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Sonntag, 5. Juli 2020
   
 

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Das allererste Mal

... von Alexis Bienvenu, Fondsmanager, La Financière de l‘Échiquier

Krisen schaffen völlig neue Situationen und ermöglichen nie dagewesene Reaktionen. Die Krise, die wir seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie erleben, veranschaulicht dies beispielhaft.

Notenbanken und Regierungen haben zahllose außergewöhnliche Maßnahmen beschlossen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Tatsache, dass sich die Staaten dazu entschlossen haben, durch ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eine Rezession historischen Ausmaßes zu verursachen. Um dieses wirtschaftliche „Harakiri“ auszugleichen, wurden in Rekordzeit Hilfsprogramme in unvorstellbarer Höhe aufgelegt. Das Volumen der Maßnahmen beträgt nach zwei Monaten weltweit mehrere Billionen Euro, beziehungsweise US-Dollar, darunter beispielsweise der Ankauf hochverzinslicher Anleihen durch die US-amerikanische Notenbank Fed. Hinzu kommt das Wertpapierkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (Pandemic Emergency Purchase Program), das auf die am stärksten verschuldeten Länder und insbesondere Italien abzielt und die Bilanzausweitung der Fed. Binnen weniger Wochen ist diese in einem Maße angestiegen, dass der Anstieg sogar den Gesamtbetrag aller Jahre mit akkommodierender Geldpolitik seit 2008 übersteigt. Ebenfalls erwähnenswert ist die Arbeitslosenunterstützung für Menschen ohne entsprechende Versicherung in den USA (600 US-Dollar pro Woche), die es für einen Großteil der Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen finanziell attraktiver macht, diese Hilfen zu beziehen, als zu arbeiten.

Die vorerst letzte neue Maßnahme ist das am 27. Mai von der Europäischen Kommission vorgestellte Konjunkturprogramm. Es sieht erstmals in der Geschichte der Kommission ein Hilfspaket mehr als 500 Milliarden Euro an Zuschüssen und 250 Milliarden Euro an Krediten vor. Die Finanzierung soll über neue Schuldtitel erfolgen, die nicht von den Mitgliedstaaten, sondern von der EU-Kommission begeben werden. Zwar war eine deutsch-französische Vereinbarung über einen derartigen Plan bereits in der Vorwoche angekündigt und von den Märkten gebührend gefeiert worden. Der Plan musste jedoch noch die Unterstützung einiger Länder finden, die eine bedingungslose Vergemeinschaftung von Schulden bisher ablehnen. Er ist nun ausgearbeitet, wenn auch noch nicht verabschiedet. Die Kommission scheint davon auszugehen, dass dies beim nächsten EU-Gipfel im Juni geschieht – denn sonst wäre sie bestimmt nicht das Risiko eingegangen, ihren Vorschlag vorzustellen.

Diese Ankündigung, zusammen mit den nach wie vor sehr vagen Hoffnungen auf einen Impfstoff, trug an den Märkten die zyklischen Werte durch die erste Hälfte der vergangenen Woche, bevor als defensiv geltende Werte wieder die Oberhand gewannen.

Auch wenn die Unterstützungsmaßnahmen begrüßenswert sind, sind sie doch keine endgültige Lösung für die Zersplitterung Europas. Die Eurozone ist noch immer keine wirkliche haushaltspolitische Einheit. Die gemeinschaftlich begebenen Anleihen sind an eine Notlage gebunden und werden angesichts des Widerstands einiger Mitgliedsstaaten nicht unbedingt von Dauer sein. Europa fehlt nach wie vor das Gegenstück zu den auf Bundesebene begebenen US-Staatsanleihen.

An den Börsen wirken die astronomisch hohen Konjunkturpakete zwar stützend, doch auch sie können den Markt nicht auf lange Sicht tragen, wenn der zugrundeliegende Puls der Wirtschaft nur schwach schlägt. Als Beleg sei Japan genannt, wo sich geld- und haushaltspolitische Anreize seit Jahren aneinanderreihen und in der vergangenen Woche um fast eine Billion US-Dollar erhöht wurden, ohne bei japanischen Titeln für eine deutliche Outperformance sorgen zu können.

Jedem ersten Mal wohnt ein unvergleichlicher Zauber inne. Wir sollten uns jedoch weder von der wiederhergestellten Harmonie in Europa noch von ihrer euphorisierenden, aber flüchtigen Wirkung auf die Märkte zu früh blenden lassen.

 


Veröffentlicht am: 03.06.2020

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