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Sonntag, 5. Juli 2020
   
 

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Swisscanto Invest: Kurzbericht Juni 2020

USA und Schweiz bleiben attraktive Aktienmärkte

Konjunktur: Nun gibt es keine Zweifel mehr, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr so stark schrumpfen wird, wie nie seit dem 2. Weltkrieg. Der Monat April markiert dabei den konjunkturellen Tiefpunkt. Die Konsumenten blicken vielerorts bereits wieder optimistischer beziehungsweise weniger pessimistisch in die Zukunft, beginnen doch nun viele Länder schrittweisen Lockerung der einschränkenden behördlichen Maßnahmen. Die von uns prognostizierte Erholung im 2. Halbjahr ist somit auf gutem Weg, wenn auch die Prognoseunsicherheit nach wie vor ausgesprochen groß ist. Für die wirtschaftliche Erholung werden riesige Summen versprochen. So hat die Europäische Kommission Ende Mai ein Wiederaufbauprogramm von 750 Milliarden Euro präsentiert.

Finanzmärkte: Die US-Notenbank setzt ihre unbeschränkten Wertpapierkäufe von Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmensanleihen fort. Auch die Europäische Zentralbank bleibt ihrer expansiven Geldpolitik treu, was die Anleihenkurse stützt. Die tiefe Rezession wird den Euro belasten und die Renditeaufschläge in den Peripheriestaaten hochhalten. Die Realrenditen haben weiteres Rückgangspotenzial, so dass sich die Opportunitätskosten von Gold verringern.

Aktienmärkte blicken über das Wellental: Die Investoren an den Aktienmärkten zeigen sich erstaunlich zuversichtlich und schenken den schwachen Wirtschaftsdaten keine Beachtung mehr, wie die kräftige Erholung seit Ende März belegt. Offenbar blicken die Anleger bereits über das konjunkturelle Wellental hinweg. Ein zusätzliches Kaufargument liefern die im Zuge der enorm expansiven Geldpolitik nochmals gesunkenen Renditen, die Aktien immer noch vergleichsweise attraktiv erscheinen lassen. Die so genannte Risikoprämie hat sich wegen der höheren Aktienkurse zwar eingeengt, liegt aber in den USA und in den meisten anderen Aktienmärkten immer noch recht deutlich über dem langjährigen Durchschnitt

KGV steigen auf neue Höhen: Mittlerweile hat der MSCI Welt rund zwei Drittel des Einbruchs im Februar und März wieder aufgeholt. Gleichzeitig reduzierten die Finanzanalysten ihre Gewinnprognosen um rund 25 Prozent. Folglich ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Dimensionen vorgedrungen, die letztmalig zu Zeiten der Technologieblase registriert wurden. Tatsächlich lassen sich höhere KGV zum Teil mit der expansiven Geldpolitik und den damit verbundenen niedrigeren Zinsen rechtfertigen. Sollte sich die Konjunktur wie von uns erwartet ab der zweiten Jahreshälfte erholen, ist allerdings wieder mit leicht steigenden Zinsen zu rechnen. Zudem gehen wir davon aus, dass das Gewinnniveau von vor der Pandemie so schnell nicht wieder erreicht wird und auch bei den Dividendenzahlungen Enttäuschungen lauern. Insgesamt spricht dies für wieder sinkende KGV.

Größere Risiken in der Eurozone: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie lassen nicht nur die Gewinne einbrechen. Die meisten Unternehmen wagen derzeit auch keine Ausblicke in die Zukunft. In diesem Umfeld erhöhter Unsicherheit sehen wir nach wie vor die Aktienregionen im Vorteil, die die geringsten Gewinneinbußen erwarten lassen. Dies ist nicht nur eine Frage der Geschäftsfelder, also der Sektorzugehörigkeit der Unternehmen, sondern auch der wirtschaftspolitischen und strukturellen Rahmenbedingungen. Hier sehen wir größere Risiken in der Eurozone, denn die höhere Schuldenlast der Unternehmen und Staaten dürfte die Solidarität der Währungsgemeinschaft weiter auf die Probe stellen. Bei den Schwellenländern erachten wir Chancen und Risiken nach wie vor als ausgeglichen. Unseren Prognosen zufolge wird sich die Konjunktur zwar deutlich besser entwickeln als in den Industriestaaten. Für die Aktienmärkte sind aber die globale Investorenstimmung und die US-Dollar-Entwicklung entscheidend. Diesbezüglich erwarten wir Gegenwind. Aufgrund der Branchenzusammensetzung, unserer Gewinnerwartungen und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erachten wir die Schweiz und die USA weiterhin als attraktiv.

Mehr Rückenwind für IT als für Industriesektor: In der zweiten Hälfte des vergangenen Monats entwickelten sich die Finanzdienstleister und die zyklischen Sektoren deutlich besser als die defensiven. Investoren setzten auf einen kräftigen konjunkturellen Aufschwung in den kommenden Monaten. Auch wir gehen von einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte aus, bleiben bei einigen Zyklikern und den Finanzdienstleistern aber vorsichtig. Der wirtschaftliche Schock der vergangenen Monate dürfte bald zu einem Anstieg der Insolvenzen von Unternehmen führen und damit die Banken belasten. Zudem zeichnet sich ab, dass Banken ihre Kreditkonditionen weiter verschärfen werden. Die Kreditnachfrage sollte demnach tendenziell sinken. Außerdem profitieren Banken von der Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen. Je größer sie ist, also je steiler die Zinsstrukturkurve, desto besser. Auch bei den zyklischen Industriewerten rechnen wir nur mit vorübergehendem Rückenwind. Der globale Einbruch der Kapazitätsauslastungen und Gewinne dürfte die Investitionstätigkeit dämpfen. Dagegen sollte der Technologiesektor allerdings weiter vom gegenwärtigen Digitalisierungsschub profitieren.

Expansive Notenbanken sprechen für Gold: Seit März 2020 gehört Gold klar zu den Gewinnern unter den Edelmetallen. Die Investment-Nachfrage ist für die Richtung des Goldpreises entscheidend. Die weiterhin starke Nachfrage der ETF-Investoren hat den Goldpreis in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben. Die nach wie vor ultraexpansiven Notenbanken reduzieren die Opportunitätskosten für Gold weiter. Die unbegrenzten Wertpapierkäufe der US-Notenbank haben die Realrendite der 10-jährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen bereits auf –0,4 Prozent gedrückt. Sinken sie in die Richtung der Tiefststände aus dem Jahr 2012, sind bei Gold neue Höchststände möglich. Die Konvergenz der US-Zinsen im Vergleich zum globalen Zinsniveau bewirkt zudem, dass der US-Dollar an Attraktivität einbüßt, was Gold ebenfalls unterstützt.

 


Veröffentlicht am: 03.06.2020

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