für alle, die Interpretation jedoch gewährt Raum für Persönliches. Und wer auf der Bühne arbeitet – sowohl in der Musik als auch in der Performance-Kalligraphie – weiß, dass es nur eine Chance gibt: perfekt performen. Vor Publikum einfach nochmal von vorne anzufangen, geht nicht. 

Musik haben Sie in Tokio und in Salzburg studiert. Worin sehen Sie Unterschiede?
Junko Baba:
Ich musste schon von klein auf sehr viel Disziplin in meinem Alltag aufbringen, um das tägliche Unterrichts- und Übungspensum für Schule und Kunst zu bewältigen. Mein Tagesablauf war sehr straff gestaltet. Außerdem gilt Pünktlichkeit in Japan als eines der ganz großen „Gesetze“, man sieht es auch gut am Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der stets sekundengenau nach Fahrplan fährt. In Österreich hingegen nehmen viele es mit Pünktlichkeit und Disziplin nicht ganz so genau. „Mach‘ ma scho“, „passt schon“, „schau‘ ma mal“ sind bis zum heutigen Tag oft eine große Herausforderung für mich, ermahnen mich andererseits aber, es selbst mal ein bisschen lockerer zu nehmen.

Interview: Vera von Wolffersdorff/AHM PR
Foto: Junko Baba/privat

 


Veröffentlicht am: 21.03.2019

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