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Samstag, 19. September 2020
   
 

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Swisscanto Invest – Kurzbericht August 2020

Aktien der Eurozone mit Potenzial

Konjunktur

Die erneut steigende Zahl der COVID-19-Fälle in vielen Regionen der Welt trübt die Stimmung sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Unternehmen. Aktivitätsindizes deuten an, dass das 2. Quartal 2020 besser als befürchtet ausgefallen ist, hingegen das 3. Quartal 2020 schlechter als erhofft wird. Die Erholung steht noch auf wackeligen Beinen. Die fiskalpolitischen Stützen sind daher weiterhin willkommen. Mit ihrem EUR 750 Mrd. schweren Aufbaufonds hat die Europäische Union vorgelegt – und damit einen großen Schritt in Richtung Fiskal- und Schuldenunion gemacht. In China werden die staatlichen Stimuli im Infrastruktur- und Immobilienbereich auch in naher Zukunft für positive Wachstumsimpulse sorgen.

Finanzmärkte


Solange die Notenbanken an ihrer aktuellen Geldpolitik festhalten, werden die Realrenditen der Staatsanleihen in negativen Gefilden verharren und den Aktienmärkten dadurch zur Stütze werden. In den Schwellenländern neigt sich der Zinssenkungszyklus dem Ende zu. Mit der expansiven Geldpolitik, dem beschlossenen Aufbaufonds und der bisherigen Strategie bei der Virusbekämpfung hellt sich die Lage für europäische Aktien im Vergleich zu den übrigen Märkten deutlich auf.

Zinsen bleiben noch lange auf tiefem Niveau

Die globalen Notenbanken setzen ihre ultra-expansive Geldpolitik weiter fort, um die deflatorischen Kräfte der COVID-19 Rezession zu bekämpfen. Null-Prozent-Zinsen, umfangreiche Wertpapierkaufprogramme und Liquiditätsfazilitäten wurden in den meisten Währungsräumen implementiert. Die Währungshüter halten an ihrer sehr gemäßigten Forward Guidance fest und versprechen mindestens für die nächsten zwei Jahre die Leitzinsen nahe bei 0% zu belassen, sogar wenn die Inflation ansteigen sollte. Der Markt hat sich bereits auf dieses Szenario eingestellt. Die Zinsswaps preisen unveränderte Leitzinsen bis Mitte 2022 ein. Die Differenz zum aktuellen Leitzinsniveau ist im EUR- und USD-Währungsraum gar leicht negativ. Mit Nullzinsen und Anleihenkäufen wollen die Notenbanken die Kapitalkosten für die Staaten bis zum Ende der COVID-19-Pandemie möglichst niedrig halten. Dies scheint ihnen auch zu gelingen und wir gehen davon aus, dass die langfristigen Renditen auf Jahressicht - trotz Konjunkturerholung - nur minimales Anstiegspotenzial haben.

Euro profitiert von höherer Nachfrage

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im Vergleich zum US-Dollar im vergangenen Monat beträchtlich zugelegt. Die Euronachfrage dürfte weiterhin von der Zinskonvergenz zum US-Dollarraum und der leichten Unterbewertung gemäß Kaufkraftparität begünstigt werden. Die Staatsverschuldung in den hochverschuldeten Ländern steigt jedoch weiter an und die zu erwartende schwache Feriensaison wird die Erholung in Südeuropa dämpfen. Die Aufwärtsbewegung des Euro dürfte sich deshalb nicht nahtlos fortsetzen.

Quartalsgewinne höher als erwartet

Unsere Einschätzung vom Vormonat, dass die Gewinnberichtssaison besser als befürchtet verlaufen dürfte, hat sich bislang bestätigt. In den USA hat per Ende Juli etwa die Hälfte der Indexmitglieder des S&P 500 ihre Bilanzen offengelegt und der Anteil derer, die die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen konnten, liegt mit 85% weit über dem historischen Durchschnitt von 73%. Trotzdem ist der Gewinnrückgang gegenüber dem 2. Quartal des letzten Jahres mit 41% der stärkste seit dem Schlussquartal 2008. Dabei reicht die Spannweite von einem Einbruch um 156% (Sturz in die Verlustzone) beim Energiesektor bis zu einem leichten Anstieg von 1,3% bei den Versorgern.

Impulse für Aktien der Eurozone

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise befindet sich der Aktienmarkt der Eurozone in einem Trend relativer Schwäche zur globalen Benchmark. Dies liegt vor allem an den seither offensichtlichen Konstruktionsfehlern der Währungsunion, die zu höheren Risikoaufschlägen als in anderen Regionen führen. Immer wieder haben sich die Aktien der Eurozone auch überdurchschnittlich entwickelt. Dafür verantwortlich war abwechselnd entweder eine höhere konjunkturelle Dynamik als im Rest der Welt oder eine zusätzliche geldpolitische Unterstützungsmaßnahme der Europäischen Zentralbank (EZB). In den kommenden Monaten dürften die beiden Impulse ihre Wirkung synchron entfalten.

Denn wir gehen erstens davon aus, dass die EZB ihr Anleihenankaufprogramm künftig noch ausweiten wird. Zweitens haben sich die Regierungen der Europäischen Union auf einen Wiederaufbaufonds geeinigt. Das Besondere daran ist, dass die Mittel von EUR 750 Mrd. gemeinschaftlich am Kapitalmarkt beschafft werden sollen. Dies ist somit ein Signal der Solidarität. Drittens zeichnet sich ab, dass sich die Konjunkturerholung in Europa aufgrund des bisherigen Umgangs mit dem Coronavirus dynamischer entwickelt als in anderen Regionen. Zudem hat sich die Stimmung der institutionellen Investoren aufgehellt. Gemäß den Fund Manager Surveys der Bank of America ist der Anteil jener, die sich eine Übergewichtung der Eurozone vorstellen können, deutlich gestiegen. Auch wir sehen mindestens vorübergehend wieder mehr Potenzial für Aktien der Währungsgemeinschaft.

 


Veröffentlicht am: 04.08.2020

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